Die Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser im besetzten Westjordanland nimmt weiter zu und bleibt weitgehend straflos. Palästinenser zahlen dafür täglich den Preis.

Die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen die palästinensische Zivilbevölkerung im besetzten Westjordanland hat im Jahr 2025 erneut drastisch zugenommen. Laut einem Bericht der israelischen Zeitung Haaretz, die sich auf Daten aus dem israelischen Verteidigungsapparat beruft, stieg die Zahl der Angriffe im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent. Die Zahlen verdeutlichen eine Entwicklung, die palästinensische Menschenrechtsorganisationen seit Jahren anprangern: systematische Gewalt, die weitgehend folgenlos bleibt.
Seit dem 7. Oktober 2023 kam es demnach zu mehr als 1.700 Angriffen durch israelische Siedler. Allein im vergangenen Jahr wurden bei 845 dokumentierten Vorfällen über 200 Palästinenser verletzt, vier Menschen wurden getötet. Bereits 2024 waren bei 675 Angriffen 149 Palästinenser verletzt und sechs getötet worden. Hinter diesen Zahlen stehen zerstörte Häuser, verbrannte Felder, traumatisierte Familien und eine palästinensische Bevölkerung, die der Gewalt nahezu schutzlos ausgeliefert ist.
Auch die israelische Armee räumte auf Anfrage ein, dass sowohl Umfang als auch Brutalität der Siedlergewalt zugenommen haben. Konkrete Zahlen wollte das Militär jedoch nicht veröffentlichen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Langem, dass die Armee nicht nur unzureichend gegen Siedlergewalt vorgeht, sondern diese durch Untätigkeit, selektive Strafverfolgung und aktive Präsenz bei Angriffen faktisch absichert.
Der Bericht macht deutlich, dass der Anstieg der Gewalt nicht auf einzelne Übergriffe zurückzuführen ist, sondern auf zunehmend organisierte und koordinierte Angriffe. Diese würden laut Armeeangaben von rechtsextremen Aktivisten und Teilen der israelischen Politik offen unterstützt oder zumindest gedeckt. Besonders alarmierend ist die massive Ausweitung sogenannter Siedlerfarmen: Ihre Zahl ist seit Beginn des Gaza-Genozids von etwa 30 auf über 120 gestiegen.
Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem handelt es sich bei diesen Farmen um illegale Landnahmen im besetzten Westjordanland, die ohne offizielle Genehmigung erfolgen. Über sie übernehmen Siedler große Gebiete palästinensischen Landes, vertreiben Dorfgemeinschaften und schaffen neue Gewaltzentren. Von diesen Farmen aus werden immer wieder Angriffe auf palästinensische Hirten, Bauern und ganze Dörfer durchgeführt.
Ein hochrangiger Vertreter des israelischen Verteidigungsapparats wird in Haaretz mit den Worten zitiert: „Wer die Gründung von fast 100 neuen Farmen seit Kriegsbeginn ignoriert, sollte sich nicht über den Anstieg nationalistischer Gewalt und Straftaten wundern.“ Kritiker entgegnen jedoch, dass es sich nicht um Ignoranz handelt, sondern um eine bewusste politische Strategie: die schleichende Annexion palästinensischen Landes durch Gewalt, Einschüchterung und faktische Straflosigkeit.
Für die palästinensische Bevölkerung bedeutet diese Entwicklung eine weitere Verschärfung des Alltags unter Besatzung. Während Siedler bewaffnet auftreten und oft unter dem Schutz der Armee agieren, fehlt Palästinensern jeglicher effektiver Rechtsschutz. Internationale Beobachter warnen, dass die anhaltende Siedlergewalt kein Randphänomen ist, sondern integraler Bestandteil einer Politik, die auf Vertreibung, Kontrolle und Entmenschlichung abzielt. (dpa/iQ)