Mehrdeutigkeit aushalten

Zwischen Ideologisierung und Beliebigkeit

Kulturen unterscheiden sich in ihrer Fähigkeit, Mehrdeutigkeit auszuhalten. Islamische Kulturen sind derzeit nicht gerade „ambiguitätstolerant“. Welche Gründe das hat und dass das nicht immer so war, erklärt Arabist Thomas Bauer im IslamiQ-Interview.

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2017
Symbolbild: Kalligraphie © flickr / CC 2.0 / by Sven Graeme, bearbeitet IslamiQ

IslamiQ: In Ihrem vielbeachteten Buch „Die Kultur der Ambiguität“ befassen Sie sich mit Ausschnitten der Kulturgeschichte des Islams anhand des Konzepts der Ambiguität. Was ist das genau?

Thomas Bauer: Im Arabischen ist es gar nicht so einfach, eine einzige Übersetzung dafür zu finden, weil es viele Wörter für einzelne Aspekte der Ambiguität gibt, aber keinen Oberbegriff.

Das meiner Arbeit zugrundeliegende Konzept der Ambiguität stammt aus der Psychologie und heißt dort Ambiguitätstoleranz. Die Menschen wollen wohl von Natur aus, dass die Welt eindeutig ist, müssen aber mit Mehrdeutigkeit, Vieldeutigkeit oder Unsicherheit leben. Das können manche Menschen besser als andere. Dem Ansatz der historischen Anthropologie zufolge gilt das auch für das Kollektiv. Manche Kulturen sind also ambiguitätstoleranter als andere. Die Menschen haben z. B. einen unterschiedlichen Umgang mit dem Tod: Manche wollen schnell und plötzlich sterben, andere wünschen sich einen langsamen Tod und wollen im Kreise der Familie sterben.

Diese individuellen Unterschiede ändern sich auch mit der Zeit. Vor 500 Jahren haben die meisten Menschen gebetet, dass Gott sie verschonen möge vor einem plötzlichen Tod, heute ist es genau umgekehrt. So ist es auch mit Ambiguitätstoleranz: Es gibt Gesellschaften mit einer sehr hohen Ambiguitätstoleranz, aber auch solche mit einer relativ geringen. Das ist natürlich auch innerhalb der Zeit unterschiedlich: In Italien ist die Ambiguitätstoleranz höher als in den USA.

IslamiQ: Kann man sagen, dass islamische Gesellschaften früher ambiguitätstoleranter waren als heute? Wenn ja, welche Gründe hat das?

Bauer: Das ist ein Bündel an Gründen. Ein Grund ist, dass man über Jahrhunderte hinweg sich in den islamischen Gesellschaften gar nicht so viele Gedanken über die anderen gemacht hat. Man war der Meinung, man hätte schon das Richtige und müsse sich nicht mit anderen Kulturen auseinandersetzen. Als man es auf einmal aber doch musste, hat man erst einmal geschaut, was man hat, auf das man sich mit Gewissheit besinnen kann.

Ein weiterer Grund ist, dass man auf Ideologien reagieren musste. Im 19. Jahrhundert, also dem Zeitalter der Ideologisierung, sind die Muslime intensiv mit dem Westen konfrontiert worden, ohne sich mit der Renaissance des 16. Jahrhunderts auseinandergesetzt zu haben. Es gab früh eine Bewegung der stärkeren islamischen Ausrichtung von al-Afgani und anderen, aber neben Kommunismus und Sozialismus war es besonders der Nationalismus, der in der arabischen Welt und auch in der Türkei übernommen wurde. Diesen Ideologien folgte dann der „Islamismus“, der das Denken seitdem sehr beherrscht, auch von denen, die sich nicht als „Islamisten“ bezeichnen würden.

Der dritte Grund ist, dass die westliche Modere, an der man sich positiv oder negativ orientiert, nicht sonderlich ambiguitätstolerant ist. Das hängt z. B. mit der Technisierung zusammen, die ja gerade nicht ambiguitätstolerant sein soll, sondern eindeutig. Das gilt insbesondere auch für den Kapitalismus. Wir leben also in keiner allzu ambiguitätstoleranten Welt.

Thomas Bauer ist Professor für Arabistik und Islamwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Erforschung der arabischen Dichtung ab dem 13. Jahrhundert. 2011 erschien sein vielbeachtetes Buch „Die Kultur der Ambiguität – Eine andere Geschichte des Islams“.

