Deutsche Islamkonferenz

Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) – eine Chronologie

Heute vor 15 Jahren wurde die Deutsche Islamkonferenz (DIK) einberufen. IslamiQ hat die wichtigsten Etappen der Islamkonferenz zusammengefasst. Eine Übersicht.

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Symbolbild: Deutsche Islamkonferenz (DIK)
Symbolbild: Deutsche Islamkonferenz (DIK) © Perspektif, bearbeitet by IslamiQ

Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) ist das zentrale Forum für den Dialog zwischen Staat und Muslimen. Sie wurde auf Initiative des damaligen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble am 27. September 2006 zum ersten Mal einberufen. Die DIK ist eine Art Dialogforum, in dem Erfahrungen ausgetauscht und Empfehlungen ausgearbeitet werden. Sie wird in vier Phasen eingeteilt. 

Was in den letzten 15 Jahren geschah, erfahren Sie hier:

1. Phase (2006-2009)

27. September 2006

Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) wurde auf Initiative des damaligen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble einberufen. In seiner Regierungserklärung zum Auftakt der Islamkonferenz erklärte Schäuble im Bundestag: „Der Islam ist Teil Deutschlands und Europas. Er ist Teil unserer Gegenwart und unserer Zukunft.“ Diese Aussage sorgte für viel Zuspruch innerhalb der muslimischen Community.

Mit der Einberufung der Islamkonferenz werden islamische Religionsgemeinschaften vom Staat als Dialog- und Verhandlungspartner wahrgenommen. In der ersten Phase der DIK liegt der Schwerpunkt auf der deutschen Gesellschaftsordnung und Fragen eines Wertekonsenses. Dabei werden Religionsfragen im deutschen Verfassungsrecht und Aspekte des praktischen muslimischen Alltagslebens erörtert. 

Aufgegliedert ist die DIK in der ersten Phase in drei Arbeitsgruppen, einen Gesprächskreis und ein Plenum. Das Plenum ist die oberste Instanz und besteht aus 30 Personen, je 15 staatlichen und 15 muslimischen Vertretern. Themenschwerpunkt ist die „Identitätsfrage“ von Muslimen. 

28. März 2009 

In Köln wird der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland (KRM) gegründet. Die Gründungsmitglieder sind die vier großen islamischen Religionsgemeinschaften: Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland, Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) und Zentralrat der Muslime (ZMD).

2. Mai 2007

Die wissenschaftliche Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ wird in Auftrag gegeben. Ein Meilenstein, da erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme vorgenommen wird. 

13. März 2008

Erste Handlungsempfehlung der DIK-Arbeitsgruppen werden vorgelegt, u. a. zu den Voraussetzungen für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen, zum Moscheebau sowie zur Praxis islamischer Bestattungen.

28. August 2008

Der Kölner Stadtrat stimmt für den Bau der DITIB-Zentralmoschee in Ehrenfeld. Zuvor forderten Mitglieder der Islamkonferenz, dass Moscheen aus den Hinterhöfen rauskommen sollten. Für den Bau der Moschee stimmten SPD, Grüne, FDP und Linke. Dagegen stimmte die CDU und die rechtsextreme Wählervereinigung Pro Köln. Kölns damaliger Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) stimmte im Gegensatz zu seiner Partei ebenfalls für die Moschee.

8. Dezember 2008

Die DIK-Internetseite geht online. Die Arbeit der DIK-Gremien und ihre Ergebnisse werden fortan dort dokumentiert.

6. März 2009

Auf einer Tagung der katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart äußert der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) einen Wunsch: den Aufbau einer Fakultät für islamische Theologie an einer deutschen Universität.

24. Juni 2009

Die im Auftrag der DIK erstellte Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ wird veröffentlicht. Sie gibt erstmals repräsentativen Aufschluss u. a. über die Zahl der in Deutschland lebenden Muslime, ihre Herkunftsländer, Glaubensrichtungen und religiöse Praxis.

25. Juni 2009

Zum Ende der ersten Phase der DIK werden die Schlussfolgerungen im Bericht „Religionsfragen im deutschen Verfassungsverständnis“ veröffentlicht. Sie umfasst Hinweise und Empfehlungen u. a. für die Bereiche „Kopftuch und andere religiöse Kleidungsstücke“, „Teilnahme am Sport- bzw. Schwimmunterricht“ sowie den Umgang mit Feiertagen bzw. dem Ramadan. Außerdem verabschiedet die DIK u. a. Empfehlungen zur Etablierung islamischer Theologie an deutschen Hochschulen und formuliert Handreichung zu religiös begründeten schulpraktischen Fragen. 

Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland setzt sich in einer 15-seitigen Stellungnahme kritisch mit den Beschlüssen auseinander und verweigert die Unterschrift. Entgegen der Praxis werden ihre schriftlich vorgelegten Bedenken nicht in das offizielle DIK-Protokoll aufgenommen.

28. Oktober 2009

Thomas de Maizière (CDU) wird neuer Bundesminister des Innern und ist damit auch zuständig für die DIK.

2. Phase (2009-2013)

3. März 2010

Aufgrund der Kritik des Islamrats wird ihr eine ruhende Mitgliedschaft angeboten. Sie dürfte an den Sitzungen nicht teilnehmen, müsste aber alle Entscheidungen mittragen. Der Islamrat lehnt das ab erklärt seinen Austritt aus der DIK. 

12. April 2010

Der ZMD tritt aus der Deutschen Islamkonferenz aus. Grund sei die zukünftige Ausrichtung. „Die DIK II ist in der jetzigen Form ein unverbindlicher Debattier-Club. Der ZMD wird unter diesen Bedingungen an der DIK II nicht teilnehmen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

17. Mai 2010

Bundesinnenminister Thomas de Maizière eröffnet die erste Plenarsitzung der zweiten DIK-Arbeitsphase. Zentrale Themen in der zweiten Phase sind weiterhin die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland sowie die Kooperation zwischen Staat und Muslimen. Hierzu zählen z. B. weitere Schritte bei der Etablierung eines islamischen Religionsunterrichts, sprachliche und gesellschaftskundliche Fortbildung von religiösem Personal, die Diskussion über Rollenbilder, die bessere ‚Integration‘ von Muslimen in den Arbeitsmarkt sowie die Präventionsarbeit mit Jugendlichen zur Prävention von Muslimfeindlichkeit, Antisemitismus und ‚islamistischem Extremismus‘.

September 2010

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die Goethe-Stiftung und die DITIB entwickeln das Projekt „Imame für Integration“. Für drei Jahre werden Deutschkurse für Imame angeboten. 

Ende 2010

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sieht Zentren für islamische Theologie an Universitäten Osnabrück und Tübingen vor. Ein Budget von 20 Millionen Euro wird bereitgestellt.

19. Februar 2011

Die neu gegründete „Junge Islamkonferenz“ hat ihre erste Auftaktveranstaltung. 40 Jugendliche diskutieren über die Rolle der Muslime in Deutschland.

3. März 2011

Hans-Peter Friedrich (CSU) wird neuer Bundesminister des Innern. Bei seinem Amtseintritt erklärt Friedrich, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, wohl aber hierzulande lebende Menschen islamischen Glaubens. Der KRM zeigte sich in einer Pressemitteilung enttäuscht über diese Aussagen, da diese den Dialog nicht fördern und Muslime sich zurückgestoßen fühlen.

29. März 2011

Die DIK veröffentlicht den Leitfaden „Dialog – Öffnung – Vernetzung“ zur Fortbildung von religiösem Personal. Mit dem Leitfaden möchte die DIK Moscheegemeinden bei der Planung und Umsetzung von Fortbildungsprojekten unterstützen. 

17. April 2012

Die im Auftrag der DIK erstellten Studien zu islamischen Gemeinden und zu islamischen Religionsbediensteten werden veröffentlicht. Die Untersuchungen geben erstmals einen umfassenden Überblick über Angebote und Strukturen der islamischen Gemeinden sowie über Herkunft, Ausbildung, Aufgaben und Aufenthaltsstatus des religiösen Personals.

19. April 2012

Die DIK verabschiedet eine Erklärung gegen häusliche Gewalt und Zwangsverheiratung.

Zudem veröffentlicht sie die Broschüre „Bessere Integration von Musliminnen und Muslimen in den Arbeitsmarkt“, die u. a. den Arbeitsmarktzugang von Muslimen beleuchtet.

August 2012

In Kooperation mit dem Bundesinnenministerium startete die DITIB, der VIKZ, der ZMD und die IGBD eine „Initiative Sicherheitspartnerschaft. Daraus resultierte die Plakataktion „Vermisst“. Auf Billboards/Plakate sind muslimisch aussehende Jugendliche, Männer und Frauen zu sehen, die lächelnd in die Kamera schauen. Über ihren Köpfen die Überschrift „Vermisst“. Unter dem Bild befindet sich ein Text, der davor warnt, dass diese Menschen sich immer mehr zurückziehen und jeden Tag radikaler werden. Wer meint, dass Personen sich auffällig verhalten, solle dies melden. 

