Schleswig-Holstein

Familie erhält islamfeindliche Briefe wegen Kopftuch

In Sülfeld erhält eine kopftuchtragende Mutter mehrfach rassistische Drohbriefe. Die Familie fühlt sich bedroht, lebt in Angst – der Staatsschutz ermittelt nun weiterhin.

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2025
Drohbriefe
Symbolbild: Brief © Shutterstock, bearbeitet by iQ

Eine Familie in Sülfeld, einer Gemeinde in Schleswig-Holstein, hat drei rassistische Drohbriefe erhalten. Zwei Briefe erhielt die Familie im August 2024, der dritte eine Woche nach Halloween. Der anonyme Absender fordert die zweifache Mutter Dounia B. in dem Brief auf, Deutschland zu verlassen, weil sie ein Kopftuch trägt. Die Kieler Nachrichten berichteten dazu.

„Bei uns in Deutschland tragen Frauen keine Kopftücher. Wenn Sie sich in Deutschland integrieren wollen, unterlassen Sie das Kopftuchtragen oder gehen Sie dort hin, wo Sie hergekommen sind“, stehe in einem der Briefe aus 2024. Allerdings mit Rechtschreibfehlern. Weiter heisst es in einem Brief: „Überall wo ich bin in Deutschland, sehe ich Kopftuchfrauen mit Kindern. Das können scheinbar Kopftuchfrauen am besten, Kinder kriegen aufgrund des Kindergeldes. Wir brauchen und wollen keine Parallel Gesellschaften in Deutschland.“

Im letzten Brief steht: „Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass in Deutschland ab dem 1.10.2025 Verschleierung und Kopftuchverbot besteht. Wer dagegen verstößt, wird umgehend abgeschoben.“ Das stimmt so nicht, in Deutschland gibt es kein Kopftuchverbot. Die Familie habe nach den ersten beiden Briefen Strafanzeige gestellt, die dritte folge nun. Der Staatsschutz in Kiel ermittle in dem Fall.

Die anonymen Briefe geben der Mutter ein mulmiges Gefühl, sowie dass die Person wisse, wo die Familie wohnt. „Wenn ich zum Beispiel einkaufen gehe, schaue ich mich immer um und überlege, wer von den Menschen könnte es sein.“, so die Mutter. Die muslimische Familie marokkanischer Herkunft lebt mit zwei Kleinkindern seit 2021 in Borstel, einem Ortsteil von Sülfeld. Beide Eltern sind deutsch Staatsbürger.

Leserkommentare

Angelika Wendt sagt:
Ich wohne in Sülfeld und das, was dieser jungen Familie passiert ist, ist furchtbar. Die Gemeinde Sülfeld versteht sich als „bunt“. Alle Menschen sollen sich hier wohl und geborgen fühlen. Die politische Gemeinde und die Kirchengemeinde sowie eine Gruppe ehrenamtlich Tätiger haben der Familie stellvertretend für die überwiegende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger deutlich gemacht, dass wir zu ihr stehen und solch ein abscheuliches rassistisches Verhalten nicht dulden.
20.11.25
14:11