Ein neuer UN-Bericht zeigt das Ausmaß des wirtschaftlichen Zusammenbruchs in Gaza und dem Westjordanland: Jahrzehnte an Entwicklungsfortschritten sind ausgelöscht, die Infrastruktur liegt in Trümmern.

Ein neuer Bericht der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) zeichnet ein alarmierendes Bild der wirtschaftlichen Lage in den besetzten palästinensischen Gebieten. Laut der in Genf vorgestellten Analyse befindet sich die palästinensische Wirtschaft in ihrer schwersten Rezession seit Beginn der Aufzeichnungen. Jahrzehntelange Entwicklungsfortschritte seien innerhalb weniger Jahre verloren gegangen.
Besonders dramatisch ist die Situation im Gazastreifen. Nach fast zwei Jahrzehnten strenger Einschränkungen und zwei Jahren militärischer Eskalation ist die wirtschaftliche Aktivität nahezu zum Erliegen gekommen. 2024 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dort um 83 Prozent – nach einem bereits massiven Einbruch im Vorjahr.
Innerhalb von zwei Jahren sank das BIP kumuliert um 87 Prozent auf nur noch 362 Millionen Dollar. Das Pro-Kopf-Einkommen fiel auf 161 Dollar, einen der weltweit niedrigsten Werte. Infrastruktur, Wohnraum und zentrale Versorgungssysteme seien so stark zerstört, dass selbst bei umfangreicher internationaler Hilfe eine wirtschaftliche Erholung Jahrzehnte dauern könnte.
Auch im Westjordanland hat sich die Lage deutlich verschlechtert. Die Ausweitung von Siedlungen, wachsende Unsicherheiten sowie verschärfte Bewegungs- und Handelsbeschränkungen belasteten Wirtschaft und Gesellschaft. 2024 verzeichnete die Region einen BIP-Rückgang von 17 Prozent. Viele Menschen hätten dadurch den Zugang zu Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung verloren.
Zusätzlich droht ein fiskalischer Kollaps: Bis April 2025 summierten sich einbehaltene Überweisungen und Abzüge auf rund 1,76 Milliarden Dollar. Das entspricht fast 13 Prozent des BIP von 2024. Der palästinensischen Regierung fehlt es zunehmend an Mitteln, um Kernfunktionen wie Gehälter, Verwaltung und öffentliche Dienstleistungen aufrechtzuerhalten.
UNCTAD beziffert den Bedarf für den Wiederaufbau Gazas auf über 70 Milliarden Dollar und mahnt eine koordinierte, langfristige internationale Unterstützung an. Nur mit stabilen Finanzströmen, gelockerten Beschränkungen und einer verlässlichen politischen Grundlage könne ein nachhaltiger Wiederaufbau gelingen.