Jerusalem

Gebetsrufe in Jerusalem sollen leiser werden

Israel diskutiert seit längerem eine zeitliche Begrenzung für Gebetsrufe. Nun sollen Moscheen mit kleineren Lautsprechern ausgestattet werden.

03
01
2019
Gebetsrufe in Jerusalem
Symbolbild: Jerusalem © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Im Streit um muslimische Gebetsrufe sollen Moscheen in Ostjerusalem offenbar mit kleineren Lautsprechern ausgestattet werden. Damit solle die Lautstärke der Muezzinrufe reduziert werden, berichtete der Sender „Arutz Scheva“ am Mittwoch unter Berufung auf einen Fernsehbericht.

Der in Abstimmung mit den Mukhtaren (Vorstehern) der Ortsteile Beit Safafa, Beit Hanina, Schuafat und Jabal Mukaber erarbeitete Plan sehe zudem vor, die Straßen rund um die Moscheen mit lärmreduzierenden Lautsprechern auszustatten. Die Polizei sei im Fall von Überschreitungen berechtigt, die Lautstärke herunterzudrehen.

Dem Bericht zufolge wurde bereits ein nicht näher genanntes Budget für ein Pilotprojekt zur Verfügung gestellt. Für den Austausch der Lautsprecher in allen Moscheen sollen demnach zu einem späteren Zeitpunkt umgerechnet zwischen 12.000 und 16.000 Euro investiert werden.

Angriff auf Kultfreiheit

Israel diskutiert seit längerem die Einschränkung von Gebetsrufen. Erste Gesetzesvorstöße, die nächtliche Nutzung von Lautsprechern an Moscheen zu verbieten und Zuwiderhandlungen unter hohe Strafen zu stellen, waren am Widerstand aus strengreligiös-jüdischen Kreisen gescheitert, die negative Auswirkungen auch auf die jüdische Religionsausübung befürchteten. Befürworter begründen ihre Verbotsforderung mit der Lebensqualität von Anwohnern, die durch die Gebetsrufe eingeschränkt werde.

Der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Ahmed Hussein, hat vor einer in Israel geplanten Einschränkung muslimischer Gebetsrufe gewarnt. Er warf den israelischen Behörden „dreiste Einmischung“ in die Belange von Muslimen vor. Die geplante Regelung ignoriere „Religionen, Normen und internationale Gesetze“. Die israelischen Angriffe auf die Kultfreiheit seien darauf angelegt, „alle Spuren von Arabern in Palästina“ auszulöschen, so Hussein. Er rief internationale Organisationen einschließlich der UN-Kulturorganisation Unesco auf, Übergriffe auf Moscheen und islamische Denkmäler zu stoppen. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
So viel zur angeblich "einzigen Demokratie im Nahen Osten". Dass ich nicht lache. Es ist eine Beleidigung jeglichen gesunden Menschenverstandes, dieses Unrechtsregime zur "einzigen Demokratie im Nahen Osten" zu erklären. Ein Trost, dass Beschlüsse und Entscheidungen dieses Unrechtsregimes gegenstandslos sind. Die arabisch-muslimische Bevölkerung wird sich diese Art von Einmischung nicht gefallen lassen und Widerstand leisten. Ein Eingriff in die Religionsausübung ist eine rote Linie, welche im Interesse des friedlichen Zusammenlebenlebens keinesfalls überschritten werden darf. Abgesehen davon, dass ein solcher Eingriff keinerlei Gültigkeit hat und Israel in Ostjerusalem keinerlei Hoheitsgewalt ausüben darf, da Ostjerusalem völkerrechtlich zu Palästina gehört. Eine Zwangsdurchsetzung würde zu neuen Eskalationen führen. Eine "dritte Intifada" wird Israel im Interesse der eigenen Existenz nicht in Kauf nehmen. Ein zentral koordinierter Gebetsruf aus allen Moscheelautsprechern in der Stadt, wie in vielen Städten der Türkei seit Jahren üblich, anstatt die Lautsprecher herunter zu drehen, würde jeglichen Wind aus den Segeln nehmen. Allerdings haben da nur palästinensische Behörden ein Mitspracherecht. Israel hat sich da herauszuhalten.
03.01.19
14:50
Kritika sagt:
L.S. Religiosität ist etwas persönliches und zugleich etwas Irreales. So wie jemand an Astrologie und Wahrsagen glauben darf, so kann er auch an Jesus als Gottessohn- oder an Allah glauben oder an die Mondgöttin. Eine wachsende Mehrheit solcher Europäer, die mit gesundem Menschenverstand ausgestattetendet sind, findet dagegen Götter, inclusive Allah und Mondgöttin Nonsense. Zurecht, meint auch Kritika. Die schrumpfende Minderheit der NonsenseAnhänger soll ihren Kult in Ruhe und Stille ausüben können. Wenn aber Rechte von ReligionsFreie betroffen sind die sich von KultLärm gestört fühlen, sollte diese auf Innenraume beschränkt bleiben. Daher ist Orgelmusik in Christliche Kirchen und GebetsRufe innerhalb von Moscheen für niemandem Störend. In vielen Gemeinden Deutschland sind aber Gebetsrufe verboten. Ebenso ist das Läuten von Kirchenglocken fast immer zeitlich eingeschränkt. Und das ist gut so. Weil die Jerusalemmer Muslims das offensichtlich nicht als selbstverständlich einsehen, hat jetzt die Verwaltung eingegriffen und den NichtMuslimen gegen vermeidbaren Lärm geschützt. Kein Grund also wegen angebliche KultUnfreiheit auf die Barikaden zu gehen. In einer Gemeinschaft hat jeder Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen. Gruss, Kritika
03.01.19
19:30
Kritika sagt:
L.S. " - - die Moscheen mit lärmreduzierenden Lautsprechern auszustatten - " Wenn in den Strassen um die Moscheen gleich mehrere Lautsprecher hängen, die zuviel Lärm machen, sollte es einfachere und billigere Mittel geben als "zwischen 12.000 und 16.000 Euro " für ' kleinere' Lautsprecher auszugeben. Wie wär's mit so viele Lautsprecher abzumontieren, bis es ruhig genug ist? Oder, den Verstärker, der die Lautsprecher speisst zurückzudrehen? Von wem stammen eigentlich die " zwischen 12.000 und 16.000 Euro "? Gruss, Kritika
03.01.19
19:46
Kritika sagt:
L.S. In einen Angriffskrieg hat Israel gesiegt. Wenn der Angegriffene gleichzeitig Sieger ist, so steht ihm quasi als ausgleichender Genugtuung eines im aufgezwungenen Krieges ein Landgewinn auf Kosten besiegten Angreifers zu. Einen solchen Landgewinn hat auch Angreifer Deutschland als Folge verlorenen Angriffskriegs de 2. Weltkriegs Landgewinne schrecken einen künftigen Angreifer ab und sie sind ist Teil einer ausgleichenden Gerechtigkeit. So verlor Deutschland zurecht viele Gebiete im Osten. Als Consequence des "6-Tage Kriegs " - nach Jahrzehnte Palästinenser - Blockade - wieder der Übergang von Ost nach West VV in Jerusalem offen Wenn nun Israel die "LautsprecherHoheit übernimmt, dann ist das den Palestinensern zumutbar. Too much doing about nothining. Gruss, Kritika.
17.01.19
1:10