Berlin

Neues Kompetenznetzwerk will Islamfeindlichkeit abbauen

Im vergangenen Jahr wurden 871 Übergriffe auf Muslime und Moscheen erfasst. Nun möchte ein neues Kompetenznetzwerk auf die steigende Islamfeindlichkeit aufmerksam machen.

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09
2020
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Islamfeindlichkeit
Gegen Antimuslimischen Rassismus © Facebook/ Claim, bearbeitet by iQ.

Die Anschläge in Hanau und Halle, die geplanten Angriffe auf Moscheen in zehn Bundesländern, die Übergriffe auf Muslime und muslimische Einrichtungen und nicht zuletzt die Diskriminierungen im Alltag – antimuslimischer Rassismus und Islamfeindlichkeit sind Alltag in Deutschland. Das im Januar gegründete Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit präsentiert sich heute im Rahmen eines Fachgesprächs erstmals der breiteren Öffentlichkeit.

Ziel des Kompetenznetzwerks ist es, in den nächsten Jahren Expertise zum Themenfeld Islam- und Muslimfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus zu bündeln, weiterzuentwickeln und Bildung, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft zur Verfügung zu stellen.

Das Kompetenznetzwerk besteht aus drei bundesweit tätigen Partnern: CLAIM, getragen von Teilseiend e. V., der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej) und dem Zentrum für Europäische und Orientalische Kultur e. V. (ZEOK). Dabei umfasst das Kompetenznetzwerk die Kernbereiche Bildung, Datenerfassung und Beratung, Strategische Kommunikation sowie Empowerment – vor allem der muslimischen Zivilgesellschaft.

Studie soll islamfeindliche Einstellungen erfassen

Auch wissenschaftliche Impulse werden durch das Kompetenznetzwerk gesetzt. So wird im Oktober eine erste Kurzstudie veröffentlicht, in der die Beratungssituation von Betroffenen von antimuslimischen Übergriffen und Diskriminierung dargestellt wird. Im nächsten Jahr folgt eine repräsentative Studie, die die Verbreitung islamfeindlicher Einstellungen unter Jugendlichen erfasst. Gefördert wird das Kompetenznetzwerk für die nächsten fünf Jahre.

„Die Förderung eines Kompetenznetzwerks Islam- und Muslimfeindlichkeit ist vor dem Hintergrund weit verbreiteter antimuslimischer Einstellungen ein weiterer wichtiger Schritt, um dem antimuslimischen Rassismus in Deutschland etwas entgegenzusetzen“, betont Nina Mühe von CLAIM.

„Gegen Islamfeindlichkeit deutlich Stellung beziehen“

Onna Buchholt von der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. sehe es als unerlässlich an, dass sich nicht nur Betroffene und ihre Organisationen gegen antimuslimischen Rassismus und Islam- und Muslimfeindlichkeit stark machen, sondern auch verbündete Vertreter der Mehrheitsgesellschaft „deutlich Stellung beziehen und innerhalb ihrer Bezüge dafür sensibilisieren“. 

Am heutigen Tag stellt sich das Kompetenznetzwerk im Rahmen eines Fachgesprächs in Berlin vor. Mit Experten aus dem Themenfeld wird diskutiert, wo Deutschland aktuell in der Bekämpfung von antimuslimischem Rassismus und Islam- und Muslimfeindlichkeit steht, welche Herausforderungen bestehen und welchen Blick die muslimische Zivilgesellschaft auf die aktuellen Bestrebungen hinsichtlich der Bekämpfung von antimuslimischem Rassismus hat.