Ramadan

Diskussion über Fasten von Jugendlichen

Kinderärzte warnen muslimische Eltern davor, Kinder im Ramadan fasten zu lassen. Der Islamrat empfiehlt muslimischen Jugendlichen ab der Pubertät das Fastengebot einzuhalten.

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05
2018
Symbolbild: Religiosität muslimischer Jugendlicher. © shutterstock
Symbolbild: Religiosität muslimischer Jugendlicher. © shutterstock

Auch in diesem Jahr wird vor Beginn des Fastenmonats Ramadan kontrovers diskutiert, ob muslimische Kinder und Jugendliche fasten sollten oder nicht. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt davor Kinder im Ramadan fasten zu lassen und appelliert an muslimische Eltern sich an diese Empfehlung zu halten. Insbesondere der Verzicht auf Flüssigkeit bei hohen Temperaturen sei gesundheitsschädlich, meint hat an muslimische Eltern appelliert, ihre Kinder im Ramadan nicht fasten zu lassen. Aus medizinischer Sicht sei das Fasten für Kinder und Jugendliche schädlich, meint Verbandspräsident Thomas Fischbach.

Auch der Verband Bildung und Erziehung rät Kindern ab im Ramadan zu fasten. „Wir akzeptieren die Ausübung religiöser Pflichten. Grundschulkinder jedoch müssen nicht fasten und sie sollten es auch nicht“, sagte der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, am Montag in Berlin.

Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann appelliert an Muslime auf die Gesundheit ihrer Kinder zu achten. „Auch jugendlichen Muslimen ist es unbenommen, im Ramadan zu fasten“, sagte die CDU-Politikerin. „An erster Stelle muss aber die Gesundheit des Kindes stehen. Besonders bei Grundschulkindern sehe ich hier die Eltern in der Pflicht. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass ihre Kinder den Fastenmonat gesund erleben können“, sagte Eisenmann mit Blick auf die Eltern. „Dann leidet auch nicht die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit in der Schule.“

Islamrat empfiehlt Fasten für Jugendliche

Letztes Jahr veröffentlichte der Islamrat eine Broschüre anlässlich des Fastenmonats Ramadan. Darin wird Jugendlichen ab der Pubertät empfohlen das Fastengebot auch in der Schule einzuhalten. Das Gebot des Fastens sei für alle gesunden Muslime bindend, die in die Pubertät eingetreten sind, heißt es in der Broschüre. Jugendliche würden nach islamischem Recht als mündig im religiösen Sinne angesehen. Vom Fastengebot ausgenommen seien nur Reisende, Kranke und Schwangere. Wer schwer körperlich arbeiten müsse, könne das Fasten aussetzen und es später nachholen.
Für Schüler nennt die Broschüre Ausnahmen vom Fasten nur für Klassenfahrten und ähnliche Reisen. Für den Sportunterricht appelliert der Islamrat an die Verantwortlichen, Kompromisslösungen zu finden. Einerseits sollten die fastenden Schüler nicht benachteiligt, andererseits der Sportunterricht nicht vernachlässigt werden, heißt es in dem Schreiben.

Wichtige Schulprüfungen sind nach Ansicht des Islamrats kein hinreichender Grund, das Fasten zu unterbrechen. Die Broschüre verweist darauf, dass Prüfungen in der Regel am Vormittag stattfänden und die Schüler dann durch das religiös gebotene Essen und Trinken vor Sonnenaufgang noch hinreichend gestärkt seien. Besteht tatsächlich eine gesundheitliche Gefährdung könne das Fasten jedoch ausgesetzt und nach dem Ramadan nachgeholt werden.

