Gefängnisseelsorge

Verfassungsschutz will DITIB-Imame überprüfen

Wegen eines umstrittenen Comics will NRW sämtliche, als Gefägnisseelsorger tätigen DITIB-Imame vom Verfassungsschutz überprüfen lassen. DITIB selbst sieht darin „reinen Wahlkampfpopulismus“.

23
09
2016
Imam
Symbolbild: Der Imam © shutterstock, bearbeitet by IslamiQ.

Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) möchte alle als Gefängnisseelsorger tätigen Imame der islamischen Religionsgemeinschaft DITIB vom Verfassungsschutz überprüfen lassen. „Die Prediger der DITIB genießen keinen Vertrauensvorschuss mehr“, sagte Kutschaty. Die Überprüfung durch den Verfassungsschutz sei „die Konsequenz aus dem Comic der Religionsbehörde Diyanet, in dem der Märtyrer-Tod verherrlicht wird“

Wegen der Schrift hatte schon das NRW-Innenministerium eine Kooperation mit der DITIB Präventionsprogramm „Wegweiser“ einvernehmlich beendet. Hierzu äußerte sich die DITIB enttäuscht und wies drauf hin, dass sie es schade finde, dass nicht etwa die praktischen Arbeiten oder neue Erkenntnisse, sondern allein ein „Comic“ aus der Türkei Vorwand genug war, die Zusammenarbeit zu beenden.

„Reiner Wahlkampfpopulismus“

Wie schon auf diesen Schritt reagierte die DITIB auch auf Kutschatys Entscheidung mit Unverständnis. Sie sei „als politisch motiviert und als reiner Wahlkampfpopulismus zu bewerten“ und entbehre jeder sachlichen und rechtlichen Grundlage, zitiert die Zeitung DITIB-Koordinator Murat Kayman. Indirekt teilte Kayman mit, dass die DITIB ihrerseits die Mitwirkung bei der Gefangenenseelsorge einstellen könnte.

Um Radikalisierte in Haftanstalten von ihrem Weg abzubringen, setzt Kutschaty in den NRW-Gefängnissen auch auf seelsorgliche Betreuung. Von den Ende Februar eingesetzten 114 Imamen entsendet die DITIB laut Justizministerium 97. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Manuel sagt:
Sehr gut, Zeit wird's. Lange hat's gedauert, bis man drauf kam, dass DITIB in Deutschland den türkischen politischen Islam der AKP verbreitet.
24.09.16
11:33
Ute Fabel sagt:
Das völlig Fehlen von Unrechtsbewusstsein bei der DITIP finde ich völlig empörend.Gratulation an jene Politiker, die diesen dubiosen Verein endlich vor die Tür haben. Es war höchste Zeit! In dem besagten Comic schildert ein Vater seinem Sohn, wie schön und ehrenwert es sei, einen Märtyrer-Tod zu sterben: Der Dialog: Vater: "Willst du ein Märtyrer sein?" Sohn: Es ist sehr schön, ein Märtyrer zu sein. Natürlich will ich ein Märtyrer sein. Wer will schon nicht in den Himmel?" In einer weiteren Szene: "Märtyrer sind im Himmel so glücklich, dass sie zehnmal Märtyrer sein wollen. Ich wünschte, ich könnte auch ein Märtyrer sein." Anstatt sich unmissverständlich davon ohne Wenn und Aber zu distanzieren, fühlen sich die DITIP-Repräsentanten als Opfer von Populismus und "Islamophobie". Wichtig wäre es im Gefängnissen auch nicht religionsgebundene psychologische Betreuung anzubieten. Religiöse Seelsorge darf keine Monopolstellung bekommen.Auch innerhalb der migrantischen Bevölkerung aus Ländern mit islamischer Tradition gibt es viele Menschen, die sehr säkulär eingestellt sind.Wettbewerb zwischen religiösen und nichtreligiösen Betreuungsangeboten ist auch ein guter Anreiz zur Qualitätsverbesserung.
26.09.16
13:17