Martin Luther

EKD distanziert sich von Islamkritik

Die EKD setzt sich mit islamkritischen und abgrenzenden Aussagen des Reformators Martin Luther auseinander, und plädiert für eine Vertiefung des Dialoges zwischen der evangelischen Kirche und den Muslimen.

27
06
2016
Heinrich Bedford-Strohm
EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm © ELKB/vonwegener.de, bearbeitet IslamiQ

Auf ihrer EKD-Konferenz für Islamfragen distanzierte sich die Evangelische Kirche Deutschland von der Islamkritik und der Abgrenzungsrhetorik von Martin Luther. In einem auf der Konferenz präsentierten Paper mit dem Titel „Reformation und Islam“, nahm die Religionsgemeinschaft ausführlich Stellung zu diesem Thema. Darin steht, dass das Verhältnis zwischen Islam und evangelischer Kirche neu definiert und geprägt werden müsse, wie „idea.de“ berichtet.

Von den fünf Kernprinzipien der Reformation, müsse speziell das Prinzip „solus Christus“ (allein Christus) dahingehend hinterfragt werden, „wie die darin zum Ausdruck gebrachte Exklusivität Jesu Christi in einer religiös-pluralen Gesellschaft so zum Ausdruck gebracht werden kann, daß sie im Dialog nicht als anmaßend oder überheblich wahrgenommen wird“, so die Religionsgemeinschaft

Die Ansichten des Reformators Martin Luther über den Islam seien aus heutiger Sicht überholt, undifferenziert und schlichtweg polemisch. Dieser hatte sich vor allem im Rahmen der Invasionspolitik des osmanischen Reiches in Europa mehrfach islamkritisch geäußert.

Gerade vor dem Hintergrund des interreligiösen Dialoges zwischen der EKD und den Muslimen in Deutschland, müsse man sich von diesen Ansichten distanzieren, da sie „in einer deutlichen Spannung zu gegenwärtigen dialogischen Ansätzen, die dem Selbstverständnis und der Eigenständigkeit des muslimischen Glaubenszeugnisses Respekt und Achtung entgegenbringen möchten“ stünden.

Dennoch hält sich die EKD vor, nach wie vor Fehlentwicklung innerhalb der muslimischen Religionsgemeinschaft weiterhin zu benennen und zu problematisieren.

Die Stellungnahme wurde vor dem Hintergrund der Vorbereitungen für das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017 veröffentlicht.

Leserkommentare

Horst sagt:
Das unterscheidet eben Christen von Muslimen. Christen können jederzeit ihre Lehre an neue Gegebenheiten anpassen, während Muslime dies nicht können, da deren Grundlage, der Koran, als Gottes unverfälschtes und unmittelbares Wort gilt. Auch die Hadithe sind unverrückbar, da das, was Mohamed gesagt und getan hat, fast auf der gleichen Stufe steht, wie der Koran selbst. Daher bewegen sich auch lediglich die Christen auf die Muslime zu, während die Muslime fest bei ihren Positionen verharren. Auf diese Weise entfernen Christen sich von ihrer anmaßenden Haltung, dass man allein durch Jesus zu Gott kommen kann, während Muslime dabei bleiben, dass einzig der Islam zu Gott führt. Letztlich ist also ein Dialog mit Muslimen gar nicht möglich.
27.06.16
15:41
Manuel sagt:
Der Dogmatismus in der Islamischen Welt ist derzeit wirklich nicht mehr zu überbieten, Christen und Juden haben im laufe ihrer Geschichte Lehrmeinungen und Dogmen immerwieder hinterfragt und manche sogar abgeschafft oder geändert. Der Islam hingegen verlangt ständig. die anderen müssten sich anpassen und wenn man islamische Gesellschaftsordnung nicht will, dann wird wieder laut Diskriminierung geschrien.
28.06.16
11:23