Mouhanad Khorchide

Umstrittener Professor denkt nicht an Rückzug

Mouhanad Khorchide hat sich erstmals deutlich zu Spekulationen über einen Rückzug geäußert. Der umstrittene Münsteraner Professor erklärte, er denke nicht an Rückzug. Die Kritik an seiner Theologie und Person nannte er politisch motiviert.

18
01
2014

Der umstrittene Münsteraner Professor und Leiter des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) an der Universität Münster, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, hat am Rande einer Veranstaltung in Wien gegenüber der Nachrichtenagentur APA erklärt, dass er nicht daran denke, sich zurück zu ziehen. „Laufend bekomme ich Mails von Studierenden und Muslimen, die mich darum bitten weiterzumachen und nicht aufzugeben. Aus meiner Sicht lohnt es sich also jedenfalls, dem Druck von allen Seiten standzuhalten“, erklärte Khorchide in einem Gespräch am Mittwochabend (15.01.2014).

„Ich habe Rückendeckung von der Politik, der Universität, meinen Studierenden und der muslimischen Basis“, sagte der Religionspädagoge weiter. Und obwohl der Professor beteuerte, an einer „Schlammschlacht“ mit den muslimischen Religionsgemeinschaften nicht interessiert zu sein, warf er den Religionsgemeinschaften vor, sie seien nicht sehr erfreut über den regen Zulauf von Studierenden zum Studiengang der Islamischen Theologie in Münster.

Politisch motivierte Kritik

Zudem äußerte Khorchide die Vermutung, die muslimischen Religionsgemeinschaften kämpften für eine gesetzliche Anerkennung und nutzten deshalb ihn und seine Lehre als Anlass, um auf politischer Ebene Druck auszuüben. Die Kritik an seiner Person und Theologie sei politisch motiviert, warf Khorchide vor.

Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) hatte in einer Pressemitteilung zum Gutachten zur „Theologie der Barmherzigkeit“ erklärt, eine weitere konstruktive Zusammenarbeit mit Mouhanad Khorchide sei für den KRM nicht möglich. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit sei zwischenzeitlich nachhaltig „zerrüttet und irreparabel beschädigt worden“, hieß es. Im Gutachten wurde das Buch „Theologie der Barmherzigkeit“ von vier verschiedenen Autoren analysiert. Die Autoren beanstanden Fehler in der Methodik und in der wissenschaftlichen Arbeit. Gleichzeitig wird aufgezeigt, dass die „Theologie der Barmherzigkeit“ Grundsätzen der islamischen Glaubenslehre widerspreche.

„Wesentliche, als theologisch deklarierte Positionen von ihm sind jedoch von der Meinung der mehrheitlichen sunnitischen Gelehrten abweichend“, heißt es in dem Papier. Auch die Fachschaft am ZIT hatte sich unlängst besorgt über die Entwicklungen und mögliche Auswirkungen auf berufliche Perspektiven gezeigt.

Leserkommentare

Elisabeth Mariam Müller sagt:
Das ist auch richtig, dass er nicht an Rückzug denkt, die KRM mit den angeschlossenen Verbänden blamieren sich bis aufs Blut. Noch etwas, was ich schon lange loswerden will, ich möchte nicht in Deutschland den Islam leben, der uns Herr Erdogan vorlebt. Ich möchte, dass hier in Deutschland eine freie islamische Theologie erforscht und gelehrt wird, und will nicht, dass wir von der Türkei bevormundet werden. Mit freundlichen Grüßen Elisabeth Mariam Müller
18.01.14
18:12
Münsteraner Student sagt:
"Rückendeckung von meinen Studierenden..." Naja, als Student der Theologie in Münster kann ich sagen, dass die allgemeine Stimmung unter den Studierenden doch gegen ihn ist. Die Studenten haben Angst, sich kritisch in den Vorlesungen und Seminaren zu äußern, da bald die Prüfungen anstehen und die Note dementsprechend beeinflusst wird...
18.01.14
18:16
Tariq sagt:
"Gleichzeitig wird aufgezeigt, dass die „Theologie der Barmherzigkeit“ Grundsätzen der islamischen Glaubenslehre widerspreche." Genau das Gegenteil wurde im Gutachten aufgezeigt, dort heißt es auf S. 26: "Bezogen auf seine religiösen Einstellungen ist laut seiner eigenen Aussagen zu entnehmen, dass er (...) ohne Zweifel sich im Rahmen der islamischen Lehre bewegt. Seine Ausführungen über die Glaubensgrundsätze lassen keinen Zweifel, dass er an Gott glaubt und den Propheten ehrt. Wesentliche, als theologisch deklarierte Positionen von ihm sind jedoch von der Meinung der mehrheitlichen sunnitischen Gelehrten abweichend. Bemerkenswert ist daher, dass er der Leiter und Lehrstuhlinhaber eines konfessionsgebundenen islamischen Zentrums sein kann." Prof. Khorchide hält also "ohne Zweifel" die Glaubensgrundsätze ein. Beanstandet wird lediglich die Abweichung von Gelehrtenmeinungen. Dies ist wissenschaftlich völlig unproblematisch und m.E. auch angebracht.
18.01.14
18:20
Abdulkerim sagt:
Da sieht man mal wieviel Macht ein verdrehter Professor hat. Ist klar, dass die deutsche Gesellschaft Khorchides Light-Islam gut heisst. Ähnelt ja auch dem Christentum "Jesus ist für unsere Sünden gestorben", Khorchide: "Die Hölle ist ein geistiger Zustand" http://www.migazin.de/2012/11/08/es-reicht-nicht-zu-sagen-der-islam-ist-eine-friedliche-religion/ So einen Professor will natürlich die deutsche Politik und die Universität unterstützten.
20.01.14
11:53