Berlin

Wohnungssuche: „Keine Muslime und Migranten!“

Bewerber mit einem Migrationshintergrund haben es extra schwer: Sie berichten nicht selten über Diskriminierung bei der Wohnungssuche. Das genaue Ausmaß zu bestimmen, ist aber gar nicht so einfach.

29
01
2020
Umfrage: Rassismus bei der Wohnungssuche. © by Px4u by Team Cu29 auf flickr.com (CC BY 2.0), bearbeitet IslamiQ
Umfrage: Rassismus bei der Wohnungssuche. © by Px4u by Team Cu29 auf flickr.com (CC BY 2.0), bearbeitet IslamiQ

„Keine Muslime! Keine Haustiere! Vermietet wird nur an weibliche Einzelperson“ – dieses Inserat hat zu einem von rund 1400 Hinweisen geführt, die die Antidiskriminierungsstelle des Bundes seit ihrer Einrichtung 2006 zum Wohnungsmarkt erhalten hat. Viele Vermieter reagierten negativ auf einen nicht deutsch klingenden Namen oder einen Akzent, sagte Bernhard Franke, der kommissarische Leiter der Stelle, am Mittwoch in Berlin. „Dann ist plötzlich kein Besichtigungstermin mehr möglich oder die Wohnung angeblich schon vergeben.“ Gerade in besseren Wohngegenden hätten es Bewerber schwer.

Wohnungssuche und Rassismus

Wer Menschen aufgrund von Alter, Behinderung, ethnischer Herkunft, Geschlecht, sexueller Identität oder Religion und Weltanschauung diskriminiert, verstößt gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und muss mit Sanktionen rechnen – ob im Job oder auf dem Wohnungsmarkt. Ein bayerischer Vermieter, der seine Wohnung nur Deutschen überlassen wollte, musste einem ursprünglich aus dem westafrikanischen Burkina Faso stammenden Interessenten 1000 Euro zahlen, wie ein Gericht jüngst entschied.

Die Antidiskriminierungsstelle hat Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu ihren Einschätzungen und Erfahrungen befragt. Über 80 Prozent der Befragten gingen von deutlichen Nachteilen bei der Wohnungssuche aus – der am häufigsten genannte Lebensbereich.

Rund ein Drittel der Befragten mit Migrationshintergrund, die in den vergangenen zehn Jahren eine Wohnung oder ein Haus gesucht haben, hat nach eigenen Angaben schon rassistische Diskriminierung bei der Wohnungssuche erlebt. Von einem Migrationshintergrund spricht man, wenn jemand die deutsche Staatsbürgerschaft nicht ab Geburt besitzt oder der mindestens ein Elternteil hat, bei dem das der Fall ist.

Bei Wohnungssuche beleidigt oder beschimpft

Ein Fünftel aus dieser Gruppe gab an, eine Immobilienanzeige gelesen zu haben, die bestimmte Personengruppen ausschloss. Mehr als jeder Zehnte wurde demnach bei der Wohnungssuche beleidigt oder beschimpft. Mehr als die Hälfte gab an, Wohnung oder Haus wegen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe nicht bekommen zu haben.

Fraglich ist indes, was solche Angaben belegen. Die ersten beiden Beispiele deuten klar auf Diskriminierung hin. Aber welcher Interessent weiß schon, warum er den Zuschlag nicht bekommen hat?

Betroffene könnten das Ausmaß von Diskriminierung über- oder auch unterschätzen, schreibt der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) in einer 2018 veröffentlichten Expertise. „Die subjektive Einschätzung von Benachteiligung ist daher prinzipiell nicht geeignet, Ausmaß und Verbreitung von (tatsächlicher) Diskriminierung abzubilden.“

Hinzu kommt: In Ländern wie den skandinavischen, die sich schon lange besonders um gleiche Chancen für Minderheiten kümmern, fühlten sich besonders viele Menschen diskriminiert, schreiben die SVR-Experten. Allerdings sei dort auch die Sensibilität für Benachteiligungen höher. Doch auch gefühlte Diskriminierung sei wichtig: „Wenn sich Zuwanderergruppen stark diskriminiert fühlen, birgt das in jedem Fall Risiken für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt

Methoden zur Messung tatsächlicher Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt wären deutlich aufwendiger als eine Umfrage. Die Antidiskriminierungsstelle selbst verweist auf so genannte Testing-Studien, bei denen sich fiktive Personen, die sich nur im Hinblick auf Merkmale wie Nachname, Akzent oder erkennbare Religionszugehörigkeit unterscheiden, auf dieselben Wohnungen bewerben. Anschließend lässt sich statistisch auswerten, ob es klare Unterschiede bei den Erfolgsquoten gab. Auch solche Studien belegten Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, schreibt die Antidiskriminierungsstelle.