IslamiQ: Heute scheint ein Mangel an Ambiguitätstoleranz das größere Problem zu sein.

Bauer: Ja, man sollte aber anmerken, dass das Wort Toleranz in dem Konzept der Ambiguitätstoleranz mit dem positiven Begriff der Toleranz erst mal nicht viel zu tun hat und auch keine Wertung sein soll. Zu viel Ambiguitätstoleranz ist auch schlecht. Das öffnet Tür und Tor für Schlamperei, Chaos, Korruption usw. Ein Mangel an Ambiguitätstoleranz führt zur Ideologisierung. Ideologien sind nicht ambiguitätstolerant, sondern haben zu jedem Punkt genau eine klare Meinung.

Wenn man das nun auch auf Religionen überträgt, hat es ähnliche Konsequenzen. Im modernen Islam gibt es Strömungen, die sagen, alles habe genau eine Bedeutung, zu jedem Punkt gebe nur eine einzige richtige Lösung. Mir ist jedoch aufgefallen, dass das für den klassischen Islam nicht gilt. Natürlich hat es damals mit Fatwas auch klare Stellungnahmen gegeben, aber der Mufti war keinesfalls der Ansicht, dass dies hundertprozentig und mit Gewissheit die einzige Lösung sei. Es gab immer unterschiedliche Ansichten und Wahrheiten. Das sieht man z. B. an der Hadithwissenschaft, wo nie gesagt worden ist, dass ein Hadith absolut richtig ist oder nicht, es gab immer Abstufungen im Sinne von wahrscheinlich bis weniger wahrscheinlich. Heute hört man immer wieder: das ist sahih und das ist falsch, aber selten die Abstufungen. Das gilt auch für das islamische Recht.

Natürlich ist es so, dass Gesellschaften, die Ambiguität gerne ertragen, auch Vergnügen an der Produktion von Ambiguität haben. Hier kommt wieder die Literatur ins Spiel, die Spaß daran hatte, rätselhafte, mehrdeutige Texte zu erzeugen.

IslamiQ: Gilt das auch für die recht ernsthafte Wissenschaft des Tafsir?

Bauer: Es fällt auf, dass in sehr vielen klassischen Korankommentaren der Kommentator nicht vorgibt zu wissen, welche Bedeutung eine Koranstelle genau hat. Viel häufiger findet man, dass verschiedene Interpretationen angeführt werden, oft mit Namen eines Gewährsmanns oder auch nicht, allerdings ohne dass der Kommentator sagt, welche er denn nun für richtig hält. Natürlich werden hier und da auch Bewertungen vorgenommen, aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Kommentatoren sich freuen, wenn sie eine zusätzliche Bedeutung finden. Es gibt ja auch die Ansicht, dass gerade in der Mehrdeutigkeit des Korans das Positive liegt. Der Korangelehrte Ibn al-Dschazari sagte: Weil der Koran so viele Bedeutungen in sich enthält, braucht es nach Muhammad keine weiteren Propheten mehr.

Interessant ist, dass man von dieser sehr breiten Auslegungsmöglichkeit keinen Gebrauch gemacht hat, weil die sich langsam verändernde Gesellschaft das nicht erfordert hat. Als jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts und vor allem im 20. Jahrhundert sich die Gesellschaft sehr schnell verändert hat und man darauf hätte zurückgreifen können, hat man es nicht mehr getan, sondern sich hinter möglichst eindeutigen Auslegungen verschanzt. Die alte Offenheit war nicht mehr da.

IslamiQ: Ist der Wunsch oder gar das Verlangen nach Eindeutigkeit und Konformität etwas Modernes?

Bauer: Das gab es schon immer. Etwa die stark ambiguitätsintolerante Haltung eines Abdulwahhab, der das ohne weitgehenden westlichen Einfluss getan hat. Abdulwahhab hat sich daran gestört, dass es so viele Meinungen zu ein und derselben Frage gibt. Gott wird ja wohl etwas Eindeutiges offenbart haben. Auch in Europa  gab es ein auf und ab von Ambiguitätstoleranz. Im Spätmittelalter oder in der Renaissance kann man von einer relativ großen Ambiguitätstoleranz ausgehen, während sie in der Zeit der Glaubenskriege rapide abgenommen haben dürfte. Nach dem Westfälischen Frieden und in der Barockzeit haben wir wieder eine sehr ambiguitätstolerante Haltung, was aber bei der Französischen Revolution wieder aufhört.

