Islamische Bestattungen

Bestattungskultur im Wandel – ein Überblick

Statistiken zeigen eine Zunahme der Bestattungen auf muslimischen Grabfeldern in Deutschland. Mit der Corona-Krise wird diese Zahl weiter steigen. IslamiQ hat konkrete Zahlen dazu.

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04
2020
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Deutschland, Bestattungskultur in Coronakrisen Bayreuth © Privat, bearbeitet by iQ
Bestattungskultur in Coronakrisen Bayreuth, Deutschland © Privat, bearbeitet by iQ

Die Bestattungskultur in Deutschland sterbender Muslime ist im Wandel. Während die Mehrheit weiterhin zur Bestattung in ihr Heimatland überführt wird, steigt die Zahl der in Deutschland bestatteten Muslime kontinuierlich an. Das zeigen Statistiken von ausgewählten Friedhofsverwaltungen und Grünflächenämter, die IslamiQ vorliegen.

Die Zahlen zeigen eine steigende Tendenz der Anzahl von Bestattungen auf muslimischen Gräberfeldern pro Jahr. Insgesamt wird deutlich, dass mit dem wachsenden Bedarf auch die Anzahl der Grabfelder sowie die der Bestattungen steigen.

Bundesweit über 300 muslimische Grabfelder

In Deutschland gibt es bisher noch keinen muslimischen Friedhof. Der erste muslimische Friedhof ist als Vorzeigeprojekt in Planung, allerdings fehlt es noch an finanziellen Mitteln. Das erste muslimische Grabfeld wurde 1941 auf dem Hamburger Ohlsdorfer Friedhof errichtet. Das Grabfeld mit 148 Gräbern gehörte dem iranischen Generalkonsulat. Die Anzahl dieser Grabfelder nahm mit der Zuwanderung bundesweit immer mehr zu, sodass aktuell in jeder Großstadt ein muslimisches Grabfeld vorhanden ist.

Zu den bundesweit über 300 muslimischen Grabfeldern auf städtischen Friedhöfen erfolgt keine Erfassung der Bestattungen auf Bundes- oder Länderebene. Das Verfahren ist nicht standardisiert, ortsabhängig und somit Aufgabe der kommunalen Friedhofsverwaltung und des Grünflächenamtes. Während manche Städte detaillierte Daten erfassen (z. B. Hamburg), werden in anderen Städten weniger Daten erhoben (z. B. München). Da keine konkrete Statistik existiert, wurden zehn Großstädte angefragt, um ein möglichst repräsentatives Bild zu schaffen: Berlin, Köln, Stuttgart, Düsseldorf, Frankfurt, Dortmund, Essen, Leipzig, Hamburg und München.

Die Statistiken basieren auf den belegten muslimischen Grabfeldern und nicht speziell auf der angegebenen Konfession. Das heißt, es kann durchaus Muslime geben, die im allgemeinen Gräberfeld bestattet wurde, diese werden jedoch nicht erfasst, da die Angabe der Konfession nicht notwendig ist. Für die Bestattung auf das muslimische Gräberfeld hat der Beizusetzende dem Islam anzugehören.

 

 
 
 
 
 
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Statistiken zeigen eine Zunahme der Bestattungen auf muslimischen Grabfeldern in Deutschland und Europa. Mit der Corona-Krise wird diese Zahl weiter steigen. IslamiQ hat konkrete Zahlen dazu. Link in Bio.

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Vorreiter Berlin: 441 Bestattungen in 2018

In Berlin haben im Jahr 2018 441 Bestattungen auf muslimischen Grabfeldern stattgefunden, während es im Vorjahr noch 395 waren. Für das Jahr 2019 liegen noch keine Zahlen vor. Wenn man die weiteren Vorjahre betrachtet ist ein Anstieg zu erkennen. Darüber hinaus nutze ein Teil der Muslime schon jetzt die bestehenden Angebote auf landeseigenen oder evangelischen Friedhöfen, auch wenn auf diesen keine gesonderten Grabfelder für Bestattungen nach islamischem Ritus ausgewiesen sind.