Das Fasten von Jugendlichen dürfe allerdings keineswegs erzwungen werden. Eltern, Religionsgemeinschaft und Schule könnten lediglich Empfehlungen aussprechen, die Entscheidung liege letztlich beim mündigen Muslim. (dpa/KNA/iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
"Der Islamrat empfiehlt muslimischen Jugendlichen ab der Pubertät das Fastengebot einzuhalten." Ich empfehle allen, im Ramadan nicht zu fasten. Religiöse Rituale sollten nicht einfach unreflektiert von Generation zu Generation übertragen werden, sondern sind immer kritisch hinsichtlich ihrer Sinnhaftigkeit zu hinterfragen. Nach der antiken griechischen Religion wurden dem Gott Äskulap jahrhundertelang Hähne geopfert, wovon man sich Heilung von Krankheiten versprach. Heute sind sich alle bewusst, dass diese Opferriten zwecklos und eine reine Zeitverschwendung waren. Ich hoffe, dass viele Muslime hinsichtlich des Ramadans bald zu derselben Erkenntnis gelangen. Der Ramadan wirkt nur abschottend, sozialen Nutzen kann ich keinen erkennen. Ich würde es viel schöne finden, wenn die frei werdenden Kräfte dafür genützt würden, sich um Alte und Kranke zu kümmern.
14.05.18
12:39
Johannes Disch sagt:
Muslimische Eltern sollten hier unbedingt auf die Ärzte hören und nicht auf irgend welche islamische Institutionen a la "Islamrat" & Konsorten. Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist wichtiger als jeder religiöse Ritus.
14.05.18
18:36
Sven Anatoli sagt:
Der sog. Islamrat kann sich ja selber irgendwelche Empfehlungen geben, aber irgendwie bindende Empfehlungen vor allem für Kinder und Jugendliche unterlassen. Dann erübrigen sich auch langatmige Diskussionen, die keiner braucht. Wieso sollten auch ein paar dominierende Leute bestimmen, was für alle anderen zu gelten habe?
14.05.18
21:48
Frederic Voss sagt:
Das Oberverwaltungsgericht Münster entschied am 09.11.2017 letztinstanzlich: "Islamverbände" stellen keine Religionsgemeinschaft als Rechtssubjekt dar. Die Richter bezweifelten vor allem, ob solche Dachverbände wie der "Islamrat" über eine ausreichende Lehrautorität verfügen. Somit sind die religiösen Empfehlungen dieser Verbände sowieson ohne bindende Kraft oder Verbindlichkeit. Islamische Rechtskonstruktionen haben in Deutschland keine juristische Relevanz.
14.05.18
23:00
Mohammad Al-Faruqi sagt:
Ramadan Karim!
15.05.18
20:34
Andreas B sagt:
Aus welcher Not heraus wurde denn diese Empfehlung von den Kinderärzten gegeben? Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass auch muslimische Eltern auf das Wohl ihrer Kinder achten. Gab es denn in der Vergangenheit massenhaft Kinder, die gefastet haben (ohne dazu verpflichtet zu sein!) und deswegen reihenweise umgekippt sind?
16.05.18
10:18
Johannes Disch sagt:
@Andreas B (16.05.18, 10:18) Das Fasten gehört zu den "5 Säulen" des Islam, ist für Muslime also ein wesentliches bzw. unverzichtbares Element der Religionsfreiheit. Nein, "Andreas B", es sind keine Fälle bekannt, dass Kinder im Ramadan massenwese umgekippt sind vor Erschöpfung. Es gab einige Einzelfälle, aber es war kein Massenphänomen. Und richtig: Die meisten Eltern achten auf ihre Kinder, auch im Ramadan. Man sollte aus diesem für Muslime selbstverständlichen Ritus kein neues Problem konstruieren.
17.05.18
11:59
Mohammad Al-Faruqi sagt:
So viele Artikel über das Fasten wie während der christlichen Fastenzeit dieses Jahres, habe ich in keinem Jahr zuvor wahrgenommen. Die Frauenzeitschrift BRIGITTE stellte schon im Januar ein 12-Tage-Programm zum Heilfasten vor und berichtete später über verschiedene Formen des Teilzeit-Fastens. SPIEGEL-online stellte die wichtigsten Artikel der Februar-Ausgabe des SPIEGEL-Magazins WISSEN ins Netz, die ganz dem Thema „Gesund durch Fasten“ gewidmet ist. SPIEGEL-TV machte die deutsche Fassung eines BBC-Films zugänglich, in dem der britische Arzt und Journalist Michael Mosley bereits 2012 die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Fasten zusammengetragen und im Selbstversuch erprobt hatte. Auch deutsche Fernsehanstalten berichteten in Talkshows und Gesundheitssendungen über die unterschiedlichen Weisen des Fastens. Fabel und Co. wird das sicherlich nicht jucken. Fasten ist "in". Aber wenn Muslime fasten, dann ist das "out". Honi soit qui mal y pense - Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Am Mittwoch, den 16. Mai 2018, begann in diesem Jahr der islamische Fastenmonat Ramadan. Für die Muslime weltweit bedeutet der neunte Monat des islamischen Mondkalenders eine große Zeit der Freude und spirituellen Achtsamkeit. So