Auch den Immobilienverband Deutschland (IVD) erreichen gelegentlich Anfragen seiner Mitglieder zu dem Thema. „Wir haben bei unserer Hotline für Makler und Verwalter gelegentlich Nachfragen, ob die Auswahl nach sozialer Gruppe erlaubt ist“, sagt Annett Engel-Lindner. Das komme aber selten vor.

Betroffenen rät der Leiter der Antidiskriminierungsstelle, Franke, sich an eine örtliche Beratungsstelle zu wenden. Mieterverbände verwiesen in der Regel dorthin, weil sie selbst auf Mietrecht und nicht auf Gesetzgebung gegen Diskriminierung spezialisiert seien. Um die 100 Anfragen im Jahr erhalte seine Stelle, sagte Remzi Uyguner von der Berliner Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Es meldeten sich nicht nur Suchende sondern auch Mieter mit bestehenden Verträgen. Einem Mann sei vom Vermieter gesagt worden, er könne in der Wohnung bleiben – falls er sich von seiner türkischstämmigen Partnerin trenne, die dort mit ihm wohnte. (dpa/iQ)

Leserkommentare

Ethiker sagt:
Es ist allgemein bekannt, dass auch muslimische Studenten auf den regulären Wohnungsmarkt es sehr schwer haben. Die Studentenwohnungen in ganz Deutschland sind überproportional mit muslimischen Studenten besetzt. Diese Studenten arbeiten zumeist in prekären Arbeitsverhältnisse in der Pflege, im Verkauf des Einzenhandels und in der Gebäudereinigung. Hieraus ergibt sich ihre Duldung. Sie erzeugen in vielen Bereichen einen Mehrwert.
29.01.20
21:47
Kritika sagt:
L.S. Kritika hat vor einigen Jahren eine Wohnung geërbt. Zum ersten mal habe ich die jetzt an ein sympatisches, gebildetes, ausländisches und auch noch Muslim-Ehepaar vermietet. Zum selben Preis, der das ausgezogene Ehepaar zahlte. Was lernen wir daraus? Nicht alle, die den Islam für schädlicher Nonsense halten , stehen den einzelnen Muslim feindlich gegenüber. Nicht alle Muslims gehen vergebens auf Wohnungssuche. Gruss, Kritika
30.01.20
19:57
grege sagt:
Wohungen im Studentenwohnheim sind immer sehr begehrt, da bei verlgeichbaren Wohnkomfort die niedrigen staatlich subventioniert sind und daher billiger sind als auf dem freien Wohnungsmarkt. Sollen doch Muslime dankbar sein, dass der Staat etwas für sie tut. Alternativ besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass diese Muslime Universitäten eines muslimischen Traumlandes besuchen können
31.01.20
22:00
Ethiker sagt:
"Sondern dafür, dass sie die Gefühle ihrer Gastgeber mit Füssen treten. Kopftuch -Burkini - Prozessofobie- usw. aber auch wegen der überdurchschnittlichen Kriminalitätsrate. von Vergewaltigung bis Mord." Das ist eher das Wunschbild Kritikas als die Wirklichkeit. 1. Muslime sind keine Gäste 2.Muslime, Juden, Christen und alle anderen haben Rechte nach der Verfassung. " Prozessofobie" zeigt, dass Muslime auf ihr Recht hoffen, es aber anscheinend nich toft genug erhalten bzw. Muslime Opfer von Missachtung, Marginalisierung und Attacken sind. 3.Die Kriminalitätsrate spricht vielmehr über die, die Rate ausweisen. Es ist schon länger bekannt, dass die Justiz und Behörden der Exekutive massiv in Prozesse einwirken. Menschen ohne Migratiosnhintergrund werden in Justiz und der Exekutive schlicht anderst behandelt. Es gibt unzählige Beispiele siehe NSU, etc. Muslime, die ein Problem mit der deutschen Verfassung haben, müssten zuerst dort abgeholt werden wo sie sind, nämlich in ihren tradierten Werten. Und aus diesen geht ganz klar hervor, dass ein Muslim der Verfassung treu sein muss. Man müsste Muslime wieder daran erinnern Muslime zu werden, als Verhaltensweisen aufzulegen und Erwartungen zu entsprechen die muslimischen Grundsätzen entgegenstehen. Die Menschen die sie als Muslime ( "Prozessophobie", "Kriminalitätsrate" ) erhoffen und sehen wollen, sind