Wuppertal

Gymnasium verbietet „provozierendes Beten“

Ein Wuppertaler Gymnasium sorgte in den sozialen Netzwerken für Diskussion, weil es muslimischen Schülern die Verrichtung des Gebetes auf dem Schulgelände verbot. Wir sprachen mit der Pressestelle der Bezirksregierung Düsseldorf.

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2017
Gymnasium verbietet Schülern das Beten © Facebook, bearbeitet by iQ.

In Wuppertal sorgt die Schulleitung des Johannes Rau Gymnasiums in den sozialen Netzwerken mit einer Mitteilung an das Lehrerkollegium für Empörung. In dem internen Schreiben, das öffentlich gemacht wurde, verbietet die Schulleiterin das „provozierende Beten“ von muslimischen Schülern auf dem Schulgelände des Gymnasiums und fordert die Lehrerschaft auf, Schüler zu melden, die sich dem Verbot widersetzen.

„In den vergangenen Wochen wurde zunehmend beobachtet, dass muslimische Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude für andere deutlich sichtbar beten, signalisiert durch rituelle Waschungen in den Toiletten, das Ausrollen von Gebetsteppichen, das Einnehmen von bestimmten Körperhaltungen. Dies ist nicht gestattet“, heißt es in dem Schreiben.

„Verbot ist nicht rechtswidrig“

Die Schulleitung war nicht bereit eine Stellungnahme zu diesem Schreiben abzugeben. Die Pressestelle der Bezirksregierung Düsseldorf teilte IslamiQ auf Anfrage nun mit, dass ein solches Verbot nicht rechtswidrig sei. „Bei der erwähnten Mitteilung handelt es sich um ein Schreiben der Schulleitung vom 16.02.2017 an das Kollegium. Dies ist irrtümlich an die Öffentlichkeit gelangt. Anlass für die Mitteilung an die Kollegen war laut Schulleitung der Wunsch, mit den Schülern ins Gespräch zu kommen und nach anderen Lösungen zu suchen“, so die Pressestelle weiter. Denn nach Angaben der Schulleitung fühlten sich andere Schüler und Lehrer von muslimischen Schülern, die auf dem Schulgelände ihr Gebet verrichteten, belästigt. Außerdem habe die Schulleiterin das Verbotsrecht „im Rahmen des Hausrechts. Das verfassungsmäßige Gebot des Funktionierens des Schulbetriebes und des Bildungsauftrags Art 5 GG, geht der Religionsausübungsfreiheit vor“, so die Bezirksregierung gegenüber IslamiQ.

Auf die Frage was denn unter „provozierender Art“ zu verstehen sei, antwortete die Bezirksregierung wie folgt: „Unter ‚provozierende Art‘ ist zu verstehen, dass andere Schüler/innen und Lehrkräfte sich gestört oder bedrängt fühlten“.

Die Bezirksregierung betont gegenüber IslamiQ außerdem, dass das betroffene Gymnasium der Regierung bekannt als Schule mit einem großen Engagement für die Integration von Schülern anderer Religionen oder Herkunftsländer sei. Auf die Frage, ob wir mit den Schülern sprechen können, antwortete die Pressestelle, dass sie uns keine Kontaktdaten zur Verfügung stellen können.

Bewer­tung als „provoziere­ndes Beten“ sei unsachlich

Auch die Antidiskriminierungsstelle Federation against injustice and racism (FAIR) äußerte sich zum Verbot des Wuppertaler Gymnasiums. „Als Ausdruck ihrer Religionsfreiheit ist es gerade auch musl­imischen Schülerinnen und Schülern gesta­ttet, außerhalb der Unterrichtszeiten in der Schule zu beten. Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn der Schulfrieden durch das Gebet gestört wür­de. Ob dies an dem Gymnasium in Wuppertal der Fall ist, blei­bt unklar, teilt FAIR mit.

Die Bewer­tung als „provoziere­ndes Beten“ sei doch sehr unsachlich. Zu­dem kenne man nur die Da­rstellung der Schule, nicht aber der bet­roffenen SchülerInnen. Im Üb­rigen sei das Schrei­ben der Schule als sehr problematisch zu werten, denn damit werden die betroffen­en SchülerInnen als „Problemfälle“ stig­matisiert. „Es wäre für die verantwortlic­hen Pädagogen ratsam gewesen, mit den Sc­hülerInnen und ihr­en Eltern auf dem Weg des Dialogs die An­gelegenheit zu kläre­n. So geschieht es auch an vielen anderen Schulen in ganz De­utschland“, erklärt FAIR.

Leserkommentare

Abdullah sagt:
Soviel zum Thema Religionsfreiheit... Was stört euch denn daran?
26.03.17
22:07
portago sagt:
@ Hajar Danke für diese Zuschrift - Sie scheinen offensichtlich differenzieren zu können zwischen Show mit Theatralik und wirklich substantiellem Inhalt. Ich denke nämlich, dass es im vorliegenden Fall um gezielte Provokation ging - nicht mehr und nicht weniger. In vielen Schulen - gerade in Ballungszentren - gibt es Islam-Unterricht. Und da wird Muslim-Schülern mit Sicherheit niemand das Beten verbieten. Viele meiner Freunde sind Moslems. Es sind solche, die von dem ostentativen Forderungs-Gehabe ewig zu kurz-Gekommener, die ihre Lebensprobleme jetzt auf das Unverstanden-Sein ihrer Glaubensrichtung projizieren, zutiefst angewidert sind. Einer von ihnen (habilitiert) sagte unlängst: "Wenn man durch eigenes Unvermögen in einem Land solcher Möglichkeiten hinten herunter fällt, dünkt man sich eine Scheinwelt des Benachteiligten zurecht. Und da liefern absurde Großmachtkasper zur Zeit die richtige Munition. Da sollte Deutschland strikt gegen vorgehen und sich nichts gefallen lassen - statt ständig einen auf Harmonie zu machen!" Den Namen des Aufrührers, des Sultan-Darstellers, nannte er nicht. Brauchte er nicht.
30.03.17
13:03
Kritika sagt:
L.S. Muslims stehen auf der unterste Stufe der SympatieHierarchie aller Sekten, weil sie beträchtlich mit Kopftuch oder Burkini provozieren und ständig für Ärger sorgen. Ein Grund, die demonstrative, öffentliche Beterei einzustellen. Wenn jemand Lob empfängt, weil er dem Lobenden eine grosse Freude bereitet hat, hat das Lob einen positiven Wert. Wenn ein eiteler Jemand Lob empfängt, weil er den Lobenden eine schwere Strafe angedroht hat, falls er nicht lobt, ist das Loben nichts wert. Erpresstes Lob ist wertlos. Gruss, Kritika
13.06.18
19:36
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