Schleswig-Holstein

Grüne fordern konfessionsübergreifenden Religionsunterricht

Die Fraktion der Grünen in Schleswig-Holstein fordert anstelle von bekenntnisorientiertem Religionsunterricht einen Konfessionsübergreifenden Religionsunterricht für alle. Religiöse Vertreter sehen den Vorschlag kritisch.

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2018
Religionsunterricht
Symbolbild: Klassenzimmer, Schule © shutterstock, bearbeitet by IslamiQ.

Die Grünen-Fraktion in Schleswig-Holstein will den bisherigen Religionsunterricht in einen interreligiösen „Religionsunterricht für alle“ umändern, wie „In-online“ berichtete. Das plant die Fraktion im Rahmen der Jamaika-Koalition durchzusetzen. Das neue Konzept sieht vor, dass auch Rabbiner und Imame mitunterrichten. Der Unterricht richtet sich dann alle Schüler sämtlicher Religionen und Konfessionen, sowie an Atheisten. „Denn es ist doch grundfalsch, Klassen gerade dann auseinanderzureißen, wenn im Unterricht über Werte gesprochen wird“, so die Grünen-Politikerin Eka von Kalben. Der bisherige evangelische und katholische Religionsunterricht wird gemäß dem Schulgesetz „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Kirchen“ erteilt. Nun sollen auch andere Religionsgemeinschaften einbezogen werden. Wie dies konkret realisiert werden soll ist innerhalb der Partei noch nicht zu Ende diskutiert worden. Grundsätzlich plädiert die Partei für Staatsverträge mit den Religionsgemeinschaften, wie beispielsweise mit der Schura Schleswig-Holstein oder dem „Bündnis der islamischen Gemeinden in Norddeutschland“. Dies würde auch die Einführung von islamischem Religionsunterricht überflüssig machen.

Die Jamaika-Koalition ist sich aber noch nicht einig, ob der Vorschlag der Grünen überhaupt umgesetzt wird. CDU-Bildungsministerin Karin Prien sieht keinen Bedarf für eine Umstrukturierung des Religionsunterrichts. Das bisherige Angebot erhalte positive Resonanz und interreligiöse Themen seien schon jetzt Teil des Lehrplans.

Auch die FDP zeigt sich zurückhaltend, denn die Inhalte von Religionsunterricht sollten nach Meinung der Fraktion nicht pauschal staatlich vorgegeben werden. Daher sei man dafür sich zunächst mit Vertretern der Schulen und Religionsgemeinschaften zu beraten. Unterstützung erhalten die Grünen hingegen von der oppositionellen SPD.

Religiöse Vertreter kritisch

Religiöse Vertreter sehen den Vorschlag allerdings kritisch. „Jede Religionsgemeinschaft sollte nach ihrem eigenen Bekenntnis, Selbstverständnis und gemäß ihrem Recht auf Selbstbestimmung ihren eigenen Religionsunterricht erteilen. So sieht es das Grundgesetz auch vor. Denn erst aus einer eigenen religiös fundierten Identität heraus kann Dialogfähigkeit entstehen“, kommentiert der ehemalige Islamratsvorsitzende Ali Kizilkaya den Vorschlag.

Auch die Kirchen, die von einer solchen Änderung unmittelbar betroffen wären, lehnen diesen Vorschlag ab. „Man kann den konfessionellen Unterricht auf der verfassungsrechtlichen Grundlage nicht einfach durch einen interreligiösen Unterricht ersetzen, auch wenn das immer wieder angeregt und diskutiert wird“, sagt Peter Schulze, Vize-Sprecher der evangelischen Nordkirche. Außerdem seien interreligiöse Themen und Kooperationen mit anderen Religionsgemeinschaften schon lange Teil des Unterrichts.

Beate Bäumer, die Leiterin des Katholischen Büros in Kiel lehnt den Vorschlag der Grünen ebenfalls mit Vehemenz ab. Religionsunterricht sei „kein buntes Allerlei und keine Folklorekunde, wo es um etwas Ethik und Kultur geht“, so Bäumer. Schüler bräuchten ihrer Ansicht „eine fundierte religiös-konfessionelle Bildung, um sich selbst in religiösen Fragen positionieren und dialogfähig werden zu können“. Daher plädiere sie auch für die Einführung von islamischem Religionsunterricht an Schulen.

