Ministerpräsident Söder

Mehrheit gegen Kreuz in den Behörden

Markus Söder und das Kreuz: Auch mehrere Tage nach dem Kabinettsbeschluss für Kruzifixe in bayerischen Landesbehörden reißt die Kritik daran nicht ab. Aufschlussreich ist eine Umfrage: Wie denken Katholiken und Protestanten darüber?

30
04
2018
Markus Söder Kreuz © Facebook, bearbeitet by iQ.
Der umstrittene Kreuz-Erlass in Bayern (Markus Söder) © Facebook, bearbeitet by iQ.

Der Kruzifix-Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) stößt unvermindert auf Kritik. Durch die angeordnete Aufhängung in Landesbehörden und Söders Erklärung seien „Spaltung und Unruhe“ entstanden, kritisierte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx. Wer das Kreuz nur als kulturelles Symbol sehe – wie es Söder zunächst getan hatte -, habe es nicht verstanden. Es stehe dem Staat auch nicht zu, die Bedeutung des Kreuzes zu erklären, sagte der Erzbischof von München und Freising der „Süddeutschen Zeitung“ (Feiertagsausgabe). Unter die Kritiker reihten sich am Wochenende auch FDP-Chef Christian Lindner, die Grünen-Politikerin Claudia Roth und der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) ein.

In einer Umfrage sprachen sich fast zwei Drittel der Bürger (64 Prozent) dagegen aus, dass in jeder staatlichen Behörde in Deutschland ein christliches Kreuz aufgehängt wird. Dies hatte das Kabinett von Ministerpräsident Söder vergangenen Dienstag für die Landesbehörden des Freistaates beschlossen.

Auch unter Katholiken und Protestanten ist die Ablehnung groß, wie die repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die „Bild am Sonntag“ ergab. Bei Katholiken sind dies 48 Prozent, bei Protestanten sogar 62 Prozent. Befragte anderer Konfessionen und Konfessionslose lehnen Kreuze in staatlichen Behörden mit großer Mehrheit ab – 87 Prozent der Befragten waren dagegen, nur 12 Prozent stimmten zu.

Die Grünen-Politikerin Roth warf dem bayerischen Ministerpräsidenten vor, er missbrauche das Kreuz für seinen Wahlkampf und vermische bewusst Religion und Politik. „Das finde ich in hohem Maße unchristlich, unanständig sowieso“, sagte die Bundestagsvizepräsidentin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montag). „Herr Söder macht einen riesengroßen Fehler, wenn er glaubt, dass die Rückgewinnung der absoluten Mehrheit jedes Mittel heiligt.“ Am 14. Oktober wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt.

FDP-Chef Lindner kritisierte, Söder habe das Kreuz „profanisiert und damit von seiner christlichen Bedeutung getrennt“. Der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag) sagte er: „Gläubige Christen muss es empören, dass er aus ihrem Symbol ein Symbol des Staates macht.“

Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte im Inforadio des rbb, er verstehe zwar, dass Söder das Kreuz als Zeichen der Identität sehen wolle. Dies rechtfertige aber nicht, es in den Zusammenhang eines Wahlkampfes zu rücken. „Der Staat des Grundgesetzes ist weltanschaulich religiös neutral, das heißt er ist offen für alle Bekenntnisse“, sagte Thierse, der auch Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken ist.

In der „Bild“-Zeitung attackierte der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof den Beschluss des bayerischen Kabinetts. Es mache ihn fassungslos, dass Söder mehrere Tage gebraucht habe um einzuräumen, dass das Kreuz ein religiöses Symbol sei, schrieb Bischof in der Zeitung. „Das Kreuz ist aber kein Symbol für Bayern und erst recht kein Wahlkampflogo.“

