Rechtsextremismus

Weiteres Opfer von Hanau an den Folgen des rassistischen Attentats gestorben

Sechs Jahre nach dem Anschlag von Hanau ist Ibrahim Akkuş an den Folgen der Tat gestorben – und mit ihm bleiben offene Fragen zu Verantwortung und Aufarbeitung.

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2026
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Hanau - Mahnmal
Erinnerung an Opfer des Anschlags in Hanau © Facebook, bearbeitet by iQ

Er hatte den rassistischen Anschlag vom 19. Februar 2020 in Hanau schwer verletzt überlebt – nun ist Ibrahim Akkuş im Alter von 70 Jahren gestorben, wie die Stadt Hanau mitteilte. Sein Tod macht erneut deutlich, dass die Folgen des rassistischen Terrors nicht mit dem Tag der Tat endeten. Akkuş lebte fast sechs Jahre mit schwersten körperlichen und seelischen Verletzungen, die sein Leben nachhaltig zerstörten.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) erklärte, man verliere mit seinem Tod einen Menschen, dessen Leben durch den Anschlag „auf grausame Weise zerstört“ worden sei. Zugleich wirft der Tod von Ibrahim Akkuş erneut Fragen auf – nicht nur nach dem individuellen Leid, sondern nach der Verantwortung von Stadt, Land und Bund. Bis heute sind zentrale Aspekte des Anschlags und seines behördlichen Umgangs unzureichend aufgearbeitet. Angehörige kritisieren seit Jahren fehlende Transparenz, schleppende Ermittlungen und politische Konsequenzlosigkeit.

Hanau endet nicht am Tag der Tat

Am 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Deutscher aus rassistischen Motiven neun Menschen ermordet, bevor er seine Mutter und sich selbst tötete. Ibrahim Akkuş wurde in der Arena-Bar in Hanau-Kesselstadt schwer angeschossen. Er überlebte, musste jedoch monatelang im Krankenhaus behandelt und mehrfach operiert werden. Infolge der Schussverletzungen war er auf einen Rollstuhl angewiesen und zuletzt kaum noch in der Lage, sein Krankenbett zu verlassen. Über Jahre hinweg pflegten seine Frau und seine Tochter ihn unter großen körperlichen, emotionalen und finanziellen Belastungen.

Kaminsky erklärte, das Schicksal von Akkuş sei „Mahnung und Auftrag zugleich“. Doch für viele Betroffene und Unterstützer bleibt diese Mahnung bislang folgenlos. Noch immer sind Fragen offen: nach dem Versagen von Sicherheitsbehörden, nach dem Umgang mit bekannten Gefährdungslagen, nach rassistischen Strukturen in Institutionen – und nach echter Verantwortung über Worte hinaus.

Der Tod von Ibrahim Akkuş steht damit auch für ein strukturelles Versagen. Er erinnert daran, dass Erinnerungspolitik allein nicht ausreicht, solange Konsequenzen, lückenlose Aufklärung und nachhaltige Unterstützung der Betroffenen ausbleiben. (dpa/iQ)