Moschee-Steuer

Von Auslandsfinanzierung bis Zakat – Fragen der Finanzierung von Moscheen

Seit einigen Tagen wird verstärkt über die sog. Moschee-Steuer diskutiert. Wer soll und darf die Arbeit islamischer Gemeinden wie finanzieren? Cemil Şahinöz gibt einen Überblick über die juristischen, politischen und thelogischen Probleme des Themas.

01
01
2019
Symbolbild: Zakat, Finanzierung
Symbolbild: Zakat © by epSos .de auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Die Frage der Finanzierung von Moscheegemeinden ist nicht neu. Sie wird seit mindestens einem Jahrzehnt diskutiert. Volle Fahrt haben die Diskussionen aufgrund der angespannten Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei genommen.

Aufseiten der Politik in Deutschland wird das Ziel verfolgt, Auslandsfinanzierungen und damit indirekt Einflüsse von ausländischen Staaten zu verhindern. Daher wird nach Lösungen und Optionen gesucht. Der Vorschlag, eine Moschee-Steuer analog zur Kirchensteuer einzuziehen, ist aber weder juristisch noch theologisch möglich. Deshalb werden die gegenwärtigen Diskussionen nur in eine Sackgasse führen.

Ohne Anerkennung keine Steuer

Juristisch ist es nicht möglich, da islamische Religionsgemeinschaften keine Körperschaft des öffentlichen Rechts sind. Dies ist aber eine Voraussetzung, um eine solche Steuer überhaupt erheben zu können. Zunächst müsste also diese Frage geklärt werden. Die islamischen Religionsgemeinschaften erhalten gegenwärtig die Anerkennung als Körperschaft nicht, da sie Kriterien, wie z. B. Mitgliedsstrukturen, nicht erfüllen sollen.

Der Islam ist keine Kirche

Damit sind wir auch schon bei der theologischen Problemstellung. Eine Moschee-Steuer entspricht dem Selbstverständnis des Islams nicht. Denn der Islam kennt keine Institutionen oder Mitgliedsstrukturen wie die Kirchen. Dass heißt z. B., ein Eintritt zur oder Austritt aus der Religion wie in der Kirche ist im Islam nicht an die Institution Moschee gebunden. Man ist nirgends als Muslime registriert. Wie sollte man dann die Muslime, die diese Steuern zahlen sollen, erfassen?

Da kann man sich auch nicht an den Mitgliederlisten in den Moscheegemeinden orientieren. Denn man kann als Muslim in keiner einzigen Moschee Mitglied sein, oder auch in 10 verschiedenen gleichzeitig. Die Mitgliederzahlen sagen also nicht viel aus. Hier herrschen andere Strukturen als in der Kirche. Es gibt theologisch ein anderes Verständnis.

Gleichstellung notwendig

Was die muslimische Community bei all den Diskussionen kritisiert, ist auch der Wunsch nach Augenhöhe und Gleichbehandlung. Denn es ist bekannt, dass z. B. Kirchen und kirchliche Einrichtungen im Ausland von Deutschland aus finanziert werden. Gleichzeitig gibt es in Deutschland einige Religionsgemeinschaften, die, ähnlich wie bei den muslimischen Gemeinden, aus dem Ausland finanziert werden, und auch ihre Geistlichen aus dem Ausland holen. Hier fehlt eine Klarstellung, dass der Verbot der Auslandsfinanzierung nicht nur die Muslime betreffen darf und es damit keine benachteiligende Sonderregelung für Muslime geben kann. Denn grundsätzlich regeln die Religionsgemeinschaften die Ausbildung ihrer Geistlichen und die Finanzierung ihrer Gemeinschaften selbst.

Was sind die Alternativen?

Das Thema, wie sich Moscheegemeinden finanzieren könnten, ist seit vielen Jahren auch innerhalb der muslimischen Community ein Thema. Die Frage geht parallel mit der Fragestellung, ob man Imame, die in Deutschland geboren, hier sozialisiert und hier ausgebildet sind, in Moscheegemeinden einsetzen kann.

Da muss man realistisch sein. Selbst wenn man eine Moscheesteuer einführen würde, und auf Imame aus dem Ausland nicht mehr angewiesen wäre, hätte man trotzdem nicht einmal ansatzweise genügend Imame für die Moscheen in Deutschland. Es gibt ca. 2000 Moscheen in Deutschland, ca. 1000 beziehen ihre Imame aus dem Ausland. Islamische Theologie kann man seit knapp 10 Jahren in Deutschland studieren. Bis man also so viele Imame hat, die hier Theologie studiert haben und dann auch tatsächlich in den Moscheegemeinden tätig sind, wird es wohl noch lange dauern. Aber das ist ein Ziel, dass viele muslimische Gemeinden verfolgen.

Optionsvorschläge für Finanzierungen, die in der muslimischen Community seit längerem diskutiert werden, sind die Gründung von Stiftungen, die es historisch in muslimischen Gemeinschaften immer wieder gab und die Zakat-Abgabe. Während bei Stiftungen es zumindest keine theologischen Schwierigkeiten geben würde, steht jedoch die Frage im Raum, ob die Ressourcen der muslimischen Community in Deutschland es zu lassen, auf diese Art und Weise hunderte von Moscheen zu finanzieren.

