Indien

Staat geht scharf gegen muslimische Demonstranten vor

Nach Protesten muslimischer Jugendlicher gegen die islamfeindlichen Äußerungen aus der hindunationalistischen „Indischen Volkspartei“ geht der Staat weiter scharf gegen Demonstranten vor.

12
06
2022
Polizei Musliminnen
Polizei in Indien © Shutterstock, bearbeitet by iQ

Im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh spitzt sich der Konflikt zwischen Muslimen und Hindunationalisten weiter zu. Wie die „Times of India“ am Sonntag berichtete, kündigte der hindunationalistische Ministerpräsident des Bundesstaates, Yogi Adityanath, eine Fortsetzung seiner „Dampfwalzenpolitik“ an. Zuvor hatte er, nach Protesten muslimischer Jugendlicher gegen die islamfeindlichen Äußerungen zwei prominenter Politiker der hindunationalistischen „Indischen Volkspartei“ (BJP), mehrere Häuser muslimischer Demonstranten niederreißen lassen.

Am vergangenen Freitag war es an mehreren Orten in Uttar Pradesh zu teilweise gewaltsamen Ausschreitungen Jugendlicher gekommen. Im Nachbarstaat Jharkhand kamen bei Zusammenstößen zwei Jugendliche ums Leben. Die Polizei hatte Schusswaffen gegen die Demonstranten eingesetzt. Um einer Eskalation der Gewalt verzubeugen, verhängten die Behörden eine Ausgangssperre und schalteten zeitweise das Internet ab.

Der Konflikt hatte mit einer abfälligen Bemerkung der ehemaligen BJP-Sprecherin Nupur Sharma über den Propheten Muhammad (s) begonnen. Die inzwischen suspendierte Sharma hatte laut indischen Medien gesagt, Mohammed habe ein sechsjähriges Mädchen geheiratet und dieses im Alter von neun Jahren sexuell missbraucht.

Die mehr als 170 Millionen Muslime in Indien sind seit der Machtübernahme der BJP und Premierminister Narendra Modi im Jahr 2014 zunehmend Gewalt und Verfolgung durch Hindunationalisten ausgesetzt. Die BJP als deren politischer Arm beschuldigt die Muslime, sich gegen den Hinduismus verschworen zu haben. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Vera sagt:
Der hier genannte Konflikt-Beginn wegen "einer abfälligen Bemerkung" über den Propheten Muhammad zu seiner Heirat eines sechsjährigen Kindes - in Verbindung mit Sexualität - sollte auf jeden Fall näher beleuchtet und konkretisiert werden. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb einmal: "Nach dem Tod seiner ersten Frau entschied sich Mohammed für eine Ehe mit der etwa sechsjährigen Aischa. Sie spielte eine wichtige Rolle im Leben des Propheten. Im Lauf seines Lebens ist der Prophet Mohammed mehrere Ehen eingegangen". Der SZ-Autor, Professor für Islamwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität, nennt das Jahr 619 und schreibt dazu: "Die Hochzeit wurde verabredet. Aischa war zu diesem Zeitpunkt etwa sechs Jahre alt. Vollzogen wurde die Ehe jedoch erst nach dem Auszug Mohammeds und seiner Anhänger nach Medina im Jahr 622. Das exakte Datum ist nicht bekannt. Immerhin berichten die Quellen, dass Aischa noch mit Puppen spielte, als sie in den Haushalt des Propheten kam". "Auch diese Ehe verlief nicht ohne Spannungen, zumal sich Aischa gegenüber den weiteren Frauen Mohammeds durchsetzen musste." Das sind recht aufschlußreiche Recherchen und konkrete Feststellungen eines Professors für Islamwissenschaft zum Leben des Gründers des Islam, der gleichzeitig mehrere Ehen pflegte - bei "besonderer Bevorzugung von Aischa gegenüber den anderen Frauen", mit der es im kindlichen Alter von neun Jahren zum ersten Mal zu sexuellen Handlungen mit dem Propheten als ihrem Ehemann kam. - Darf das auch laut gesagt werden oder soll das besser im Nebel von Religionsgeschichte und Legendenbildung immer mehr verschwommene Konturen mit fiktiven Zügen annehmen ?
12.06.22
17:01
evergreen sagt:
Interreligiöse Toleranz ist dringendst geboten. Das darf aber nicht dazu führen, dass plötzlich Sachverhalte, die jahrhundertelang in Koran und Sunna herausgestellt wurden, plötzlich nicht mehr benannt werden dürfen. Solche Verklemmtheit erlebt man auch evangelischerseits im Umgang mit der hebräischen Bibel. Während Juden die fünf Bücher Mose komplett lesen so wie die Muslime komplett ihren Koran, verdrängen oder vertuschen viele evangelische Vertreter problematische Textpassagen statt sie aufzuarbeiten. (Dasselbe gilt für die mit blutigen Methoden und in Bürgerkriegen durchgesetzten Dogmen, beispielsweise vom "menschgewordenen Gott".) Vertuschungsmentalität auch in Berlin an der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche: An dem Mahnmal für die Opfer des Terroranschlags beim Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 verschweigt man, dass der Attentäter im Namen des IS (also des sogenannten Islamischen Staates) gemordet hat. Auch bei kirchlichen Kriegerdenkmälern nach 1945 ver- schwieg man lange Zeit, die Verantwortlichen zu benennen.
14.06.22
22:50