Opferfest

Warum Muslime opfern

Das Opferfest steht vor der Tür. Doch warum schächten Muslime am Opferfest? Welche Bedeutung und Historie diesem Gottesdienst zugrunde liegt, erläutert Sebahat Özcan.

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08
2017
Maqam Ibrahim nahe der Kaaba © auf madrasah.de, bearbeitet IslamiQ
Maqam Ibrahim nahe der Kaaba © auf madrasah.de, bearbeitet IslamiQ

Abraham (a) trägt als einziger Prophet den Beinamen „Halîlullâh“ („Freund Allahs“). Auch wird er aufgrund seiner Gottergebenheit immer wieder als ein Vorbild bezeichnet. Im Koran heißt es: „Ihr habt bereits ein vortreffliches Beispiel an Abraham […]“.

Die Geschichte Abrahams (a) ist den Buchreligionen weitestgehend bekannt: Abraham (a) bittet seinen Schöpfer eingehend um Nachkommenschaft und verspricht, dass er sein Kind für Allah opfern würde, sofern er eins bekommt. Abrahams Bitte bleibt nicht unbeantwortet. Er bekommt einen Sohn, der so sanftmütig ist wie er selbst. Jahre vergehen und sein Sohn Ismael (a) wird älter. Durch einen Traum wird Abraham an sein Versprechen erinnert. Gott erwartet von ihm, seinen Sohn zu opfern. Sowohl Abraham als auch sein Sohn zögern nicht, das Verlangte zu tun. „Mein Vater! Tu, wie dir geboten ist. Du wirst mich, wenn Gott es so will, unter jenen finden, die geduldig in Widrigkeit sind.“ (Sure Saffat, 37:102) Weiter heißt es: „Aber sobald die beiden sich ergeben hatten (dem, was sie dachten, es sei) der Wille Gottes, […] riefen wir zu ihm aus: O Abraham, du hast schon (den Zweck) jenes Traumgesichts erfüllt.“

Wer selbst Kinder hat, wird wissen, wie sehr es die Eltern belastet, wenn sie krank sind, hinfallen oder weinen. Allein der Gedanke, dass ihnen etwas zustoßen könnte, ist für viele unerträglich belastend. Das muss man sich vor Augen führen. Die Reaktion Abrahams sowie seines Sohnes sind interessant. Sie zögern nicht. Es ist, als würde Abraham sagen: „Das mir liebste auf Erden ist mir lange nicht so lieb wie du es mir bist.“ Und die beiden bekommen ein Opfertier, das sie stattdessen schlachten können.

Das Schächten bedeutet für Muslime also nicht, dass man jährlich ein Tier schlachten lässt und dessen Fleisch einfach an Bedürftige verteilt, nein, es ist eine Zeit intensiver Reflektion über sich selbst, seine Werte und Opferbereitschaft Allah gegenüber. Abraham war bereit für das Wohlgefallen Gottes das ihm Liebste zu opfern. Man fragt sich, was einem selbst das Liebste auf Erden ist und reflektiert, ob dieses Etwas einem lieber ist, als das Wohlgefallen Gottes. „Würde ich mein Hab und Gut aufgeben, wenn es nötig wäre?“, „Würde ich meinen Erfolg und Ruhm aufgeben, wenn es nötig wäre?“, „Was ist mein persönlicher Ismael?“, sind Fragen mit denen man sich in dieser Zeit auseinandersetzt. Hier soll der Mensch reflektieren, worauf er selbst am meisten Wert legt und ob er diese Dinge für Gott zu opfern bereit wäre, wenn es nötig ist. Die Erleichterung liegt darin, dass Gott eine „theoretische“ Bereitschaft genügt. Es ist eine Bewusstwerdung der Werte und Möglichkeit über sich selbst Rechenschaft abzulegen. Das Tier, dass man symbolisch opfert, erinnert daran und ist gleichzeitig ein Dank, dass man eben nicht Opfer bringen muss, wie Abraham es zu tun bereit war.

Die Bereitschaft Abrahams und Ismaels erinnert an diesen Vers: „Aber es gibt (auch) eine Art Mensch, der willig sich selbst verkaufen würde, um Gott wohlzugefallen, und Gott ist höchst mitfühlend gegen seine Diener.“ Wörtlich übersetzt würde es heißen: „Es gibt einen solchen, der sich selbst aus einem Verlangen nach Gottes Wohlgefallen verkaufen würde“, d. h. er würde all seine persönlichen Interessen aufgeben, wenn die Befolgung von Gottes Willen dies verlangen würde.