Die AfD warf Kardinal Marx hingegen vor, das Christentum nicht offensiv genug zu vertreten: „Warum die Islamisierung Raum hat? Weil das Christentum kapituliert u das Feld räumt“, schrieb die Vizechefin der Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch im Internetdienst Twitter. „An der Spitze: Kardinal Marx. Auf dem Tempelberg legt er das Kreuz ab. Und auch in öffentlichen Gebäuden will er es nicht. #DerFischStinktVomKopf #UndZwarGewaltig“. (dpa/iQ)

Leserkommentare

Johannes Disch sagt:
Söder ist auf dem Kreuzweg...ähem...sorry ...auf dem Holzweg.
30.04.18
23:52
Frederic Voss sagt:
Das Kreuz mit dem Kreuz. Das Kreuz mit dem Kopftuch. Das Kreuz soll raus aus den Amtsstuben. Das islamische Kopftuch will rein in die staatlichen Schulen. Denn die Freunde und Freundinnen des Kopf-Verhüllungstuchs - aus Liebe und Gehorsam zur angeblich höchsten, ewigen Wahrheit öffentlich getragen - sind sehr überzeugt von ihrer islamischen Verhüllung. Die Kopftuch-Fraktion wird insgesamt auch immer aufdringlicher und selbstbewußter. Die Freunde des Kreuzes zögern stattdessen, sie sind geübt darin. Ständig fragen sie sich schuldbewußt, ob sie mit einer solchen Glaubens- und Identitätsbekundung nicht jenen zu nahetreten würden, denen das Kreuz ein Ärgernis oder einfach egal ist. So sieht das auch die "WELT". Auf jeden Fall sind mir Kreuz-Symbole als begrüßende Kultursymbole in Behörden 1000 mal lieber und sinnstiftender als islamisch motivierte Kopftuch-Trägerinnen in den Eingangs-Pförtner-Logen, die dann zu mir "Guten Tag" und nicht "Grüß Gott" (ist ein üblicher bayerische Gruß) sagen.
01.05.18
13:53
Andreas B sagt:
Mich stört das Kreuz in deutschen Amtsstuben nicht. Allerdings stört es mich, wenn ein Ministerpräsident das Kreuz in den Amtsstuben verordnet. Der Staat ist zur Neutralität verpflichtet. Insofern können nicht durch Verordnungen oder Gesetze Kreuze in die Amtsstuben hineingezwungen werden. Hingegen halte ich es für Legitim, wenn die Mitarbeiter in einer Amtssube diese mit religiösen Symbolen schmücken. Das kann dann ein Kreuz an der Wand oder ein Kopftuch auf dem Kopf sein. Das ist etwas anderes. Der Beamte darf eine Religion haben, der Staat nicht.
02.05.18
18:21
Johannes Disch sagt:
@Andreas B Das sehe ich genauso. Störend und widerrechtlich ist, dass die Aktion von einem regierenden Politiker ausgeht. -- "Der Beamte darf eine Religion haben, der Staat nicht." (Andreas B). Wunderbar auf den Punkt gebracht.
03.05.18
14:20
Ute Fabel sagt:
Das Kreuz steht für Jesus, Jesus steht nicht für moderne Menschenrechte. Jesus, der möglicherweise überhaupt nur eine mythologische Gestalt war, ist für mich eine der am meisten überschätzten Figuren in der westlichen Geschichte. Viele Christen und selbst Nichtchristen halten Jesus für den Inbegriff der uneigennützigen Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Das ist aber ein verklärter, weichgezeichneter Fantasie-Jesus, der sich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts im Zuge einer humaner werdenden säkularen Gesellschaft gewissermaßen als Rückkopplungseffekt herausgebildet hat. Die Lektüre der Evangelien ergibt jedoch ein ganz anderes Charakterprofil. Jesus verlangte von seinen Gefolgsleuten einen kompromisslosen Personenkult ab und drohte Andersdenkenden ständig mit Höllenstrafen und Vernichtung. Das sind die Werte eines europäischen Staats des 21. Jahrhunderts sein. Das Kreuz hat im staatlichen Behörden daher nichts zu suchen. Lukas 14,26 (Jesus