Bei der Zakat (2,5% des überschüssigen Gesamtvermögens spendet ein jeder Muslim jedes Jahr) gibt es wiederum eine große theologische Diskussion darüber, ob Zakat auch an Einrichtungen und nicht nur an bedürftige Einzelpersonen gespendet werden kann. Man nehme an, Moscheen würden durch die Zakat finanziert werden. Dann müsste man sich soziologisch darauf gefasst machen, dass evtl. in einigen Jahrzehnten Zakat sich inhaltlich wandelt und tatsächlich nur noch Einrichtungen wie Moscheen damit finanziert werden. Bedürftige wären dann sekundär. Man hätte eine andere Qualität von Zakat. Dies ist eine theologische Fragestellung, die noch nicht abschließend geklärt ist.

Leserkommentare

Kritika sagt:
L.S.- » Gleichstellung notwendig « fordert Herr Cemil Şahinöz. Kritika findet, dass sich Herr Cemil Şahinö nicht in einer Position befindet, in der es ihm zusteht, Was-auch-immer von Deutschland zu fordern. Wenn er aber Gleichstellung fordert, dann meint er sicherlich, dass Mohammedaner und Moscheen in Deutschland denselben Status, die selbe Freiheit und gleichwertige Einschränkungen bekommen sollten, wie Christen und Christliche Kirchen in vom Islam beherrschten Staaten. Dafür könnte Kritika dann ebenfalls "OK" sagen. Er, Şahinöz, führt weiter aus: » Denn es ist bekannt, dass z. B. Kirchen und kirchliche Einrichtungen im Ausland von Deutschland aus finanziert werden. « Kritika liegen keine Beweise dafür vor. Wer "von Deutschland", in welcher Höhe, wofür und von wem, finanziert wird, dafür bleibt Şahinöz Beweise schuldig. Kritika meint, dass, auch wenn es Wahr sein sollte, was Herr Cemil Herr Cemil Şahinödaraus da behauptet, er daraus für die Islam-Ideologie in Deutschland nichts ableiten kann. Deutlicher gesagt: Das ginge Hr. Herr Cemil Şahinö nicht das Geringste an. Gruss, Kritika
01.01.19
23:43
Kritika sagt:
Hi , Muslim, Danke für die Reaktion. Sie werfen mehr Temen auf als Kritika in ihrer restlichen Lebenszeit ausführlich beantworten kann. Daher leider nur Kurzfassungen ------------- Hitler war meiner Meinung nach kein Christ, Er faselte öfters von "Die Vorsehung", das ist kein Christlicher Ausdruck. Jesus predigte Verständigung: Liebe dein Nächsten wie dich Selber. Sätze wie "bei Gott sind die Ungläubigen (Jesus nannte sie Heiden) " schlimmer als das Vieh "finden Sie bei Jesus nicht. Kritika rechnet sich dennoch nicht zu den Christen. In eigener Sache: Hitler. -------------- Kritika stammt aus einem von der Deutschen Wehrmacht besetztes und terrorisierten Staat und Land. Deutsche Soldaten haben gegen KriegsEnde unsere Familie, bestehend aus meinem Vater, Mutter, Bruder und mich scharf beschossen. Mein Vater schmiss uns, Kinder, sofort hin danach sichselbst. Er bekam dennoch 2 Torax -Durchschüsse, überlebte mit genauer Not. Hätte ein von Kritika gedachtes Flipchart nach 1945 gestanden, hätte sie ohne Nachdenken "Deutschland" gewählt. Aber das Gedankenexperiment war - wie Sie schon verstanden haben - für Hier und Heute gedacht. ----------- Palästina / Israel Würde das Flipchart in Israël stehen, wäre Gaza die Antwort, stünde es in Gaza, dann Israël. Das bringt uns nicht weiter. Hier und Heute war mein Gedanken-Experiment nicht Nahost und Irgendwann daher fallen auch die abscheulichen NegerTransporte nach Amerika, - an denen sich unter andere leider auch meine Vorfahren tief Schuldig gemacht haben - aus der Betrachtung. Ebenso wie die Völkermorde an Herero ( Deutschen) sowie Armenier ( Türken) ----------- Zurück zu meinem Gedanken Experiment. Lieber "Muslim" , wenn Sie unparteiisch wären, wo würde das "Terror " Schild Ihrer Meinung nach HEUTE am meisten angeheftet? Gruss, Kritika.
02.01.19
1:17
Emanuel Schaub sagt:
Die Grosszügigkeit der Spender nch einem Freitags Gebet hat mich vor einiger Zeit sehr beeindruckt! (Wenn ich dann an den berühmt/berüchtigten Knopf im Klingelbeutel denke...-kleiner Scherz...- Mit anderen Worten;ein Zitat von Dr. Kurt Port -Geist kommt von Begeisterung- und in diesem Fall Hingabe an eine Religion zeitigt freiwillige Gebefreudigkeit. gruss emanuel
02.01.19
11:28
Frederic Voss sagt:
Ganz einfach ist es, wenn ein jeder (zahlungsbereite) Muslim 5% oder mehr seines überschüssigen Gesamtvermögens im Jahr als Zakat spendet. Die Hälfte davon dient der Moscheen-Finanzierung. Problem gelöst. Muslimische Communities können sich auch nicht mit den Kirchen hier vergleichen. Ansprüche von Islam-Verbänden und muslimischen Gruppierungen gleich als staatlich anerkannte Körperschaften fungieren zu können, entbehren jeder Grundlage.
02.01.19
13:04
Johannes Disch sagt:
"Moscheesteuer" hört sich gut an, ist aber schwer umzusetzen. Wir versuchen noch immer, den Islam zu verkirchlichen, was aber nicht möglich ist, da der Islam keine Kirche kennt.
09.01.19
12:13