IslamiQ: Was hat Religion für einen Wert, wenn ihr keine oder kaum eine absolute Wahrheit bleibt oder diese zumindest in der Interpretation bis zur Bedeutungslosigkeit abgeschwächt wird? Oder anders gefragt: Was ist so falsch an dem Wunsch nach Eindeutigkeit, Eintracht und „klaren Verhältnissen“.

Bauer: Die Gefahr ist, dass es zu Ideologisierung, Ausgrenzung und auch Gewalt führen kann. Völlige Beliebigkeit kann natürlich auch nicht sein. Es ist in allen Religionen klar, dass das Göttliche etwas völlig anderes ist als das Menschliche. Die Sinne des Menschen, die für das weltliche Überleben notwendig sind, sind nicht gemacht, um das Göttliche eindeutig zu erkennen. Es kann gar nicht anders sein, als dass es verschiedene Perspektiven auf das Göttliche geben kann.

Entscheidens ist nun aber, dass Religionen eine ausgeprägte soziale Dimension haben, d. h. die Gemeinschaft spielt eine wichtige Rolle. Es ist nicht möglich, dass sich jeder seine eigene Religion zusammenbastelt, da das sozial nicht lebbar wäre. Die Existenz von verschiedenen Religionsgemeinschaften, deren Lehren und Institutionen nicht völlig beliebig sein können, hat ihren Sinn. Sie haben ihre Grenzen, diese sind aber nicht statisch, sondern können sich ändern, wenn auch nicht beliebig. Sie besitzen die Wahrheit, aber eben nicht die einzige.

Das Interview führte Ali Mete.