Der Islamrat lehnte eine Kooperation ab und kritisierte die Aktion. Laut dem Islamrat werden Muslime damit unter Generalverdacht gestellt, gefährlich und extremistisch zu sein. Damit spiele die DIK jedoch Rechtsextremisten in die Hände. Folgen seien negative Assoziationen. Initiativen, die sich im Kontext der Muslime auf Sicherheitsaspekte konzentrieren, seien kein fruchtbarer Boden für ein konstruktives Zusammenarbeiten. Nachdem Inhalt und Form der Aktion veröffentlicht wurden, haben auch die anderen islamischen Gemeinschaften die Kooperation aufgekündigt und sich in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin gewandt.

4. Dezember 2012

Auf der zweitägigen Fachtagung der Deutschen Islamkonferenz am 4. und 5. Dezember in Berlin geht es um Muslimfeindlichkeit. Es ist das erste Mal, dass dieses Thema auf Bundesebene durch das BMI öffentlich debattiert wird. Eine Publikation dokumentiert die Beiträge.

9. Oktober 2013

Auf 50 Seiten dokumentiert die DIK die Ergebnisse ihrer Arbeit in den ersten beiden Phasen. Handreichungen, Empfehlungen und Erklärungen zu unterschiedlichen praxisrelevanten und alltagsbezogen Aspekten werden zusammengefasst.

17. Dezember 2013

Thomas de Maizière (CDU) wird neuer Bundesminister des Innern. 

3. Phase (2014-2017)

24. März 2014

Die DIK erklärt die muslimische Wohlfahrtspflege und islamische Seelsorge zu Kernthemen ihrer Arbeit in der dritten Phase. Sie beschäftigt sich dabei insbesondere mit der Altenpflege sowie Kinder- bzw. Jugendhilfe. Darüber hinaus geht es um die Angebote der Moscheegemeinden für Geflüchtete und auch um das Thema ‚islamische Seelsorge‘.

Der Islamrat und der Zentralrat der Muslime nehmen das Angebot des Bundesministeriums des Innern an und beteiligen sich wieder an der DIK.

10. November 2015

Die DIK publiziert Empfehlungen zum Thema Wohlfahrtspflege sowie die Studie „Soziale Dienstleistungen der in der Deutschen Islamkonferenz vertretenen religiösen Dachverbände und ihrer Gemeinden“.

27. September 2016

Die Deutsche Islamkonferenz feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hebt in seinem Grußwort hervor: „10 Jahre Deutsche Islamkonferenz – das sind 10 Jahre Zusammenarbeit, in denen Vertrauen aufgebaut, Verlässlichkeit geschaffen und Wissen erweitert wurde.“

14. März 2017

Zum Abschluss der dritten Phase verabschiedet die DIK das Abschlussdokument „Seelsorge in öffentlichen Einrichtungen als Thema der Deutschen Islamkonferenz“ mit Empfehlungen zu den Bereichen Krankenhaus-, Gefängnis- und Militärseelsorge.

14. März 2018

Horst Seehofer (CSU) wird neuer Bundesminister des Innern. Zuvor hatte er geäußert, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört, aber die Muslime.

4. Phase (2018-2021)

28. November 2018

In Berlin startet die DIK ihre vierte Phase. Themen sind die Integrationsförderung in Moscheen, die Definition eines „deutschen Islams“ bzw. „deutscher Muslime“. Bundesinnenminister spricht von einem „Islam in, aus und für Deutschland“. Ferner soll es um das Wie – nicht das Ob – der Imamausbildung gehen. Im Vordergrund stehen die Imamausbildung in der Bundesrepublik und die Zugehörigkeit von Muslimen zu Deutschland. Islamische Religionsgemeinschaften kritisieren diesen Schritt, da einige bereits über viele Jahre Strukturen aufgebaut haben und ihrem Selbstverständnis entsprechend Imame ausbilden.

15. November 2019

Der neue DIK-Förderansatz „Moscheen für Integration“ startet. Mit rund sieben Millionen Euro will die Bundesregierung zunächst bis 2022 die Integrationsarbeit von Moscheegemeinden fördern. In der auf drei Jahre angelegten Pilotphase sollen circa 50 Gemeinden davon profitieren.

10. November 2020

Die DIK veröffentlicht eine Bestandsaufnahme zum Stand der Imamausbildung in Deutschland.

28. April 2021

Die DIK-Studie „Muslimisches Leben in Deutschland 2020“ wird veröffentlicht. Die Studie schreibt die Vorgängeruntersuchung aus dem Jahr 2008 und eine Hochrechnung der Zahl der Muslime aus 2015 fort. Sie bietet Daten zu Zahl, Struktur, religiöser Alltagspraxis sowie Aspekten der Integration der in Deutschland lebenden muslimischen Bevölkerung.