Bisher wird in Schleswig-Holstein nur evangelischer und katholischer Religionsunterricht an Schulen angeboten. Schüler, die keiner dieser beiden Konfessionen angehören, können Auf Antrag ebenfalls am Religionsunterricht teilnehmen. Betroffen sind etwa 44 Prozent der Schüler.

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Daß die selbsternannten oder sich vordrängenden Vertreter ihrer Religionsgruppierungen all das hier kritisch beäugen, das ist doch klar. Sie sehen ihre Pfründe den Bach hinuntergehen. Und nach ihrem Selbstverständnis betrachtet sich letztlich jede religiöse Gruppierung mehr oder weniger in dem Glaubenswahn behaftet, daß ausgerechnet sie die höchste absolut-ewige und unverrückbare Wahrheit darstellen und vertreten würde. Von daher sehe ich sowieso alle Vertreter absoluter Wahrheiten stets höchst kritisch. Der sehr kritische Historiker Karlheinz Deschner sagte einmal folgenden fulminanten und bissigen Aphorismus-Satz: "Jeder Verkünder absoluter Wahrheiten ist immer ein absoluter Lügner".
01.11.18
11:27
Charley sagt:
Lustig und naiv, die Grünen! Das Bundesverfassungsgericht sieht Religionsunterricht nur als gegeben an, wenn die Religion als "wahr" dargeboten werde, nicht aber bei bloßen religiösen Bezügen im Unterricht. Die Idee ist natürlich selbst genial, weil dann Religion zentral aus dem Wesen des Menschen (als Funktion des Menschen!) heraus geboren werden muss. Aber dazu bräuchte es ein Verständnis des Menschseins, welches in keiner Religion/Konfession soweit vorhanden ist. Geistig erweckte Menschen könnten dazu in der Lage sein, aber weder "Religionsunterricht einrichtende Politiker" noch irgendwelche Konfessionsvertreter hätten dieses Niveau. Insofern ist die Aussage von Ali Kizilkaya "Denn erst aus einer eigenen religiös fundierten Identität heraus kann Dialogfähigkeit entstehen“ nichts anderes als eine Begegnung von Betonköpfen, die sich krampfhaft an ihre Dogmen/Grundsätze/"religiöse Folklorepraktiken" klammern und jegliches Andere als Verunsicherung ablehnen. Da kommt höchstens ein Blick über den Gartenzaun bei heraus. D.h. das Problem liegt in der dogmatischen Vernageltheit der Religionen/Konfessionen. Der "Hauptnenner" liegt oberhalb des zeitgenössischen, vorstellungsverhafteten Bewusstseins! Vielleicht träumen die Grünen davon, eine Ahnung davon haben sie sicherlich nicht.
02.11.18
10:35
Kritika sagt:
L.S. Bekennender Relli Unterricht oder solcher bei der -- welche Religion auch immer -- als "Wahrheit " verkauft wird, besitzt das Niveau einer Märchenstunde. Wer Schüler irgendetwas anderes als gesicherte Fakten beibringt, der lügt. Religionsfreie Lehrer sind am besten geeignet, informativ und neutral zu berichten über Moses, Jesus, Buddha, Joseph Schmith, Mohammed usw. Gruss, Kritika
04.11.18
1:13
Charley sagt:
@Kritika: es ist ein Dauermärchen, dass Sie hier als Vertreter einer materialistischen Weltanschauung auftischen. Schon im Mitmenschlichen ist Glaube an den Anderen das Wichtigste überhaupt: Glaube an die Vertrauenswürdigkeit des anderen, Glaube an die Liebe des Ehepartners, Glaube an sich selbst... es ließe sich endlos weiter führen. Alles Dinge, die sich nicht als Fakten sichern können. Wer in diese Erfahrungswelt der Seele eintaucht, erkennt (!) dann schnell, dass dieses nicht nur als private Illusion von Nerven-Stoffwechsel-Haufen (von Ihnen wohl "Mensch" genannt) zu erklären ist, denn warum sollten diese "Nerven-Stoffwechsel-Haufen" sich erst diese Selbstillusion aufbauen, wenn die materialistische "Wirklichkeit" doch viel realer/maßgeblicher usw. sein müsste. Schon der einfache Gedanke ist übersinnlicher Natur und doch für die menschliche Entwicklung das Wichtigste. Alles weitere finden Sie bei Fichte uam., die erheblich weiter geblickt und gedacht haben als Sie.
04.11.18
10:00