Leserkommentare

Johannes Disch sagt:
@"Extremismus der Mitte." Ich habe diesen Begriff nicht auf die Muslime bezogen, die bei uns in Deutschland leben, sondern auf die "Biodeutschen." Und dass da die Fremdenfeindlichkeit im allgemeinen und die Islamfeindlichkeit im besonderen inzwischen besorgniserregende Ausmaße angenommen hat und weit bis ins (klein)bürgerliche Milieu vorgedrungen ist, das ist keine "verstiegene Behauptung", sondern lässt sich nachweisen. Siehe die Studie "Die enthemmte Mitte" der Uni Leipzig von 2016. Aber das nur am Rande. Ich komme in kürze wieder zurück auf das Thema "westliche Nahostpolitik."
12.07.17
15:51
grege sagt:
Weggucken ist auch keine Lösung. Am Beispiel von Islamfeindlichkeit sowie Rechtsradikalismus wird wieder und wieder Ihre doppelbödige Moral aufgezeigt. Aber ich gebe Ihnen die Gelegenheit beim Thema "westliche Nahostpolitik eine bessere Figur abzugeben. Bevor Sie sich die Finger wund tippen, achten Sie bitte auf ein gesundes Maß an Selbstreflexion.
12.07.17
18:39
grege sagt:
@ Herr Disch aha, Sie definieren korrekterweise den Westen als eine Wertegemeinschaft, die sich insbesondere zur Demokratie sowie zur individuellen Freiheit bekennt. Wenn die westliche Nahostpolitik eine Mitschuld an der Misere des Nahen Osts trägt, dann sind also alle Lander mit diesem Werteverständnis per se schuldig? Diese Ursache- Wirkungsbeziehungs ist kompletter nonsens und bestätigt sich auch in der Gegenwart. Das einzige Land außerhalb der Region mit einer wenn auch kontroversen Nahostpolitik überhaupt sind die Amerikaner, andere Länder der westlichen Welt, wie Großbritanien oder Frankreich, treten in der Gegenwart nach ihrer kolonialen Vergangenheit nur phasenweise lokal in Erscheinung (wie im Falle Libyens beim Sturz von Ghadafi) und der Rest, so auch Deutschland, bringt sich kaum bis gar nicht ein. Daran ändert auch nichts der eher symbolische Einsatz von Tornada Jägern über Syrien im Rahmen des Natobeistands für die Türkei. Im eigentlichen Ursprungskonflikt zwischen Israel und Palästina nehmen ausnahmeslos alle westlichen Staaten außerhalb der USA die Rolle von Statisten ein. Bis auf ein wenig Entwicklungshilfe sowie den oder anderen diplomatischen Appell haben sich die EU bzw. deren Mitgliedsstaaten noch nie mit erstzunehmenden Initiativen hervorgetan in diesem Konflikt. Von daher ist es eher angemessen, heute von einer amerikanischen Nahostpolitik zu sprechen, die auch eigenmächtig ohne Absprache mit den übrigen westlichen Staaten praktiziert wird. Inwieweit diese Politik für das Aufkommen des islamischen Extremimus verantwortlich ist, kann unterschiedlich geschlussfolgert werden. Der von Ihnen gern zitierte und von mir ebenso geschätzte Bassam Tibi hat in Ihrem mehrmals empfohlenen Artikel am Ende unmissverständlich klargestellt, dass die Ursachen für den Terrrorismus und Extremismus die Muslime bei sich selber suchen und nicht immer bei fremden wie dem bösen Westen, in den Muslime überigens in Massen eingewandert sind und immer noch einwandern! Hier zeigt sich, dass die Haltlosikeit der permanenten, aber vorgeschobenen Schuldvorwürfe von Muslimen gegenüber dem Westen, die einfach nur vorgeschoben sind. Der eigentlich Grund liegt hier im Hass auf einem scheinbar gottlos sündigem Lebensstil sowie dem Neid auf dessen Erfolg, der wie gesagt auch Muslime in Scharen anzieht. Im Israel-Palästina
12.07.17
20:57
Johannes Disch sagt:
@grege (Ihr P vom 12.07.17, 18:19) Von wegen meine "doppelbödige Moral": Ich wende mich gegen jede Art von Extremismus, egal, ob von rechts oder von links. Ich habe schon immer Stellung bezogen gegen den Islamismus/Djihadismus. Das kann man hier bei "islamiq" problemlos nachlesen. Ihr Vorwurf ist also gegenstandslos. Wogegen ich mich wende, das sind Pauschalierungen und Vermischungen, die das Problem des islamistischen Terrors pauschal und monokausal der Religion (des Islam) anlasten und Standpunkte, die die vielfältige Religion und Kultur des Islam essentialisieren. Und genau diese Pauschalierungen und einseitige Ursachenzuschreibung zur Religion des Islam als Ursache des Terrorismus kann man immer wieder bei Ihnen antreffen. Meine Haltung kann man knapp mit der treffenden Formel von Bassam Tibi auf den Punkt bringen: "Ja zum Islam. Nein zum Islamismus."
13.07.17
13:36
Johannes Disch sagt:
@grege (Ihr P vom 12.07.17, 20:57) -- "....Bassam Tibi hat in dem von Ihnen widerholt empfohlenen Artikel unmissverständlich klargestellt, dass Muslime die Ursache für den Terrorismus bei sich selbst suchen müssen und nicht beim bösen Westen." (grege) Das ist nur teilweise richtig. Die Ursachen sind komplexer Natur. Beides ist nämlich richtig: Die Ursachen für die Krise der islamischen Welt -- die in sich sehr heterogen ist und keineswegs ein monolithischer Block-- liegen bei den Ländern selbst und bei der westlichen Nahostpolitik. Dass Bassam Tibi dem Westen sehr wohl eine große Mitverantwortung für die Zustände im Nahen Osten attestiert, dass hat er des Öfteren deutlich betont, so u.a. in seinen Werken: "Die neue Weltunordnung. WESTLICHE DOMINANZ und islamischer Fundamentalismus" und in: "Die Verschwörung. Das Trauma arabischer Politik." In vielen Aufsätzen von ihm, die im Netz leicht zugänglich sind, finden Sie seinen Standpunkt gut zusammengefasst, so zum Beispiel auch auf seiner Website. Die USA sind die Führungsmacht des Westens, so dass es absolut gerechtfertigt ist, von einer westlichen Nahostpolitik zu sprechen, auch wenn es natürlich Unterschiede gibt zwischen den einzelnen Ländern. Denken Sie an die "Koaltion der Willigen" bei Bushs (völkerwidrigem) Irak-Krieg 2003. Federführend waren natürlich die USA. Aber Sie hatten Gefolgsleute unter den wichtigsten Staaten Europas. Oder an die erneute "Koalition der Willigen" beim Sturz von Gaddafi 2011. Ergebnis beider Interventionen des Westens: "Failed States." "Gescheiterte Staaten." Nur 2 von vielen Beispielen desaströser westlicher Nahostpolitik. "Westliche Nahostpolitik" ist eine gebräuchliche und anerkannte Formel und Kategorie in der Politikwissenschaft und in den Internationalen Beziehungen. Irak und Libyen sind nur die jüngsten Beispiele einer verfehlten westlichen Nahostpolitik. Ich werde im Laufe meines Seminars "Westliche Nahostpolitik für Leser von "islamiq" " *lol* noch weitere nennen.
13.07.17
15:32
Johannes Disch sagt:
@grege Korrektur zu meinem letzten P: Ich meinte natürlich nicht "völkerwidrig"´, sondern "völkerrechtswidrig." Das war der Irakkrieg des Westens unter Führung der USA 2003. Da hat mein Lap gestreikt und einen Fehler fabriziert mit "völkerwidrig." Es ist (für den Westen) ein leichtes, einen Diktator zu stürzen (Saddam Hussein im Irak und Gaddafi in Libyen). Wesentlich schwieriger ist es, ´danach funktionierende staatliche Strukturen aufrecht zu erhalten oder wieder aufzubauen. Und genau in diesem entscheidenden Punkt hat der Westen unter Federführung der USA auf ganzer Linie versagt. Die Besatzungspolitik der USA im Irak nach dem Sturz von Saddam ist ein einziger politischer Offenbarungseid. Der IS ist ein Kind dieser verfehlten (und völkerrechtswidrigen) Interventionspolitik. Die Folgen dieser desaströsen Interventionspolitik müssen Europa und vor allem Deutschland bis heute ausbaden (Flüchtlinge). Ich werde das im Laufe meines "Nahost-Seminars" wohl wieder darauf zurückkommen. Noch kurz zum Thema: "Westliche Werte und Realpolitik." Kennen Sie die Zustände in Libyen?? Schauen Sie mal den Beitrag in der letzten Ausgabe von "ttt" ("Titel Thesen Temperamente") vom vergangenen Sonntag. (Ist noch in der "ARD Mediathek"). Das sind keine Flüchtlingscamps, sondern KZs. Kontrolliert wird die libysche Küste von einem Warlord. Der spielt dort jetzt "Küstenwache." Mit solchen fragwürdigen Gestalten schließt Deutschland-- das ohne Frage zum Westen gehört-- ein "Flüchtlingsabkommen", um sich die armen Teufel vom Hals zu halten. Ein weiteres Beispiel dafür, wie häufig der Westen seine hehren Ideale konterkariert zugunsten einer fragwürdigen "Realpolitik."
13.07.17
16:21
grege sagt:
@ Herr Disch "Extremismus der Mitte." aha, und was ist mit der Zunahmen von islamisch motivierten Anschlägen und Anschlagversuchen hier in diesem unseren Lande, diese "Formkurve" zeigt ebenso steil nach oben. In unseren Nachbarländern wie Großbritanien, Frankreich und Belgien sieht die Situation noch mißlicher aus. Die Auswirkungen des islamischen Terrroismusmus auf unseren Altag bekommen wir immer wieder zu spüren, indem Fussballspiele, Radrennen, Karnevalsveranstaltungen und Neujahrskonzerte abgesagt worden sind. Ebenso zeigen die Studien von Herrn Heitmeyer und Herr Koopermann eindrucksvoll auf, dass islamischer Extremismus in der Mitte der Muslime leider verankert