Eine der letzten Synagogen im einst jüdisch geprägten East End von London steht vor dem Verkauf an eine muslimische Gemeinde. Noch ist unklar, ob das Gebäude als Gotteshaus erhalten bleibt oder umgewidmet wird.

Eine der letzten historischen Synagogen im Londoner East End steht vor einem möglichen Verkauf an eine muslimische Gemeinde. Die leerstehende East London Central Synagogue, auch Nelson-Street-Synagoge genannt, könnte zu einem islamischen Gebets- und Gemeindezentrum werden, wenn eine benachbarte Gemeinde die nötigen Mittel aufbringt.
Das zweistöckige Backsteingebäude aus dem Jahr 1923 gehört der orthodoxen Federation of Synagogues. Diese hatte beschlossen, die seit der Pandemie ungenutzte Synagoge aufzugeben und Erlöse dort einzusetzen, wo heute die meisten ihrer Mitglieder leben. Während der Corona-Zeit war ein Teil der Decke herabgestürzt, seither ist das Gebäude geschlossen.
Die überwiegend somalisch geprägte muslimische Gemeinde Ashaadibi hat bereits eine Kaution von umgerechnet rund 287.000 Euro hinterlegt. Bis Oktober müssen nach Angaben aus Gemeindekreisen knapp vier Millionen Euro für Kauf und Renovierung gesammelt werden. Parallel läuft ein Antrag auf Denkmalschutz, der klären soll, in welchem Umfang die historische Innenausstattung erhalten bleiben muss.
Die Nelson-Street-Synagoge ist eines der letzten als Synagoge errichteten jüdischen Gotteshäuser im East End, wo sich einst bis zu 200.000 jüdische Einwanderer aus Osteuropa ansiedelten. Heute werden in der Gegend nur noch drei Synagogen genutzt. Die Umgebung ist inzwischen stark durch jüngere Einwanderungsgruppen, vor allem aus Bangladesch und Somalia, und muslimisches Leben geprägt.
Der frühere Gemeindevorsteher Leon Silver äußerte gegenüber der „Jüdischen Allgemeinen“ die Hoffnung, dass sich noch eine alternative Nutzung findet. Denkbar sei etwa ein Museum zur jüdischen Geschichte des East End mit gelegentlichen religiösen Feiern. Andernfalls würde erneut eine frühere Synagoge in London zur Moschee werden – ein Wandel, der in mehreren Stadtteilen bereits stattgefunden hat.