Nachgefragt

„Dem Islam die Hauptschuld zu geben ist unverantwortlich“

Autoren schreiben hunderte Seiten. Doch was passiert, wenn sie ihr Buch auf seine Essenz herunterbrechen müssen? Unsere Serie „Nachgefragt“ liefert Antworten und stellt sowohl Buch als auch den Autor vor. Heute mit Monika und Udo Tworuschka.

04
04
2019
Der Islam - Freund oder Feind?
Der Islam - Freund oder Feind? © IslamiQ.

IslamiQ: Wem würden Sie ihr Buch gerne schenken und warum?

Monika & Udo Tworuschka: Unserem Innenminister und anderen führenden Politikern, damit sie den Islam und die in unserem Land lebenden Muslime besser verstehen und begreifen, dass der Islam Europa kulturell bereichert (hat) und auch Teil der deutschen Geschichte ist. Das Buch könnte sie befähigen, ihre Voreinstellungen zu revidieren und neue Perspektiven zu gewinnen. Vor allem aber könnte das in dem Buch enthaltene Fachwissen zu der Erkenntnis führen, dass die meisten Prinzipien der islamischen Ethik mit deutscher Kultur und ihren Werten vereinbar sind.

Monika und Udo Tworuschka
Der Islam – Fein oder Freund
ISBN: 978-3-94-690569-1
144 Seiten
Februar 2019

Außerdem würden wir dieses Buch gern furchtsamen Menschen schenken, damit sie die Angst vor dem Islam verlieren und um sie zu überzeugen, dass der Islam eine dem Christentum gleichwertige Weltreligion und keine bedrohliche Ideologie ist.

IslamiQ: Warum ist die Thematik Ihres Buches im Lichte aktueller Debatten wichtig? 

Tworuschka: Weil Islamfeindlichkeit, Rassismus und rechte Gesinnung längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. In den Medien wird keine Islamdebatte, sondern eine Islambild-Debatte geführt. Dieses Islambild nivelliert, ist einseitig, voller Vorurteile, oft unzutreffend, zumindest aber einseitig. Es versperrt den Zugang zu einer sachlichen und profunden Auseinandersetzung. Wir Autoren finden erschreckende Parallelen zu dem Antijudaismus der Nazizeit. Die heute in manchen Kreisen geäußerten Schuldzuweisungen, Diffamierungen und rassistischen Vorurteile gegenüber Muslimen erinnern fatal an eine Zeit, in der alles „Jüdische“ unter Generalverdacht stand.

Diese in Form eines Neorassismus auftretende gruppenbezogene Islamfeindlichkeit macht alle Menschen aus bestimmten Herkunftsländern ausnahmslos zu Muslimen. Dabei werden weder die geschichtliche Vielfalt und unterschiedlichen Interpretationen des Islam berücksichtigt noch wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die Religion nicht das einzige Erklärungsmuster für das Verhalten von Menschen ist. Jede Persönlichkeit setzt sich aus unterschiedlichen und veränderbaren Identitäten zusammen, von denen die Religion nur eine ist. Folglich stellt es eine unverantwortliche Verkürzung dar, dem Islam Religion die Hauptschuld an allen mit Migration, Integration, Gewalt, Demokratieferne, Menschenrechtsverletzung und Gender zusammenhängenden Problemen zuzuweisen.

IslamiQ: „Beim Lesen guter Bücher wächst die Seele empor.“ Warum trifft dieses Zitat von Voltaire auf Ihr Buch zu?

Tworuschka: Weil unser Buch dazu beitragen kann, dass wir uns der Gemeinsamkeiten der drei Abrahamsreligionen und ihrer Verantwortung für die Probleme der Gegenwart wie Gewalt, Rassismus, Umwelt, Fremdenfeindlichkeit, Grenzfälle menschlichen Lebens (Geburt, Alter, Tod), Bildung, Altenpflege, Gefängnis und Notfallseelsorge wieder stärker bewusst werden. Menschen, die ihre Religion(en) ernstnehmen, können zu gelingendem Miteinander in unserer Gesellschaft beitragen.

IslamiQ: Ihr Buch in drei Wörtern zusammengefasst?

Tworuschka: Aufklärend, provokativ, versöhnend.

IslamiQ: Eine spezielle Frage für Sie: Wie können Muslime und Nichtmuslime dazu beitragen, die aktuelle negative Wahrnehmung gegenüber dem Islam zu verbessern?

