Ruhr-Universität

AfD will Schulklasse von Projekt fernhalten

Eine Schulklasse wollte an einem rassismuskritischen Projekt der Ruhr-Universität teilnehmen. Die AfD wollte die Veranstaltung verhinden. Sie verstöße gegen das Neutralitätsgesetz.

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AfD
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Eine Oberstufenklasse aus dem Ruhrgebiet wollte Teil eines rassismuskritischen Projekts der Ruhr-Universität Bochum werden. Die Lehrerin des Gymnasiums informierte Mitte November mit einem Elternbrief darüber, dass sie mit einem Sowi-Kurs an dem Projekt der Ruhr-Universität teilnimmt.

Dieser Elternbrief wurde auf der Facebook-Seite „AfD-Gelsenkirchen“ veröffentlicht. Kurze Zeit später habe die Schule und die betreffende Bezirksregierung ein Schreiben von einem Referenten eines AfD-Abgeordneten erhalten, in dem er die Absage des Projekts fordere. „Wir fordern sie auf, die Veranstaltung abzusagen und die nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen“, heißt es im Schreiben.

AfD will Lehrer einschüchtern

„Dies zeigt, dass die AfD Lehrkräfte, die Kritik an rassistischen Positionen artikulieren, einschüchtern will“, erklärt Prof. Dr. Karim Fereidooni von der Ruhr-Universität in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit seinem Kollegen Jan Schedler. Das Projekt wurde von den beiden Wissenschaftlern gemeinsam organisiert.

Thema des Projektes war: Alltagsrassismus in Deutschland – Die Alternative für Deutschland. In diesem Projekt sollten im Rahen von drei thematischen Workshops folgende Fragen erforscht werden: Wie vollzog sich der Wandel von der Professoren-Partei hin zu einer rechtspopulistischen und in Teilen sogar offen rechtsextremen Partei? Warum wird die Partei als rechtspopulistisch oder sogar rechtsextrem eingestuft? Ziel des Projekt sei es Schüler für subtile Facetten von (Alltags)Rassismus zu sensibilisieren und eine kritische Auseinandersetzung zu ermöglichen.

Rassismus zu thematisieren gehört zum Bildungsauftrag

„Die AfD versucht gegenwärtig den Eindruck zu erwecken, Schule und LehrerInnen hätten politisch neutral zu sein“, so Schedler. Doch das stimme nicht. Kontroverse Positionen können als gleichberechtigte Stimmen im demokratischen Diskurs anerkannt werden, solange sie mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Einklang stehen. „Verletzende Äußerungen und rassistische Haltungen dürfen nicht nur, sondern müssen von Lehrkräften als antidemokratisch kritisiert werden“, so Fereidooni weiter.

Sowohl die Lehrerin als auch die Organisatoren des Projektes haben breite Rückendeckung seitens der Fakultät für Sozialwissenschaft, von der Professional School of Education, vom Leitungsteam des SchülerInnenlabors, der Unileitung als auch durch die Schulleitung und der Bezirksregierung erfahren. „Alle LehrerInnen sollen wissen, dass es nicht nur ihr Recht ist, menschenfeindliche und rassistische Positionen der AfD zu thematisieren, sondern dass dies explizit zu ihrem demokratischen Bildungsauftrag gehört“, so Fereidooni und Schedler in der veröffentlichen Pressemitteilung.