GROSSBRITANNIEN

Studie: Britische Muslime spenden viermal so viel wie der Durchschnitt

Muslime in Großbritannien gehören laut einer neuen Studie zu den großzügigsten Spendern im Land. Ihre Spenden tragen wesentlich zur sozialen Versorgung bei, während muslimische Hilfswerke mit Finanzhürden konfrontiert sind.

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2026
Symbolbild: Zakat, Finanzierung
Symbolbild: Zakat © by epSos .de auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Einer aktuellen Studie zufolge gehören Muslime in Großbritannien zu den großzügigsten Spendergruppen im Vereinigten Königreich. Nach Angaben des Thinktanks Equi spendet die muslimische Gemeinschaft jährlich schätzungsweise 2,2 Milliarden Pfund (rund 2,6 Milliarden Euro) für wohltätige Zwecke – etwa viermal so viel wie der Durchschnitt der erwachsenen Bevölkerung.

Der Bericht mit dem Titel „Building Britain: British Muslims Giving Back“ untersucht das Spendenverhalten britischer Muslime im In- und Ausland. Demnach fließt ein großer Teil der Gelder weiterhin in internationale humanitäre Hilfe. Gleichzeitig sieht die Studie ein bislang ungenutztes Potenzial für stärkere Unterstützung sozialer Projekte innerhalb Großbritanniens.

Die Spendenpraxis ist eng mit islamischen Prinzipien verbunden. Dazu zählt die verpflichtende Almosensteuer Zakat in Höhe von 2,5 Prozent des überschüssigen Vermögens sowie freiwillige Spenden (Sadaqa). Zakat macht laut Studie bis zu 40 Prozent der Einnahmen muslimischer Hilfsorganisationen aus.

Obdachlosigkeit und Armut im Fokus

Die Analyse basiert auf Umfragen, Interviews mit Verantwortlichen von Hilfswerken sowie Sektorstudien. Für das Jahr 2023/24 wird geschätzt, dass rund die Hälfte der spendenden Muslime plant, ihre Beiträge weiter zu erhöhen. Besonders einkommensstarke Muslime mit Jahreseinkommen zwischen 75.000 und 99.000 Pfund spenden demnach deutlich mehr als vergleichbare Gruppen in der Gesamtbevölkerung.

Während internationale Hilfe weiterhin überdurchschnittlich hoch bleibt, zeigt sich laut Bericht ein Wandel bei jüngeren Generationen. Vor allem junge britische Muslime engagieren sich zunehmend für lokale Themen wie Obdachlosigkeit, Ernährungsarmut und Kinderarmut. Umfragen des Instituts Savanta zufolge liegen ihre Spenden für Gesundheits- und psychische Hilfsangebote rund zehn Prozent über dem nationalen Durchschnitt.

Kein Bankkonto wegen Misstrauen

Gleichzeitig benennt der Bericht Herausforderungen wie fehlende staatliche Anerkennung, eingeschränkten Zugang zu Finanzdienstleistungen und eine Stigmatisierung muslimischer Organisationen. Equi empfiehlt unter anderem eine stärkere Einbindung religiöser Wohlfahrtsverbände in die Sozialpolitik sowie besseren Schutz vor dem Ausschluss vom regulären Bankensystem aus Misstrauen.

Leserkommentare

grege sagt:
der Artikel über das hohe Spendenaufkommen britischer Muslime verweist auf eine an sich erfreuliche Tatsache: Gemeinnütziges Engagement und Solidarität sind gesellschaftlich wünschenswert und verdienen Anerkennung – unabhängig davon, aus welchem religiösen oder weltanschaulichen Kontext sie stammen. Entscheidend ist jedoch nicht nur der Inhalt einer Meldung, sondern auch ihr Absender und die Art der Einbettung. Das Portal IslamiQ, das den Artikel verbreitet, gilt als IGMG-nah. Diese Nähe wirft Fragen auf, da die IGMG historisch aus einem politischen Milieu hervorgegangen ist, das durch islamistische und antisemitische Positionen geprägt war. Auch wenn heutige Akteure sich davon distanzieren mögen, bleibt dieser Hintergrund für die Einordnung relevant. Problematisch ist weniger die zitierte Studie selbst – sie stammt nicht von IslamiQ –, sondern die selektive Diskursführung: Positive Statistiken werden stark hervorgehoben und kulturell oder religiös aufgeladen, während belastende Befunde wie die Überrepräsentanz bestimmter Gruppen im Strafvollzug oder das Extremismus- und Terrorismusproblem entweder verschwiegen oder konsequent auf sozioökonomische Faktoren reduziert werden. Methodisch ist diese Asymmetrie nicht überzeugend. Wer positive Entwicklungen religiös-kulturell erklärt, sollte auch bereit sein, problematische Phänomene offen und ohne Relativierung zu diskutieren. Andernfalls entsteht der Eindruck interessengeleiteter Moralstatistik, die weniger zur Aufklärung als zur Polarisierung beiträgt. Gerade im Interesse einer glaubwürdigen Berichterstattung und eines ehrlichen gesellschaftlichen Dialogs wäre eine konsequente Quellenkritik und Kontextualisierung wünschenswert.
07.01.26
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