Muslime in Großbritannien gehören laut einer neuen Studie zu den großzügigsten Spendern im Land. Ihre Spenden tragen wesentlich zur sozialen Versorgung bei, während muslimische Hilfswerke mit Finanzhürden konfrontiert sind.

Einer aktuellen Studie zufolge gehören Muslime in Großbritannien zu den großzügigsten Spendergruppen im Vereinigten Königreich. Nach Angaben des Thinktanks Equi spendet die muslimische Gemeinschaft jährlich schätzungsweise 2,2 Milliarden Pfund (rund 2,6 Milliarden Euro) für wohltätige Zwecke – etwa viermal so viel wie der Durchschnitt der erwachsenen Bevölkerung.
Der Bericht mit dem Titel „Building Britain: British Muslims Giving Back“ untersucht das Spendenverhalten britischer Muslime im In- und Ausland. Demnach fließt ein großer Teil der Gelder weiterhin in internationale humanitäre Hilfe. Gleichzeitig sieht die Studie ein bislang ungenutztes Potenzial für stärkere Unterstützung sozialer Projekte innerhalb Großbritanniens.
Die Spendenpraxis ist eng mit islamischen Prinzipien verbunden. Dazu zählt die verpflichtende Almosensteuer Zakat in Höhe von 2,5 Prozent des überschüssigen Vermögens sowie freiwillige Spenden (Sadaqa). Zakat macht laut Studie bis zu 40 Prozent der Einnahmen muslimischer Hilfsorganisationen aus.
Die Analyse basiert auf Umfragen, Interviews mit Verantwortlichen von Hilfswerken sowie Sektorstudien. Für das Jahr 2023/24 wird geschätzt, dass rund die Hälfte der spendenden Muslime plant, ihre Beiträge weiter zu erhöhen. Besonders einkommensstarke Muslime mit Jahreseinkommen zwischen 75.000 und 99.000 Pfund spenden demnach deutlich mehr als vergleichbare Gruppen in der Gesamtbevölkerung.
Während internationale Hilfe weiterhin überdurchschnittlich hoch bleibt, zeigt sich laut Bericht ein Wandel bei jüngeren Generationen. Vor allem junge britische Muslime engagieren sich zunehmend für lokale Themen wie Obdachlosigkeit, Ernährungsarmut und Kinderarmut. Umfragen des Instituts Savanta zufolge liegen ihre Spenden für Gesundheits- und psychische Hilfsangebote rund zehn Prozent über dem nationalen Durchschnitt.
Gleichzeitig benennt der Bericht Herausforderungen wie fehlende staatliche Anerkennung, eingeschränkten Zugang zu Finanzdienstleistungen und eine Stigmatisierung muslimischer Organisationen. Equi empfiehlt unter anderem eine stärkere Einbindung religiöser Wohlfahrtsverbände in die Sozialpolitik sowie besseren Schutz vor dem Ausschluss vom regulären Bankensystem aus Misstrauen.