Interreligiöses Lernen

Religiöse Bildung von Kita-Eltern als Schlüsselherausforderung

Kitas sind Orte, an dem Kinder mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit zusammenkommen. Daher sehen Religionspädagogen die Bildung von Eltern zu religiösen Fragen als gesellschaftliche Schlüsselherausforderung.

14
09
2018
Symbolfoto: Kindergarten, Kita © shutterstock, bearbeitet by iQ.
Symbolfoto: Kindergarten, Kita © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Als „gesellschaftliche Schlüsselherausforderung“ sehen die Tübinger Religionspädagogen Albert Biesinger und Friedrich Schweitzer die Bildung von Kita-Eltern zu religiösen Fragen. Zum Beispiel bei der Frage der Ausgestaltung religiöser Feste komme es „weniger zwischen Kindern als zwischen Eltern zu Konflikten“, betonten die Theologen am Donnerstag. Sie äußerten sich bei der Präsentation „niedrigschwelliger und alltagstauglicher Hilfen zur religiösen Verständigung in Kitas“.

Biesinger und Schweitzer betonten, Kitas seien meist „der erste Ort, an dem Kinder mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit zusammenkommen“. Darauf seien die Einrichtungen oft noch wenig vorbereitet, obwohl „interreligiöses Lernen eine unausweichliche Aufgabe“ der Einrichtungen geworden sei. Viele Erzieherinnen fühlten sich zu wenig unterstützt. Integration habe aber in hohem Maße mit interreligiöser Verständigung zu tun.

„Es geht um die Profilierung des jeweiligen religiösen Weges auf gleicher Augenhöhe. Der christliche Rückzug ist ebenso wenig angebracht wie das verschämte Abtauchen von Muslimen“, so Biesinger. Schweitzer erklärte, Kinder hätten „ein Recht auf Religion und religiöse Begleitung“. Daher brauche es auch im Elementarbereich interreligiöse Ansätze.

„Kleine Menschen – große Fragen“

Die von den Religionspädagogen veröffentlichte Videoclip-Reihe „Kleine Menschen – große Fragen“ besteht aus fünf Kurzfilmen und behandelt Situationen, mit denen pädagogische Fachkräfte im Alltag konfrontiert sein können. Die Filme sollen helfen, Themen bei Elternabenden „lebensnah aufzugreifen“. Die Titel heißen: „Was ist, wenn Oma stirbt?“, „Kann ich Gott sehen?“, „Gibt es (mehr als) einen Gott?“, „Wie ist das mit dem Kreuz?“ und „Lieber Gott, hörst du mich?“.

„Gemeinsamkeiten stärken – Unterschieden gerecht werden“

Als didaktische Leitlinie nannten die Experten „Gemeinsamkeiten stärken – Unterschieden gerecht werden“. Zusätzlich zu den Filmen gibt es Begleitmaterial. Hinter dem Projekt stehen auch die „Stiftung Gottesbeziehung in Familien“, die beiden großen Kirchen in Württemberg sowie Kita-Organisationen. Kitas im deutschsprachigen Raum sollen die Filme kostenfrei nutzen können.

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
„Kitas sind Orte, an denen Kinder unterschiedlicher Religionszugehörigkeit zusammenkommen“ An dieser Formulierung merkt man wieder, wie leichtfertig und bevormundend religionsunmündige Kinder von Religionsgemeinschaften einfach vereinnahmt werden. Religion wird als etwas betrachtet, in das man hineingeboren wird. Die Wahrung der Religionsfreiheit von Kindern und Jugendlichen scheint ein Fremdwort zu sein. Das ist eine wirklich sehr respektlose und verwerfliche Geisteshaltung Minderjährigen gegenüber, die aufgrund ihrer Alters noch gar kein eigenes Urteilsvermögen haben. Kinder unterschiedlicher Religionszugehörigkeit gibt es genauso wenig wie Kinder unterschiedlicher politischer Parteizugehörigkeit.
24.09.18
17:43