Nach dem Europa-League-Spiel in Stuttgart ermittelt die Polizei wegen mutmaßlich strafbarer Gesänge israelischer Fans. Auch ermittelt die Polizei wegen Sachbeschädigung.

Nach dem Europa-League-Spiel von Maccabi Tel Aviv beim VfB Stuttgart hat die Polizei eine überwiegend positive Einsatzbilanz gezogen – zugleich aber mehrere Vorfälle registriert, die nun strafrechtlich geprüft werden. Neben Sachbeschädigungen im Stadtgebiet geht es vor allem um mutmaßlich strafbare Gesänge und Zwischenrufe von Fans des israelischen Meisters.
Rund 400 Maccabi-Anhänger hatten sich bereits vor dem Anpfiff im Stuttgarter Schlossgarten versammelt. Zwar blieb es nach Polizeiangaben bei der Partie und im Umfeld weitgehend friedlich, doch kam es zu Pyrotechnik-Zündungen und einzelnen provokanten Rufen.
So rief ein Fan während eines TV-Interviews lautstark „Fuck Palestine“. Unter den angereisten Fans waren auch zahlreiche Mitglieder der „Maccabi-Fanatics“, einer Fangruppierung, die laut Experten wie dem israelischen Fankultur-Journalisten Felix Tamsut der rechtsextremen Szene zugeordnet wird.
Besonders im Fokus steht ein sogenannter „Vergewaltigungssong“, der nach Angaben der Polizei und von anwesenden Medienvertretern ebenfalls angestimmt wurde. Das Lied, das Vergewaltigungsfantasien gegenüber arabischen Frauen enthält, richtet sich gegen Maccabis Stadtrivalen Hapoel Tel Aviv und ist bereits aus anderen Städten bekannt. Auch hier prüft die Staatsanwaltschaft Stuttgart eine mögliche strafrechtliche Relevanz. Berichte, wonach Fans zusätzlich Zeilen wie „In Gaza gibt es keine Schulen mehr, weil es keine Kinder mehr gibt“ gesungen hätten, konnte die Polizei bislang jedoch nicht bestätigen.
Die Ermittler haben nach eigenen Angaben alle im Netz kursierenden Videos und Tonaufnahmen „beweissicher dokumentiert“. Da viele der Gesänge auf Hebräisch erfolgten, müssen diese zunächst übersetzt und ausgewertet werden. „Die strafrechtliche Bewertung kann deshalb nicht sofort abgeschlossen sein“, erklärte die Staatsanwaltschaft.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, ermögliche die enge deutsch-israelische Rechtshilfe auch eine Strafverfolgung über Ländergrenzen hinweg. Dabei könnten die personalisierten Tickets von Maccabi Tel Aviv zur Identifizierung möglicher Täter beitragen.
Abseits der Vorfälle mit den Gästefans registrierte die Polizei im Stadtgebiet zudem weitere Aktionen mit mutmaßlich politischem Hintergrund. An einem israelischen Reisebüro wurden Banner entdeckt, auf denen unter anderem „Nach Palästina umgesiedelt“ und „Ab sofort geschlossen“ stand. An anderen Gebäuden tauchten „Free Gaza“-Graffitis auf. Hier ermittelt die Polizei wegen Sachbeschädigung und Volksverhetzung.
Insgesamt waren am Donnerstagabend mehrere Tausend Einsatzkräfte im Dienst – deutlich mehr als bei regulären VfB-Spielen. Die Polizei begründete dies mit der Vorweihnachtszeit, der aktuellen geopolitischen Lage und dem klaren Ziel, antisemitischen Vorfällen konsequent vorzubeugen.