Studien widerlegen Behauptung einer „muslimischen Mehrheit ab 2050“ – Warum diese Erzählung ein antimuslimischer Mythos ist.

Die Behauptung, Muslime würden in Deutschland bis 2050 die Bevölkerungsmehrheit stellen, hält keiner wissenschaftlichen Prüfung stand. Sie wird vor allem in rechten und islamfeindlichen Diskursen genutzt, um Angst zu schüren und Menschen muslimischen Glaubens als Bedrohung darzustellen – völlig unabhängig von realen Zahlen.
Keine einzige seriöse Studie stützt die Vorstellung einer muslimischen Mehrheit. Im Gegenteil: Selbst unter extrem überzeichneten Annahmen rechnen Fachleute mit maximal rund 20 Prozent muslimischer Bevölkerung im Jahr 2050 – und selbst das gilt als unrealistisch hoch. Laut der BAMF-Studie Muslimisches Leben in Deutschland 2020 lebten 2019 etwa 5,5 Millionen Muslime in Deutschland – rund 6,6 Prozent der Bevölkerung. Muslimisches Leben ist also längst Realität, vielfältig, integriert und kein „neues“ oder bedrohliches Phänomen.
Prognosen über die Zukunft hängen von vielen Faktoren ab: Migration, Geburtenentwicklung, Religionswechsel, gemischtreligiöse Partnerschaften. Wissenschaftler betonen jedoch, dass keine dieser Faktoren eine muslimische Mehrheit realistisch erscheinen lassen.
Eine vielzitierte Studie des Pew Research Centers (2017) berechnet für das „Extrem-Szenario“ – also dauerhaft extrem hohe Zuwanderung – maximal 20 Prozent Muslime bis 2050. Pew selbst hält dieses Szenario für unwahrscheinlich.
Auch eine Studie aus Saudi-Arabien (2019) zeigt: Selbst bei konstant sehr hoher Zuwanderung würde der Anteil muslimischer Menschen frühestens nach 2075 die Marke von 25 Prozent überschreiten.
Bevölkerungsforscher Sebastian Klüsener vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung stellt klar: Er kenne keine seriöse Studie, die eine muslimische Mehrheit für Deutschland prognostiziert. Im Gegenteil: Die Annahme gilt unter Fachleuten als wissenschaftlich haltlos.
Hinzu kommt: Der Zensus 2022 hat die Zahl der hier lebenden „Ausländer“ um rund eine Million nach unten korrigiert – darunter viele, die 2015 kamen, später aber weiterzogen oder zurückkehrten. Zukunftsmodelle, die weiterhin von den Zahlen 2015/16 ausgehen, überschätzen den muslimischen Anteil deutlich.
Die Vorstellung, Muslime hätten dauerhaft viel höhere Geburtenraten, entspricht nicht der Realität. In vielen muslimisch geprägten Ländern sinken die Geburtenzahlen seit Jahrzehnten stark. Beispiele:
Türkei: von 3,1 (1990) auf 1,6 Kinder pro Frau (2023)
Albanien: 1,3
Iran: 1,7
Zudem zeigen Forschungen, dass zugewanderte Menschen sich langfristig dem generellen Fertilitätsniveau des Landes anpassen – das gilt auch für Muslime. Weder Daten noch Trends noch wissenschaftliche Berechnungen lassen den Schluss zu, dass Deutschland irgendwann eine „muslimische Mehrheit“ haben könnte – schon gar nicht bis 2050.