Studie

Minderheit der Deutschen gegen Flüchtlingsaufnahme

Einer aktuellen Untersuchung zufolge lehnen nur sieben Prozent der Deutschen jede weitere Aufnahme von Flüchtlingen ab. Die Vorbehalte sind trotzdem groß. Islamfeindlichkeit gehöre zu den stärksten Gründen.

20
07
2018
Flüchtlinge © shutterstock.com, bearbeitet by iQ.
Symbolbild: Flüchtlinge, Einwanderung © shutterstock.com, bearbeitet by iQ.

Während in der öffentlichen Diskussion die Extrempositionen am lautesten geäußert werden, sieht die große Mehrheit der Deutschen die Aufnahme von Flüchtlingen differenziert: Nur sieben Prozent lehnen jeden weiteren Zuzug von Flüchtlingen ab. 70 Prozent befürworten einen geregelten Zuzug. Esra Eichener hat in seiner Studie am Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie, Arbeit und Wirtschaft von Prof. Dr. Rolf Heinze an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der RUB die Gründe für die Haltung zur Flüchtlingsfrage untersucht und sie in den Emotionen gefunden:

Wer seine eigene Lebenslage positiv sieht und Mitleid und Sympathie mit Geflüchteten hat, befürwortet den Zuzug eher. Islamfeindlichkeit und Bedenken gegenüber den gesellschaftlichen Folgen gehören zu den stärksten Gründen für die Begrenzung oder Ablehnung der Flüchtlingsaufnahme.

Mitleid ja, Sympathie nein

Grundlage der Arbeit war die allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, die das Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften alle vier Jahre durchführt. Die Auswertung der Angaben von insgesamt 3.240 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit ergab, dass das allgemeine Meinungsbild zu Flüchtlingen und Flüchtlingszuwanderung von gemischten Gefühlen geprägt ist. 78 Prozent der Befragten empfinden Mitleid mit Flüchtlingen. 57 Prozent gaben an, dass ihnen Flüchtlinge nicht besonders sympathisch seien.

In ökonomischer Hinsicht betrachtet ein Großteil der Bevölkerung Flüchtlinge als Risiko, selbst vor dem Hintergrund der demografischen Lage der deutschen Gesellschaft. Während 23 Prozent einen uneingeschränkten Zuzug fordern, sind 70 Prozent zwar grundsätzlich bereit, Flüchtlinge aufzunehmen, befürworten aber einen geregelten Zuzug und fordern Integrationsleistungen der Zuwanderer.

Bitte nicht im persönlichen Umfeld

„Der kulturelle Unterschied wird als außerordentlich groß wahrgenommen, und im direkten persönlichen Umfeld sind Flüchtlinge nicht sonderlich erwünscht“, so Esra Eichener. 64 Prozent der Befragten empfinden Flüchtlinge trotzdem als kulturelle Bereicherung. „Obwohl die Emotionen gegenüber Flüchtlingen im Mittel nicht besonders positiv ausfallen, ist nur eine kleine Minderheit der Deutschen radikal ablehnend eingestellt. Von einer breiten Fundamentalopposition kann keineswegs die Rede sein“, so Eichener.

Leserkommentare

Manuel sagt:
Man muss nicht gleich von Islamfeindlichkeit sprechen, wenn man mit gewissen tiefreaktionären, sexistischen und mittelalterlichen Praktiken des Islams nicht einverstanden ist.
20.07.18
18:13
Frederic Voss sagt:
Islamfeindlichkeit kann und muss auch als Schutzverhalten gegenüber einer Einvernahme durch wahnhafte Glaubensinhalte gesehen werden. Der Glaube an die Autorität von Buchtext-Seiten und an predigende Interpretierer dieser Texte kann sehr gefährlich werden.
21.07.18
9:59
Kritika sagt:
L.S. Vielleicht sollte einmal einer der vielen Doctores, die auf dem sinnlosen Tema 'Islam' promoviert haben, sich überlegen, weshalb es Islamfeindlichkeit gibt, aber - - keine Hindu Feindlichkeit und keine Budismus Feindlichkeit und keine JehovaZeugen Feindlichkeit - - - ? Alles mückenkleine Sekten im einstelligen % bereich. Aber nur eine davon ist auch Mückenlästig. Spontan fällt Kritika die querulantin Lund ein, die in diesem Forum gerade einmal wieder aus der Mottenkiste geholt wurde. Um weitere Ursachen aufzuschreiben fehlt Kritika momentan die Zeit. Vergleichen Sie und Denken selber einmal nach, verehrte Musulmänner und Muselfrauen. Gruss, Kritika
21.07.18
10:04