ist bei dem Ausmaß von Antisemitismus, Homophobie sowie genereller Abneigung gegenüber anderen Religionen. Warum sollte hier der Begriff einer extremistischen Mitte nicht zutreffend sein, nur weil es Muslime sind, die als vermeintliche Permanentopfer Anrecht auf einen gewissen Welpenschutz im Gegensatz zu den faschistoiden Biodeutschen? Hier zeigt sich auf eklanter Weise bei Ihnen eine besondere Art von Rassismus, in dem Sie Extremismus von der Herkunft des Opfers und Täters abhängig machen. Mit dieser unverfrorenen Doppelmoral befeuern Sie geradezu die Antipathien gegen den Islam. Entweder verharmlosen Sie den islamischen Extremismus oder Sie dramatisieren den Rechtsextremismus, you got the choice!!!
14.07.17
23:19
Johannes Disch sagt:
grege Bei uns in Deutschland ist die Situation noch recht entspannt, was den islamistischen Terror betrifft. Man kann die Muslime in Deutschland, GB und Frankreich nicht über einen Kamm scheren. Die Zusammensetzung der muslimischen Bevölkerung in den Staaten ist jeweils eine andere. Das hat mit historischen Gegebenheiten dieser Länder zu tun. Jede Art von Extremismus ist zu bekämpfen. Das ist eine Selbstverständlichkeit, die ich nie in Frage gestellt habe. Den Rechtsextremismus überbetonen?? Davon kann wohl keine Rede sein, wenn man sich die Zunahme fremdenfeindlicher Einstellungen ansieht, die sich vor allem gegen den Islam richten (Le Pen in Frankreich, Wilders in den Niederlanden, Orban in Ungarn, Kaczinsky in Polen, AfD und "Pegida" in Deutschland). Antidemokratischer Autoritarismus gepaart mit Fremdenfeindlichkeit werden wieder en vogue. Die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und die Angriffe auf Muslime nehmen zu. Die Leipziger Studie "Die enthemmte Mitte" von 2016 zeigt, dass fremdenfeindliche und islamfeindliche Haltungen in Deutschland immer mehr zunehmen. Durch ein überzogenes Negativbild des Islam, das von bestimmten Seiten nun schon seit Jahren permanent geschürt wird, nehmen die Antipathien gegen den Islam und Muslime zu. Und nicht durch eine angebliche Doppelmoral.
15.07.17
11:19
grege sagt:
„Extremismus der Mitte“ Mit der selektiven Verwendung des Begriffs „Extremismus der Mitte“ haben Sie sich mit dem allerwertesten zuerst in ein hochkalorisches Fettnäpfchen katapultiert. „Den Rechtsextremismus überbetonen?? Davon kann wohl keine Rede sein, wenn man sich die Zunahme fremdenfeindlicher Einstellungen ansieht, die sich vor allem gegen den Islam richten (Le Pen in Frankreich, Wilders in den Niederlanden, Orban in Ungarn, Kaczinsky in Polen, AfD und "Pegida" in Deutschland). Antidemokratischer Autoritarismus gepaart mit Fremdenfeindlichkeit werden wieder en vogue.“ (Zitat Disch) Wer gemäß Ihrem Zitat haargenau diese Methodik sowie vergleichbare Argumente auf die muslimische Community projiziert, kommt unweigerlich mindestens zu demselben Fazit. Und diese Schlussfolgerung soll auf einmal „gefährlich“ sein??? Entweder ist Ihnen ein logischer Denkfehler unterlaufen oder Sie selektieren bewußt nach Rasse, Ethnie und Religion, tja und die Biodeutschen und Biowestler rangieren dabei in Ihrer untersten Schublade. Diese Tatsache bleibt trotz gegenteiliger Lippenbekenntnisse und Beteuerungen geradezu offensichtlich. Aufgrund der Häufung fremdenfeindlicher Verbrechen insbesondere in den neuen Bundesländern wird der Rechtsextremismus dort als ein generelles Problem gedeutet. Diese korrekte Sichtweise wird auch nicht als Stigmatisierung einer Personengruppe , als „Sachsenbashing“ oder als Pauschalisierung missverstanden, sondern als konkrete Bezeichnung eines Problems angesehen. Damit ein Lösungsansatz überhaupt entwickelt werden kann, muss ein Problem eindeutig identifiziert und beim Namen benannt werden ohne Rücksicht auf die „Couleur“ sowie falschen Toleranzverständnis. Genau nach dieser Devise bewerte ich den Extremismus in der muslimischen Community oder, den Rechtsradikalismus in der sächsischen Schweiz oder berufliche Herausforderungen, so dass Ihr Vorwurf der Pauschalisierung ins Leere greift. Die muslimische Community selbst hier in Deutschland befindet sich in einem erschreckenden Zustand, in der sich einerseits eine türkische Pegida ausbreitet sowie gleichzeitig – dokumentiert in Studien- der islamische Extremismus. Diese Entwicklung ist auch in Nachbarländern ohne Kolonialvergangenheit im Nahen Osten zu beobachten, so