Dieser Koranvers wurde niedergesandt, nachdem ein Prophetengefährte namens Suhayb b. Rûmî (r), sein gesamtes Hab und Gut in Mekka zurückgelassen hat, nur um zum Propheten nach Medina gelangen zu können. Die damaligen Mekkaner hatten gehofft, ihn an seiner Ausreise aufhalten zu können, wenn sie ihm die Bedingung stellen, dass er nichts mitnehmen kann. Suhaybs Sehnsucht nach dem Propheten war aber größer als sein materieller Reichtum, und somit zögerte er nicht und willigte ein. Er fand seine Erfüllung darin. So verhält es sich mit vielen Muslimen, die Erfüllung darin finden, Pflichten nachzugehen, die für Außenstehende vielleicht als Last empfunden werden.

Leserkommentare

Dilaver sagt:
Es ist entlarvend, dass sich kaum jemand darüber aufregt, wenn Millionen von Tieren auf qualvolle Weise lebendig auf dem Laufband landen, um am anderen Ende als verpacktes Fleisch herauszukommen, jedoch ein riesen Aufschrei gemacht wird, wenn für Gott einmal im Jahr ein paar Schafe geschlachtet werden, von deren Fleisch vor allem die Armen profitieren. Tierschutz ist hier nur vorgeschoben. Die wahre Motivation der Aufschreier ist Religionsfeindlichkeit. Und Religionsfeindlichkeit hat keine Existenzberechtigung.
05.09.17
16:49
Charley sagt:
@Dilaver: Wenn man ihre Postings liest, so bestehen sie zumeist aus Behauptungen, Beschimpfungen Andersdenkender und entbehren fast immer einer sachlichen Grundlage. Sie sitzen in ihrem Sektenparadies und reden für sich. Darum nimmt Sie hier auch kaum jemand mehr irgendwie ernst. Viel Spaß noch Ihnen in ihrer Rolle!
06.09.17
20:54
Ute Fabel sagt:
@Dilaver: "Die wahre Motivation der Aufschreier ist Religionsfeindlichkeit. Und Religionsfeindlichkeit hat keine Existenzberechtigung." In unserer pluralistischen Gesellschaft ist es legitim, antikommunistisch eingestellt zu sein. Jedem steht es auch frei, z.B. der FDP und ihrem Parteiprogramm oder jeder anderen Partei feindlich eingestellt zu sein. Warum soll dann Religionsfeindlichkeit dann keine Existenzberechtigung haben? Ich stehe selbstbewusst dazu, dass ich Geisteshaltungen völlig ablehnend gegenüberstehe, die nur auf angeblichen Offenbarungen selbst erklärter Propheten beruhen. Das höchst fragwürdige Erfolgsgeheimnis der Religionen ist außerdem die Frühkindindoktrination. Durch die moderne Astronomie wissen wir, dass das Universum aus Hunderten Milliarden Galaxien besteht. Schafe opfern für einen angeblichen Gott, der sich darüber freuen soll, finde ich in Anbetracht dieser Erkenntnisse einfach nur lächerlich und kleingeistig.
07.09.17
12:31
gregek sagt:
@ Dilaver als islamistischer Zögling aus dem erdowahnschen Stall erachten Sie alles als wissenschaftlich, was Ihrem Wunschdenken Nahrung gibt. In Deutschland sind, Gott sein Dank, die Schächtungsregeln arg limitiert, in anderen europäischen Ländern sogar ganz verboten. Wenn Sie und andere Ihrer Glaubensbrüder unsere Gesetze hier missachten, empfehle ich Ihnen der Reisewarnung von Ihrem Führer Folge zu leisten und dieses Land hier schnellst möglich zu verlassen. Sie zeigen nicht nur Verachtung für andere Kulturen, sondern ignorieren schlichtweg zugleich die Gesetze anderer Land. Man könnte fast zu dem Schluss kommen, Sie betreiben hier ein Wahlkampfkampagne im Auftrag der AFD
09.09.17
18:30
Mohamed sagt:
Die Prüfung Abrahams durch Gott ist hier zentral und zwar stellt Gott Abraham auf die Probe. Die radikalste Glaubensprüfung mit der Forderung seinen Sohn zu opfern Abraham besteht die Prüfung und sein Sohn wird verschont, Abraham erhält ein Ersatzopfer. Jedoch ist dem Koran nicht eindeutig zu entnehmen, welcher Sohn überhaupt geopfert werden sollte, daher vertrat z. B. der berühmte sunnitische Koranexeget und Historiker at Tabari, der im 8-9 Jahrhundert lebte, die Ansicht, dass es bei dem Sohn um Isaak handeln würde.
21.08.18
1:25
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