spricht): Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigenes Leben, der kann nicht mein Jünger sein. Matthäus 19,29 (Jesus spricht): Wer meinetwegen seine Familie verlässt und Frau und Kinder im Stich lässt, wird hundertfach belohnt werden und das ewige Leben empfangen. Matthäus 13,47-50 (Jesus sagt): Mit dem Reich Gottes ist es wie mit einem Fischernetz, womit man man allerlei Fische fängt. Wenn es voll ist, ziehen sie es an das Ufer und sortieren den Fang. Die guten Fische landen in Körben, und die schlechten werfen sie weg. So wird es auch am Ende der Welt geschehen: Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten (die die Vorschriften Gottes befolgt haben), trennen und in den Feuerofenofen werfen. Da wird Heulen und Zähneklappern sein. Matthäus 10,34-39 (Jesus sagt): Viele glauben, dass ich als Friedensbringer gekommen bin. Ich bringe aber nicht Frieden sondern das Schwert. Ich werde die Kinder gegen ihre Eltern aufwiegeln (und die Familien spalten), so dass die eigenen Hausgenossen zu Feinden werden. Wer seine Eltern oder seine Kinder mehr liebt als mich, kann nicht zu mir gehören Markus 16,16-17 (Jesus sagt): Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden (gerettet werden, ins Himmelreich kommen). Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Johannes 12,3: Da nahm Maria ein Pfund Salbe von ungefälschter, köstlicher Narde und salbte die Füsse Jesu und trocknete sie mit ihrem Haar; das Haus war voll vom Geruch der Salbe. Da sprach einer seiner Jünger ...: Warum ist diese Salbe nicht verkauft worden um den Erlös den Armen zu geben? ...Da sprach Jesus: Lass sie in Frieden! ....Denn Arme habt ihr immer bei euch; mich aber habt ihr nicht immer. Johannes 15,6 (Jesus sagt): Wer nicht in mir bleibt (wer mich ablehnt), der wird weggeworfen wie eine verdorrte Rebe. Man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, sie muss verbrennen. Lukas 12,47: Ein Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, aber nicht befolgt, soll geschlagen werden. Markus 6,7-11: Dann rief er (Jesus) seine 12 Jünger zu sich, weil er sie zu zweit aussenden wollte. Er gab ihnen alle Macht über die bösen Geister. Außer einem Stab durften sie nichts mitnehmen, keine Verpflegung und kein Geld.... Und er sprach zu ihnen: Wo ihr (willkommen seid), da bleibt bis ihr weg geht. Wo man euch aber nicht aufnimmt und nicht anhört, da geht sofort weg und schüttelt den Staub von euren Füssen (als Zeichen, dass ihr ihnen ein schlechtes Zeugnis ausstellt). Ich sage euch wahrlich: Es wird Sodom und Gomorrha am Jüngsten Gericht erträglicher gehen als einer solchen Stadt. (Sodom und Gomorrha wurden wegen ihrer Sünden durch Gott unter einem Regen aus Feuer und Schwefel begraben.)
03.05.18
14:47
Manuel sagt:
@Andreas B: Religionen gehören so oder so aus dem Staat raus, Religionen haben in der Geschichte schon mehr als genug angerichtet.
03.05.18
19:44
Johannes Disch sagt:
@Ute Fabel (03.05.18 14:47) Ihr ellenlanger Post mit zig Bibel-Zitaten geht am Thema des Artikels vorbei. Der Staat darf sich nicht anmaßen, ein religiöses Symbol zu interpretieren. Das steht ihm nicht zu, da der Staat keine Religion hat. Es geht bei dem Grundrecht auf Religionsfreiheit auch nicht um den Wahrheitsgehalt einer Religion. Kein Gläubiger muss seinen Glauben beweisen. Das Grundrecht auf Religionsfreiheit garantiert, dass man seine Religion ausüben darf, auch im öffentlichen Raum und auch durch das Zeigen religiöser Symbole.
04.05.18
13:48