wünschen sich Muslime schon zu Beginn des Monats einen „Gesegneten Ramadan“, bevor am 15. Juni 2018 mit dem Fest des Fastenbrechens (arabisch: Eid ul-Fitr) dessen Ende begangen wird. Viele muslimische Jugendliche bemühen sich bereits den ganzen Ramadan zu fasten, obwohl sie noch nicht dazu verpflichtet sind. Neben der religiösen Pflicht, der Fähigkeit zum rituellen Fasten (arabisch: As-Siyaam) und der geistigen und körperlichen Reife, empfinden junge Muslime das Fasten als schöne Herausforderung auf dem Weg ihres Erwachsenwerdens und als Verbundenheit mit den Geboten ihrer Religion. Viele Kinder haben immer schon in spielerischer Weise mit ihren Eltern einige Stunden bzw. Tage auf Essen und Trinken verzichtet und sich so an das später verpflichtende Fasten im Ramadan herangetastet. Das Fasten ist eine der fünf Säulen des Islam und stellt eine wichtige rituelle Handlung dar. Aus der Sicht eines Muslims ist es eine einzigartige religiöse Handlung, die einen sehr persönlichen Bezug zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer herstellt, weil das Fasten von außen durch Dritte nicht beurteilbar ist. Für jeden Fastenden besteht schließlich die Möglichkeit im Verborgenen zu trinken und zu essen. Doch das Fasten alleinig auf den Verzicht von Nahrungsmitteln zu reduzieren, ist viel zu kurz gedacht. Die spirituelle Dimension steht für den Fastenden im Vordergrund. Fasten ist im Islam ein wichtiges Mittel, um Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle zu erlangen. Eine bekannte Überlieferung des Propheten des Islam (arabisch: Hadith) zum Fasten lautet: „Wer das rituelle Fasten im Ramadan mit fester Überzeugung (arabisch: Imaan) und nur ALLAH gewidmet vollzieht, dem werden seine vergangenen Sünden getilgt.“ (Authentische Hadithsammlung von Buchari und Muslim). Der Fastentag beginnt mit der Morgendämmerung (zurzeit ca. 4 Uhr) und endet mit dem Sonnenuntergang (ca. 21 Uhr). In dieser Zeit wird u.a. auf Essen und Trinken verzichtet. Das mag an Stundenzahl zunächst viel erscheinen, ist aber vor allem Gewöhnungs- und Kopfsache und viele Muslime haben bereits den Monat zuvor mit einer Reihe von Fastentagen begonnen. Außerdem zeigt eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien, welche gesundheitlichen Vorteile das Fasten bietet. Die bisweilen pauschale Verurteilung des islamischen Fastens ist also vollkommen unangebracht und birgt nicht selten ein „Geschmäckle“ der Islamfeindschaft in sich. Die Sorge einiger Mitmenschen um das Wohlergehen von Fastenden, insbesondere der jugendlichen, ist herzbewegend. Diesen sei versichert, dass auch muslimische Eltern das Wohl ihrer Kinder sehr ernst nehmen. Unsere nicht-muslimischen Mitbürger sollten aber nicht generell besorgt sein. Fastende sind z.B. dazu angehalten vor dem Morgengrauen gesund zu frühstücken (arabisch: Suhur) und ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Sollte aufgrund z.B. des Wetters oder der allgemeinen Kondition ein Schüler oder eine Schülerin sich nicht in der Lage sehen zu fasten, so kann daran erinnert werden, dass es in seiner/ihrer eigenen Verantwortung und individuellen Entscheidung liegt, das Fasten auszusetzen. Insbesondere wenn ein physischer Schaden befürchtet wird, hilft auch der Hinweis, dass der Fastentag nachgeholt werden kann. Ausgenommen von der Pflicht zum Fasten sind alte Menschen, chronisch Kranke, Kinder, Reisende, Menstruierende, Schwangere und Stillende. Im Quran heißt es in der 23. Sure, Vers 62: „Wir erlegen jedem Menschen nur das auf, was er [zu tragen] vermag.“ Nach dem gemeinschaftlichen Fastenbrechen (arabisch: Iftar), nehmen viele Muslime an den gemeinschaftlichen, zusätzlichen nächtlichen Ramadan-Gebeten (arabisch: Tarawih) in der Moschee teil. Der Fastenmonat Ramadan ist für Muslime in erster Linie ein Monat der spirituellen Einkehr, des Gebets und der Gemeinschaft. Und eines sollte man nicht vergessen: Fastenzeiten gibt es in allen Religionen und Weltanschauungen. Darum soll zum Schluss auf diesen Gedanken aus dem 4. Jahrhundert von Johannes von Antiochien, Kirchenlehrer und Patriarch von Konstantinopel hingewiesen werden: „Das Fasten ist die Speise der Seele. Wie die körperliche Speise stärkt, so macht das Fasten die Seele kräftiger und verschafft ihr bewegliche Flügel, hebt sie empor und lässt sie über himmlische Dinge nachdenken.“ Nur sehr wenige praktizierende Muslime werden dieser klugen Einsicht widersprechen. Allen Muslimen und dem ISLAMIQ-Team wünsche ich einen gesegneten Ramadan und Hayirli Ramazanlar!
17.05.18
12:40