NSU

Kritik an Ermittlungen nach Turgut-Mord bestätigt

Jahrelang blieb das Kerntrio des rechtsterroristischen NSU unentdeckt und konnte so zehn Morde begehen. Landtagspolitiker in Schwerin sehen den Verdacht bestätigt, dass einseitige Ermittlungen der Behörden die Mordserie begünstigten.

26
10
2019
0
NSU-Mord
Symbolbild: NSU © Tribunal NSU-Mord

Nach dem Mord an dem Türken Mehmet Turgut im Februar 2004 in Rostock haben die Ermittler die rechtsextremistische Szene bei der Tätersuche ausgespart. „Ermittelt wurde hauptsächlich im Bereich organisierter Kriminalität, welche laut der Zeugen im Ortsteil (Dierkow) eine weniger große Rolle spielte. Wieso hier nicht in den Bereich Rechtsextremismus ermittelt wurde, bleibt nach wie vor eine offene Frage“, erklärte die SPD-Abgeordnete Susann Wippermann am Freitag.

Ihre Aussage folgte nach weiteren Zeugenbefragungen im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Aktivitäten des rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) in Mecklenburg-Vorpommern. Geladen waren fünf Kriminalisten, die seinerzeit an den Ermittlungen beteiligt waren.

Rassistisches Motiv „nicht kritisch hinterfragt“

„Die heute vernommenen Polizeibeamten suchten nach Rivalitäten unter Imbissbetreibern, Streitigkeiten mit Frauen oder nach Verbindungen zur PKK. Sie fragten die damaligen Zeugen jedoch an keiner Stelle, ob der Mord an Mehmet Turgut auch rassistisch motiviert sein könnte“, berichtete der Linke-Abgeordnete Peter Ritter aus der mehrstündigen Befragung im Landtag. „Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Ermittlungsarbeit im Mordfall Mehmet Turgut ist wieder mal deutlich zutage getreten“, resümierte der Oppositionspolitiker. Auch nach der Selbstenttarnung des NSU im November 2011 seien die damaligen Ermittlungsmaßnahmen „nicht kritisch hinterfragt worden“, kritisierte er.

NSU-Fall unvollständig aufgeklärt

Der damals 25-Jährige Turgut hatte an einem Imbissstand in Rostock ausgeholfen, als er Opfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ wurde. Das Kerntrio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatte fast 14 Jahre lang im Untergrund gelebt. In dieser Zeit ermordeten die beiden Männer neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft und eine Polizistin. Sie begingen außerdem zwei Sprengstoffanschläge und mehr als ein Dutzend Raubüberfälle.

2011 flog das Trio auf. Die beiden Männer wurden tot in einem ausgebrannten Wohnmobil gefunden. Mundlos soll seinen Komplizen erschossen haben, bevor er das Wohnmobil in Brand setzte und sich dann selbst erschoss. Das Oberlandesgericht München verurteilte Zschäpe im Juli 2018 wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft. Der Hintergrund ist hiermit nicht reichlich aufgeklärt und lässt noch viele Fragen offen. (dpa/iQ)