Fall Leyla

Angriff auf Muslima: Verfahren eingestellt

Das Ermittlungsverfahren im Fall „Leyla“ wurde eingestellt. Die muslimische Studentin wurde im Februar mit Alkohol überschütteter Kleidung und Gedächtnisverlust aufgefunden.

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2015
Symbolbild Muslime werden angegriffen© Ron Zmiri auf shutterstock, bearbeitet IslamiQ

Das Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung im Falle der Maschinenbaustudentin „Leyla“ (wir berichteten) aus Kaiserslautern wurde in der vergangenen Woche wegen „fehlendem, hinreichenden Tatverdacht“ der Strafprozessordnung eingestellt, wie es nun in der Pressemitteilung der zuständigen Anwaltskanzlei steht.

Die muslimische Maschinenbaustudentin wurde im Februar in Kaiserslautern, vermutlich aus islamfeindlichen Motiven, angegriffen. Laut ärztlicher Diagnose soll sie durch erhebliche Gewalteinwirkung auf den Kopf einen Gedächtnisverlust erlitten haben. Die Studentin könne sich deshalb nur lückenhaft an den Tathergang erinnern. Als sie wieder zu Bewusstsein kam, sei ihr Kopftuch heruntergerissen, ihre Kleidung mit Alkohol überschüttet und ihr Handy beschädigt worden.

Die Polizei tappte wochenlang im Dunkeln und fand laut Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte für eine islam- oder fremdenfeindliche Tat. Die Studentin und ihre Familie fühlten sich von der Polizei nicht ernst genommen. Ihre mit Alkohol überschüttete Jacke wurde beispielsweise erst 2,5 – 3 Wochen nach der Tat von der Polizei sichergestellt.

Unsensibler Umgang mit Studentin

Nun geht es aus einer Pressemitteilung des zuständigen Anwalts von Leyla hervor, dass die junge Studentin selbst im Verlauf des Ermittlungsverfahrens wegen Vortäuschens einer Straftat verdächtigt und förmlich belehrt wurde. Für Rechtsanwalt Yalçın Tekinoğlu sei die Vorgehensweise der Polizei völlig unverständlich: „Man fragt sich, welche Substanzen, die innerhalb weniger Stunden vollständig verdunsten können, bei einem chemischen Gutachten nach über drei Wochen noch gefunden werden sollen.

Die Justiz habe Leyla so behandelt, wie man es von Schwerverbrechern erwarten würde: misstrauisch, unfreundlich, bestrafend. Das ganze Verfahren habe dem Zweck gedient, die Studentin zu verhöhnen und habe die Fehler und Unsensibilität der Justiz mit muslimischen Opfern vorgeführt.

Finanzielle Entschädigung möglich

Offen sei noch ein Antrag auf Billigkeitsentschädigung beim Bundesamt für Justiz, über den „vermutlich zügig“ entschieden werde. Dieser ermögliche es, Opfer extremistischer Straftaten finanziell zu entschädigen. Leylas Anwalt Yalçın Tekinoğlu erklärt hierzu: „Meine Mandantin hofft, dass die Entschädigung wenigstens eine symbolische Wiedergutmachung darstellen und der Schaden durch eine staatliche Stelle öffentlich anerkannt wird.“

Leserkommentare

Reydin sagt:
Wie abscheulich ist das denn?! Es ist an der Zeit, dass wir aufstehen und auf die Straße gehen und dagegen demonstrieren !!
17.10.15
15:22
Ronald sagt:
@Reydin: Was ist abscheulich? dass die Polizei das Verfahren einstellen mußte, weil es keinerlei Spuren gab, die zu konkreten Verdächtigen geführt hat, weil nicht einmal das Opfer sich erinnern konnte? Sollten Muslime nicht lieber auf die Starße gehen, wenn in ihrem Namen Greueltaten begangen werden von ihren Glaubensbrüdern?
19.10.15
10:37
Suleiman sagt:
Nun, die Abscheulichkeit besteht wohl darin, dass das Opfer eines Gewaltverbrechens zum Täter gemacht worden ist. Man hat offenbar nichts aus dem NSU-Skandal gelernt.
20.10.15
16:28
Ronald sagt:
Wer hat sie denn zu einer Täterin gemacht? Und wie soll das geschehen sein? Zur Ermittlung des Sachverhaltes gehört nun einmal auch die Überprüfung der Glaubwürdigkeit der Behauptungen. In einem Rechtsstaat genügt es nicht, jemanden zu denunzieren und schon wird er eingesperrt. Solche Anschuldigungen müssen auch bewiesen werden. Und dafür hat das Opfer leider wenig Beitrag geleistet. Gegen wen hätte die Polizei den ermitteln sollen, wen verhaften? Die Behauptung, "man" habe offenbar nichts aus dem NSU-Skandal gelernt, ist Unsinn und wird von Muslimen dieser Tage immer gerne als Totschlagargument angeführt. Muslime lernen hingegen tatsächlich nichts aus den Gewalttaten von IS, Taliban, Boko Haram, Hamas, Muslimbrüder und wie sie alle heissen.
21.10.15
11:15
Nuriye sagt:
@Ronald: "Ihre mit Alkohol überschüttete Jacke wurde beispielsweise erst 2,5 – 3 Wochen nach der Tat von der Polizei sichergestellt." Ich denke, dass deine Aussagen nicht weiter kommentiert werden müssen.
22.10.15
10:40
Suleiman sagt:
1) Es wurde niemand denunziert. Wer wurde denunziert. Wer soll eingesperrt werden? 2) Was genau wurde behauptet? 3) Wieso muss das Opfer die Beweisführung übernehmen, nachdem es bewusstlos geschlagen worden ist? Wieso müssen Opfer überhaupt irgendetwas beweisen? Ist das nicht Polizeiarbeit u.a.? 4) Tatsache ist: "In der Neurochirurgie stellte der Oberarzt fest, dass Leylas Gedächtnisverlust auf eine erhebliche Gewalteinwirkung auf den Kopf zurückzuführen sei. Anschließend stellten Mutter und Tochter Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei." - Spiegel 5) Lehren aus dem NSU-Skandal ein Tatschlagargument? Wofür? Zentrale Forderung des NSU-Untersuchungsausschuss: "Bei Straftaten gegen potenzielle Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt sollte die Prüfung einer politischen Motivation der Täter zur Pflicht werden." - Spiegel. - Alles beratungsresistente Muslime im Ausschuss? 6) Die Polizei ignoriert den ärztlichen Befund und meint, dass das Opfer betrunken gestürzt sein könne - nach einer Studentenparty, die an einem Montagnachmittag (!) stattgefunden haben soll. Das Opfer konsumiert keinen Alkohol und geht nicht auf Partys. 7) Der betreuende Arzt bietet eine Präzisierung seines Befundes an - die Polizei geht darauf nicht ein. Stattdessen Spekulation, das Opfer leide an Epilepsie. 8) Obwohl bestimmte Indizien vorlagen (Kopftuch runtergerissen, Alkohol überschüttet), meint man es gebe keinerlei Hinweise auf eine politisch motivierte Tat. Es wird noch nicht ein mal in Betracht gezogen - siehe NSU-Parallele. 9) Das Opfer wird unter Druck gesetzt. Man bringt das Vortäuschen einer Straftat ins Spiel. 10) Was hat der IS etc. mit Kaiserslautern zu tun?
22.10.15
11:14