IGMG

„Die Identität nicht über das Andere definieren“

Im Gespräch mit IslamiQ erklärt Selçuk Çiçek, der neue Leiter der IGMG-Studentenabteilung, wie Jugendliche ihre religiöse Identität und das studentische Leben verbinden können.

03
05
2015
0

IslamiQ: Kannst Du Dich kurz vorstellen?

Selçuk Çiçek: Ich kam 1988 in Hannover zur Welt und wuchs in Peine auf. Meine Familie war in den 80ern als Gastarbeiter aus Sivas nach Deutschland gekommen. Ich bin verheiratet und Vater eines Kindes. Nach meinem Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Leibniz Universität in Hannover, mache ich nun den Master in Geschichte.

In meiner Jugend war ich als auf lokaler und regionaler Ebene in der IGMG-Jugend aktiv, vor allem im Bildungsbereich. Nun bin ich Leiter der Studentenabteilung der IGMG-Jugend. Die Erfahrungen in der Jugendarbeit haben mir viel gegeben.

IslamiQ: Welche Projekte möchtest Du anstoßen?

Çiçek: Zunächst möchte ich der bisherigen Leitung der Studentenabteilung herzlich danken. Sie hat sehr gute Arbeit geleistet. Spontan fallen mir Sprachkurse oder Wochenendseminare sowie die Unidays und die zahlreichen Symposien und Podiumsdiskussionen ein. Diese und weitere Angebote wie Stipendien oder die Studyday-Beratungsmessen werden wir fortgeführen. Denn wir brauchen junge Muslime, die sich neben Islamwissenschaften auch auf Philosophie, Politik, Geschichte, Soziologie usw. spezialisieren. Deshalb müssen wir den Institutionalisierungsprozess in unseren Regionalverbänden beschleunigen und zusammen mit unseren Studentenvereinen einen wichtigen Wirkungsbereich schaffen.

Junge Muslime sind hier heimisch. Deshalb sind auch gesellschaftspolitische Themen wichtig für uns. Man kann sogar sagen, es ist unsere Pflicht, uns an den gesellschaftlichen und politischen Diskussionen zu beteiligen. Aus diesem Grund setzen wir mehr und mehr auf akademische Angebote in der jeweiligen Landessprache.

IslamiQ: Was macht Deiner Meinung nach einen muslimischen Studenten aus?

Çiçek: Das ist ein junger Mensch, der lernt, wie man seinen Glauben und die Lebensrealität miteinander in Einklang bringen kann. Wichtig ist, dass dabei weder der Glauben verwässert noch der Kontext missachtet wird und immer eine kritische Haltung bewahrt wird.

IslamiQ: Wie können das muslimische Jugendliche bewerkstelligen?

Çiçek: Indem sie selbstbewusst sind. Sie sollten nicht im Stand-by-Modus verharren, sondern aktiv werden. Das Motto lautet: Aktion statt Reaktion. Muslimische Jugendliche sollten sich nicht über das Andere definieren, sondern ihren eigenen Weg gehen, und zwar dem göttlichen Willen entsprechend und zum Nutzen der Menschheit und der Gesellschaft, in der sie leben.

IslamiQ: Die IGMG legt viel Wert auf die Identitätsfindung junger Menschen. Wie siehst Du das?

Çiçek: Identität ist nicht nur eine Frage des Selbstdefinition, sie hat viel zu tun mit der Frage, wo man sich historisch verankert sieht. Daher müssen wir unseren Jugendlichen unbedingt zu einer echten Verbindung zu ihrer Geschichte verhelfen. Sonst ist es schwer, sich selbst noch seine Umgebung einzuordnen. Erst wenn die Frage geklärt ist, woher man kommt und in was für einer Gesellschaft man später leben möchte, erhält das gemeinschaftliche und individuelle Engagement einen Sinn.