Tworuschka: Muslime und Nichtmuslime sollten im Gespräch offen und ehrlich mit den Vorbehalten und Ängsten des anderen umgehen. Man sollte auch unterschiedliche Auffassungen nicht verschweigen, jedoch respektieren. Hilfreich ist das Zugeständnis, dass es sowohl in der christlichen als auch der islamischen Geschichte und Gegenwart problematische Strömungen und unheilvolle Verflechtungen von Religion und Machtpolitik gegeben hat und gibt. Gelungene Gespräche und Begegnungen, Offenheit bei kritischen Fragen, gemeinsame Projekte, gute Nachbarschaft, Zusammenarbeit in Gemeinden, Kindergarten, Schulen und sozialen Einrichtungen tragen dazu bei, dass man sich besser versteht und noch mehr auf den anderen zugeht. Dafür gibt es genügend praktische Beispiele!

Leserkommentare

Kritika sagt:
L.S. An die Buch Autoren: Der Header lautet " Dem Islam die Hauptschuld zu geben ist unverantwortlich“ ------- Und weil der Header dermassen vage gestellt ist, wirft er gleich einige Fragen auf: - - Wie heisst denn das Fenomen, für das - - nach Meinung des Verfassers - dem Islam die Hauptschuld gegeben wird? - - Wer ist es, der dem Islam der Hauptschuld für das ungenannte Fenomen gibt? - - Wer, ( wenn nicht der Islam selber), trüge -- aus Sicht des Verfassers -- dann die Hauptschuld für das ungenannte Fenomen? Wenn der Islam nicht " Hauptschuldige" ist, hat er dann wenigstens zur Schuld beigetragen? Auf welcher Weise? Tragen uneinsichtige KopftuchFrauen zur Ablehnung / Feindschaft der " Sekte mit dem Kopftuch" bei? darauf kommt der Bericht nicht, Ausgewogenheit ist offen sichtlich nicht gefragt. Wie kann man Kopftuch/Nikab -Frauen daran hindern, IslamFeindschaft zu schüren Hätte man Kopftuch- Burka- Hijab- Burkini - Frauen bei Gericht,in der Öffentlichkeit, in Schulen ( wie in Frankreich, Die Niederlande, Österreich Belgien - - ) auch in Deutschland nicht schon längst verbieten sollen, mit ihrem StreitSymbol zu provozieren? In den genannten Ländern hat dieses Verbot erfreulich zur Neutralisierung und Beruhig in der Öffentlichkeit geführt. Wenn in Deutschland Hijab in der Öffentlichkeit verboten würde, dann gäbe es keine Kopftuch Belästigung mehr. Die Buchbesprechung geht darauf nicht ein. Das neue Buch - nach der Besprechung zu urteilen - ist ein wertloses Islam-Propaganda-Buch, geschrieben von einem Autor, der keine rosa-Islam-Brille trägt, sondern eine tief-rote -Islambrille. Daher ist das Propaganda-Buch, wie der Islam selber, überflüssig wie ein Kropf. Kritika meint: Je weniger Islam in der Öffentlichkeit präsent ist, umso friedlicher die Fussgängerzone, umso intensiver kann die Gefahr der Islamisierung entgegen gewirkt werden, Umso besser können die Tot-ernsten, realistischen Gefahren, die vom Islam ausgehen, überwacht und neutralisiert werden. Gruss, Kritika
05.04.19
0:06
Frederic Voss sagt:
Warum sollen ausgerechnet die Bücher dieses Ehepaares den Islam richtig und wahrhaftig darstellen? Bücher von Islam-Kritikern, die es zahlreich gibt, werden liebend gerne übergangen. Entsprechende Interviews dazu sind hier nur ein frommer Wunsch. Islam-PR heisst die Devise.
05.04.19
0:12
Dilaver Çelik sagt:
Vielen Dank für diesen Beitrag. Werde mir das Buch in absehbarer Zeit anschaffen. Den Vorkommentatoren hingegen rate ich dringend zu einer Psychotherapie und zu einem guten Buch zur Stärkung des Selbstwertgefühls, da ihnen das oben thematisierte Buch von Monika und Udo Tworuschka da nur bedingt weiterhelfen kann.
05.04.19
15:47
Karl-Otto Porip sagt:
Diese Seite wird finanziert ( durch Werbung zumindest) von IGMG --- noch Fragen.
05.04.19
16:49
Emanuel Schaub sagt:
So wenig wie man(n) denBuddhismus/Christentum/Judentum "richtig" darstellen kann :bekanntlich gibt es diese Religionen nicht ;sondern nur Menschen ,die sich so nennen,und behmen als gäbe es sie. Also an Phantome "glauben" kann auch der Islam nicht beurteilt oder dargestellt werden : NUR Menschen je nach ihrem V e r h a l t e n ,das natürlich gespeisst wird aus der Übernahme von Veröffentlichung der Religiösen Gemeinschaften. Wenn jamand an grüne Männchen auf em Mars glaubt und deshalb ein ethisches Leben führt (bei aller Schwierigkeit hienieden in diesm Kontekst überhaupt zu verwirklichen....) ist er er/sie ein MENSCH! ghruß emanuel
08.04.19
13:18