eigentlich perfekt "integriert", denn sie handeln vorerst aus einen Impetus der Freheit, der ihnen scheinbar vorgelebt wird und durch die Begegnung mit Menschen und verzerrten BIldern entstanden ist. Das heißt jene sind "Kritika "näher als den gläubigen und pflichtbewussten Muslimen. Man müsste nur den nicht gläubigen naiven Muslimen endlich erklären, dass die Freiheit nicht für alle gilt, ihnen Rechte vorenthalten werden und von einigen Gestalten wie "Kritika" Seltsames und Schlechtes erwartet wird. Und wenn Kritika es nicht glauben mag, genügt ein Blick auf den NSU und anderer Ereignissen.
02.02.20
9:03
Kritika sagt:
An "Ethiker" und Mitleser. Mein Wunschbild ist, dass alle Allochtonen -- also Personen fremden Ursprungs -- ( zu denen ich ebenfalls gehöre ) sich ebenso friedlich, und vorallem ebenso unauffällig verhalten, wie die autochtone Bevölkerung. -------- Viele Behauptungen von Ethiker sind überprüfbar unwahr Der Namen für das in Mexico beliebte Getränk ' Tequila ' bedeutet auf Muslemisch Lüge, dass die Balken sich biegen; Hauptsache es nutzt den Islam. In diesem Sinne bewerte ich ihre unwahren Aussagen. Dennoch- Gruss, Kritika
12.02.20
11:01
Johannes Disch sagt:
"Keine Muslime, keine Haustiere"--- so eine Verknüpfung ist rassistisch und diskriminierend und geht gar nicht!
16.02.20
9:35
Marita sagt:
Ich habe selbst, im Rahmen meiner Tätigkeit als Wohnungsverwalter, etliche Wohnungen für Eigentümer vermietet und verwaltet. Es kommt weniger darauf an, ob jemand Ausländer/Migrant ist, sondern viel mehr, ob er unsere Sprache spricht und ob er solvent ist. Ein ausländischer Student, der selbst über keine oder geringe Einnahmen verfügt und dessen Eltern im Ausland sind, hat deshalb Schwierigkeiten eine Wohnung zu finden, weil er über keinen finanziellen Hintergrund verfügt, ebenso wie jemand der Hartz 4 bekommt oder mit einem Niedriglohn arbeitet. Bei diesen Mietern ist bei evtl. Rückständen eine Pfändung mangels Masse unmöglich. Hinzu kommt noch, falls es sich um ausländische Bewerber handelt, dass es sehr schwierig bis fast unmöglich ist, zu kommunizieren, wenn er/sie nicht unsere Sprache spricht. Man sollte sich grundsätzlich mit seinem Mieter verständigen können. M.E. sind das die Gründe, warum in vielen Fällen nicht an Migranten vermietet wird, nicht pauschal der Migrationshintergrund.
19.02.20
8:50
Kafira sagt:
Kafira sagt: Im Gegentei, verehrter Disch. In Deutschland herrscht Vertragsfreiheit. Der Wohnungseigentümer kann vermieten an wen er will und Verweigen wen er nicht will. Er braucht keine Begründung abzugeben. Wenn er schreiben würde " Keine Dackel " das wäre rassistisch denn Dackel bilden eine Rasse. Musims bilden eine religiöse Sekte, keine Rasse.. " Keine Muslims und Haustiere" ist daher Bewerber-freundlich: ungeeignete brauchen sich keine Mühe zu machen. Gruss, Kafira
19.02.20
12:18
Johannes Disch sagt:
@Kafira (19.02.2020, 12:18) Es geht bei Rassismus nicht um Rassen, sondern um Diskriminierung und Ausgrenzung. Mit dem Slogan "Keine Muslime, keine Haustiere" setzt der Eigentümer Muslime mit (Haus)Tieren gleich. Und das ist sehr wohl rassistisch. Der Eigentümer muss für die Ablehnung keine Begründung abgeben?? Richtig. Was er aber ebenfalls keinesfalls darf: Er darf niemanden wegen seiner Religion ablehnen. Das wäre nämlich Diskriminierung. Und genau das tut der Eigentümer mit seinem unseligen Slogan: "Keine Muslime, keine Haustiere." Ach, Muslime sind keine religiöse Sekte. Muslime sind Menschen, die einen religiösen Glauben haben. Und dieser heißt Islam. Das ist keine Sekte, sondern eine Weltreligion. Inzwischen nach Zahl der Anhänger bemessen-- ca. 1,5 Milliarden-- die zweitgrößte Weltreligion.
20.02.20
20:53