Halle

Gedenken an Opfer des rechtsextremistischen Anschlags von Halle

Einige Hundert Menschen haben in Halle am Samstagmittag der Opfer des rechtsextremistischen Terroranschlags vom 9. Oktober 2019 öffentlich gedacht.

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2021
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Synagoge Halle Überlebende
Synagoge in Halle © Twitter, bearbeitet islamiQ.

Mit Minuten des Innehaltens haben einige Hundert Menschen in Halle am Samstagmittag der Opfer des Terroranschlags vom 9. Oktober 2019 öffentlich gedacht. Auf dem Marktplatz stand das Leben vorübergehend still. Ab 12.04 Uhr läuteten die Glocken der Marktkirche und des Roten Turms. Zu diesem Zeitpunkt hatte der schwer bewaffnete rechtsextreme und antisemitische Attentäter vor zwei Jahren versucht, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde zu Halle ein Blutbad anzurichten.

„Rechtsextremisten gemeinsam die Stirn bieten“

Als ihm dies nicht gelang, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin. Wenig später tötete er einen 20-Jährigen in einem Döner-Imbiss. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) wird am Samstag an den beiden Anschlagsorten von Halle Kränze niederlegen. Im Gedenken an die Opfer und Hinterbliebenen sind in der Stadt bis zum Abend Aktionen, Mahnwachen sowie Kundgebungen geplant. Haseloff warnte die Gesellschaft vor dem Vergessen und vor Verharmlosungen rechtsextremistischer Gewalt. „Das dürfen wir nicht unwidersprochen lassen“, sagte er. „Ziehen wir gemeinsam eine rote Linie des Anstands. Diffamierungen des Anderen müssen wir konsequent entgegentreten, Rechtsextremisten gemeinsam die Stirn bieten“, sagte er. Antisemitismus und Rassismus breite sich auch in der Mitte der Gesellschaft weiter aus.

„Rechter Terror bittere Realität in Deutschland“

Der Attentäter von Halle sitzt im Gefängnis. Das Oberlandesgericht Naumburg hatte ihn zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Außenminister Heiko Maas (SPD) twitterte dazu: „Antisemitismus und rechter Terror sind bittere Realität in Deutschland. Es ist die Aufgabe des Staates, das Leben aller zu schützen – und die Aufgabe aller, sich jeglichem Rassismus & Antisemitismus entgegenzustellen.“

Laut Berichtserstattung wollte der rechtsextreme Attentäter von Halle ursprünglich Moscheen angreifen. Erst später habe er seine Pläne geändert und die Synagoge als Ziel gewählt. Bei einer Verhandlung des Naumburger Oberlandesgerichts in Magdeburg sagte der 28-Jährige Täter, dass er sein zweites Opfer irrtümlich für einen Muslim gehalten hätte. (dpa,iQ)