Bestattungskultur mit Ausnahmen

In Hamburg zeigen Statistiken bis 2016 deutlich einen Anstieg der Bestattungszahlen auf muslimischen Grabfeldern (2016: 323). 2017 (296) und 2018 (277) ist ein Rückgang zu verzeichnen. Im Vorjahr stieg die Zahl wieder auf 282. Zudem sind weitere Grabfelder hinzugekommen.

In Köln ist nach einem Rückgang in 2018 mit 122 Bestattungen auch ein kontinuierlicher Anstieg der Bestattungszahlen auf muslimischen Grabfeldern zu erkennen. 2019 waren es 137.

Auch in Düsseldorf ist mit Ausnahme von 2018 (62 Bestattungen) ein kontinuierlicher Anstieg zu erkennen. Im Jahr 2019 waren es 82 Bestattungen. Aufgrund der Nachfrage wurden auf dem Friedhof Itter in Düsseldorf zu den bereits vorhandenen Grabfeldern noch Erweiterungen im Jahr 2018 und 2019 angelegt. Insgesamt stehen derzeit 439 Grabstätten zur Verfügung.

In Dortmund sind 2019 45 Bestattungen erfolgt, 14 davon Kinder. Das ist weniger als im Vorjahr (49), doch im Jahresverlauf ist auch hier die Tendenz steigend. Für die Stadt Essen ist nach Daten aus 2018 ebenso ein unregelmäßiger Anstieg zu verzeichnen (2016:175; 2017: 191).

Frankfurt: 2,5% aller Bestattungen auf muslimischen Grabfeldern

In Frankfurt ist ein leichter Rückgang in den letzten zwei Jahren zu erkennen. Während 2013 bis 2017 die Bestattungen auf 124 stiegen, waren es 2019 wieder 118, was 2,5% der gesamten Bestattungen ausmacht. Die Stadt Frankfurt erfasst Bestattungen zudem im „Sarg“ und „im Leichentuch“. Von den 118 Bestattungen in 2019 waren 48 als „im Leichentuch“ erfasst.

In Leipzig ist ein kontinuierlich leichter Anstieg zu den Vorjahren erkennbar. 2019 waren es 20 Bestattungen, wobei in den Vorjahren 19, 16 und weniger Bestattungen stattfanden.

Keine genaue Erfassung der Bestattungszahlen

Die Verwaltung in Stuttgart hatte lediglich nur die durchschnittliche Bestattungszahl pro Jahr mitgeteilt. Diese liege seit 2008 bei circa 30 bis 40 Bestattungen pro Jahr. Eine genauere Erfassung der Daten findet vermutlich nicht statt.

In München erfolgt keine Auswertung der Bestattungszahlen nach Konfession. Hier werden lediglich „belegte“ und „unbelegte“ muslimische Gräber erfasst. Zum aktuellsten Stand (30.06.2019) existieren dort insgesamt 15 muslimische Gräberfelder: 6 auf dem Westfriedhof (902 Gräber, davon 770 belegt); 2 auf dem Waldfriedhof (275 Gräber, davon 215 belegt) und 7 auf dem Neuen Südfriedhof (794 Gräber, davon 709 belegt).

Bedarf einer islamischen Bestattungskultur vorhanden

Je nach Anfragen und Bedarf passt sich die zuständige Friedhofsverwaltung entsprechend an. Die Datenerfassung wird um weitere Variablen erweitert, neue Grabfelder werden angelegt, besondere Bestattungsriten bekommen immer mehr Gehör.

Beispielsweise werden in Dortmund muslimische Bestattungen seit 2018 nun auch nach Kindern und Erwachsenen differenziert. Besondere Anforderungen muslimischer Bestattungen und Bestattungsriten werden in der Regel von den Kommunen berücksichtigt und kontinuierlich entsprechende und erweiterte Angebote geschaffen. Viele Friedhöfe bieten einen Waschraum für rituelle Waschungen und ermöglichen die sarglose Beisetzung.

Wie ein Sprecher der Friedhofsverwaltung mitteilte ist das Angebot abhängig von der Nachfrage sowie der Kommunikation mit den örtlichen Gemeinden. Das bedeutet, die Friedhofsverwaltungen sind in der Regel bereit für „Änderungen“ und kommen Wünschen entgegen, allerdings fehle meistens die richtige Kommunikation und Erläuterung der Bedürfnisse.