diese in dem Zusammenhang eher von untergeordneter Bedeutung ist.Auch in Belgien und Spanien hat der islamische Terrorismus eine tiefe Blutspur hinterlassen, in Dänemark und Schweden ebenso, wenn auch im geringeren Ausmaß. Anschlagversuche hat es in allen Ländern gegeben, in denen ein signifikaten Zahl muslimischer Migraten lebt. Das resultierende Negativbild wird daher nicht durch die westlichen Medien gezeichnet sondern durch die tatverantwortlichen Muslime sowie Menschen Ihrer Gesinnung, die allen Ernstes die Situation hier als „entspannt“ verharmlosen oder die bloße Thematisierung dieser Terrortaten sowie des Exremimus als islamfeindlich dämonisieren. Mittlerweile sind Anschläge schon so selbstverständlich geworden, dass sie in den Medien nur noch als Randnotiz gemeldet werden. Über den Mord an die beiden Touristen in Ägypten hat noch kein Islamverband auf seiner Website berichtet, während an den Mord an der Ägypterin in Dresden wieder und wieder in muslimischen Medien erinnert wird. Schon allein aus dem Grunde ist Ihr Vorwurf eines übertiebenen negativen Islambilds in den Medien nicht nachvollziehbar.
17.07.17
22:45
grege sagt:
Westliche Nahostpolitik Bisher konnten Sie mir kein überzeugendes Argument liefern, wieso ausgerechnet demokratisch gesinnte und auf individuelle Freiheiten bedachte Staaten aufgrund dieser Werteorientierung die Misere im Nahen Osten verursacht haben. Dieser Vorwurf der Kollektivschuld bzw. Ihr ausbleibender Differenzierungswille beweist wieder einmal Ihre kulturalistische Einstellung, die Sie mit Bezug auf Islam und der muslimischen Community immer harsch kritisiert haben. Auch hier schlägt wieder der Hammer Ihrer Doppelmoral zu, die schon allein aus diesem Grund Ihre Argumente ad absurdum führt. Bei etwas genauerem Hinsehen ist sofort augenfällig, dass die „westlichen Staaten“ im Nahen Osten seit dem Ende des 2. Weltkrieges mit unterschiedlicher Intensität und konträrer Politik involviert waren. So ist Ihnen wohl entgangen, dass insbesondere Deutschland und Frankreich hartnäckige Opposition gegen den dritten Golkrieg geleistet haben und damit die Beziehung mit den Vereinigten Staaten auf eine Zerreißprobe gestellt haben. Von daher ist Ihre Aussage falsch, die westliche Staatengemeinschaft hat geschlossen hinter dem militärischen Einsatz der Amerikaner gestanden. Und gegenüber Israel, dessen Auseinandersetzung mit den Palästinensern den Urkonflikt dieser Region darstellt, können die Gegensätze in der Nahostpolitik westlicher Staaten nicht größer sein. Während die Amerikaner als eine Art militärische und wirtschaftliche Schutzmacht Israels agieren, kritisieren die europäischen Staaten Israel heftigst wegen seiner Siedlungspolitik sowie angeblicher Diskriminierung von Palästinensern, die sogar in Boykottmaßnahmen gegen dieses Land gipfeln. Ebenso sind alle Abkommen sowie Friedensversuche zwischen Israel und den Palästinensern / Arabern immer auf Initiative und diplomatischen Druck der Amerikaner angegangen oder zustandekommen, ob z.B. 2 mal in Camp David oder in Oslo. Die Europäer und andere westlichen Staaten haben hier die Rolle von Statisten eingenommen, wie bereits schon gesagt. Ebenso sind die historischen Verbindungen zwischen den einzelnen westlichen Staaten und dieser Region höchst unterschiedlich. Frankreich und England waren aufgrund ihrer Kolonialgeschichte bis zum Ende der Sueskrise / Algerienkrieges tiefer in der Region verwurzelt, allerdings ist dieser Einfluss trotz einzelner Militäraktionen wie in Syrien oder Libyen nahezu auf den Nullpunkt gesunken. Deutschland ist sogar wegen der Judenvernichtung sowie seiner Kriegsführung gegen die westlichen Alliieren in gewisser Weise als „Verbündeter der Gegenseite“ betrachtet worden, tja, und die anderen westlichen Staaten haben niemals irgendwelche Aktien in dieser Region gehabt und zeigen auch heute wenig Commitment. Sorry bei dieser erdrückenden Faktenlage ist es völlig verfehlt von einer „westlichen Nahostpolitik“ zu sprechen. Einem, wie Ihnen, der sich als Kenner dieser Region gebärdet, sollte das eigentlich auffallen. Selbst Ihr Verweis auf irgendwelche, wissenschaftliche Quellen ist nichts anderes als ein plumpes und inhaltsloses Gegenargument. Letztes gibt es eine amerikanische Nahostpolitik und das wars dann auch.
17.07.17
22:48
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