Bangladesch

Rohingya-Flüchtlinge werden auf abgelegene Insel umgesiedelt

In Bangladesch leben Hunderttausende Rohingya-Flüchtlinge. Nun sollen sie auf eine umstrittene Insel gebracht werden. Die Insel sei heftigen Überflutungen ausgesetzt.

03
12
2020
Rohingya-Flüchtlinge auf einem Boot, Flüchtlingswelle, Corona © amnesty.org
Rohingya-Flüchtlinge auf einem Boot, Flüchtlingswelle, Corona © amnesty.org

Bangladesch hat begonnen, diese Woche Hunderte Rohingya-Flüchtlinge auf eine Insel zu bringen, die nach Angaben mehrerer Hilfsorganisationen während der Monsunsaison heftigen Stürmen und Überflutungen ausgesetzt ist. Insgesamt will die Regierung nach eigenen Angaben 100 000 Rohingya aus überfüllten Flüchtlingslagern auf dem Festland auf die knapp 40 Kilometer entfernte Insel schicken.

Die Hilfsorganisation Amnesty International forderte am Donnerstag in einer Mitteilung, die Überführungen sofort zu stoppen. Zurzeit sei keine unabhängige Beobachtung der Lage vor Ort möglich, da Hilfsorganisationen die Insel nur mit vorheriger Erlaubnis betreten dürften.

In Bangladesch leben Hunderttausende Rohingya in Camps. Die meisten sind 2017 vor Militärgewalt in dem Nachbarland Myanmar (früher Birma) geflohen. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Verfolgung der muslimischen Minderheit dort als anhaltenden Völkermord. Viele Rohingya verloren durch ein 1983 erlassenes Gesetz die Staatsbürgerschaft. Das Militär von Myanmar und die Regierung unter der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi stehen wegen der Verfolgung international in der Kritik. Etliche Rohingya wollen in ihre Heimat zurückkehren. Aber die Verhandlungen der Vereinten Nationen mit Myanmar verlaufen schleppend.

Nach Angaben örtlicher Behörden gehen die Rohingya-Flüchtlinge freiwillig auf die Insel, auf die Bangladesch Unterkünfte gebaut hat. Flüchtling Noju Mia sagte, dass er sich für die Umsiedelung gemeldet habe, weil ihnen versprochen worden sei, dadurch künftig Priorität bei der Rückkehr in die Heimat zu erhalten. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
Mit Tyrannen verhandelt man nicht. Man setzt sie ab und bestraft sie. Wenn die Vereinten Nationen sich auch nur ansatzweise nützlich machen würden, würden sie dort militärisch eingreifen, die Lage zwangsbefrieden und die besagte "Friedensnobelpreisträgerin" sowie alle Kriegsverbrecher ins Gefängnis werfen und schon wäre das Problem gelöst. Tun sie aber nicht, weil andere Interessen im Spiel sind als Menschen und der Frieden. Eine Schande, an die sich die Nachwelt erinnern wird wie an den Holocaust. Das Verhalten von Bangladesch zeugt offensichtlich von irrationaler Überforderung mit der ganzen Flüchtlingsituation. Traurig.
03.12.20
18:09
grege sagt:
Wenn die Vereinten Nationen gegen islamische Despoten eingreifen, gebären sich Islamvertreter als Opfer von Fremdherrschaft und Kolonialisierung. Handelt sich bei den Opfern um Muslime und bei Tätern um Nichtmuslime, äußern dieselben Muslime den Vorwurf von unterlassener Hilfeleistung. Diese Ambivalenz folgt einer Doppelmoral, die ausschließlich opportunen Motiven folgt und weniger einer humanitären Gesinnung.
05.12.20
20:39