Islamische Theologie

Historiker leitet Aufbau von Berliner Islam-Institut

In Berlin sollen Imame und islamische Religionslehrer ausgebildet werden. Die Humboldt-Universität etabliert dafür eine neuen Studiengang – trotz einiger Zweifel.

27
03
2017
Islam-Institut an der Humboldt Universität in Berlin
Islam-Institut an der Humboldt Universität in Berlin © mjaysplanet auf flickr, bearbeitet by IslamiQ

Für das geplante Institut für Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität (HU) ist eine wichtige Personalentscheidung gefallen. Hauptamtlicher Gründungsbeauftragter wird der Berliner Mittelalter-Historiker Michael Borgolte (68), wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und HU-Präsidentin Sabine Kunst am Montag bekannt gaben. Borgolte wird die Arbeitsgruppe zum Aufbau des Instituts leiten und den weiteren Prozess moderieren.

Eine Arbeitsgruppe mit Beteiligung muslimischer Vertreter, darunter Vertreter der DITIB und des Zentralrats der Muslime sowie der Islamischen Föderation Berlin, bereiten den Studiengang vor, kündigte der Historiker Michael Borgolte, Gründungsbeauftragter des Instituts für Islamische Theologie, an. Angeboten werden sollen Bachelor- und Masterabschlüsse. Offen ist, ob Arabischkenntnisse erforderlich sein sollen. Ein Bekenntnis zum Islam soll aber keine Pflicht sein.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, der Aufbau des Instituts habe hohe Priorität für den Senat. Die Finanzierung sei mit 13 Millionen Euro bis 2020 gesichert. Er sei sich bewusst, dass die DITIB umstritten sei. „Man muss hingucken und sehen, wie man zusammenarbeitet“, sagte Müller.

Vielfältige Stimmen der Muslime integrieren

Berlin sei mit 300 000 Muslimen und rund 80 Gemeinden die Stadt mit der größten muslimischen Bevölkerung in Deutschland. Eine fundierte Ausbildung sei deswegen angemessen, heißt es in einem Papier zur Vorbereitung des Studienganges.

Auch wenn die islamische Theologie international nicht als wissenschaftliche Disziplin etabliert sei, hätten die fünf anderen Institute in Deutschland bereits positive Erfahrungen gesammelt, betonte Universitätspräsidentin Sabine Kunst. Man brauche etwas Geduld, um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam zu pflegen. Über einen Beirat sollten die „vielfältigen Stimmen der Muslime“ integriert werden.

Dem Beirat sollen theologische Sachverständige der islamischen Religionsgemeinschaften sowie vier Hochschullehrer der islamischen Theologie oder einer nahen Wissenschaft angehören, heißt es in dem Eckpunktepapier. Die Humboldt-Universität nimmt beratend teil.

Kein Gebetsraum für Muslime

Neben den oben genannten muslimischen Vertretern sollen dem Beirat der Verband Islamischer Kulturzentren und die Islamische Gemeinschaft der Schiiten angehören. Mit den Aleviten sei man im Gespräch. Ein Gebetsraum für Muslime ist allerdings nicht vorgesehen. Das Neutralitätsgebot der Universität sei ein hohes Gut, das nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfe, betonte HU-Präsidentin Kunst.

Offen ist, welchem Fachbereich die muslimischen Theologen zugeordnet werden sollen. Die Philosophische Fakultät möchte die Theologen mit Historikern, Philosophen und Bibliothekswissenschaftlern zusammenführen. Von muslimischer Seite hieß es, man wolle eher den Schulterschluss mit der evangelischen Theologie. Im Gespräch war auch eine „Fakultät der Theologien“ mit den Katholiken, die bisher an Freien Universität lehren, und den Protestanten. (dpa, KNA, iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Die so genannten "theologischen" Fakultäten sind verkappte Religionsakademien und sind an den staatlichen Universitäten auf Staatskosten völlig fehl am Platz. Wenn die Angehörigen nur einer Konfession im eigenen Saft schmoren, hat das mit wissenschaftlicher Arbeit rein gar nichts zu tun. Für die Nachwuchspflege ausgewählter Religionsgemeinschaften ist nicht der Staat zuständig - sondern die Religionsgemeinschaften selbst. Der Nachwuchs der poltischen Parteien wird ja auch nicht im Rahmen einer "Fakultät" auf der Universität ausgebildet, sondern in den Parteiakademien (z.B Konrad Adenauer/ Willy Brandt-Stiftung: Auf den Universitäten sollte stattdessen eine konfessionsübergreifende Studienrichtung Religionswissenschaften geschaffen werden, wo jeder unabhängig von Glauben oder Unglauben nach wissenschaftlichen Kriterien lehren und lernen kann.
28.03.17
12:39
Holger Berger sagt:
Bei diesem Institut sollte auch der Zentralrat der Ex-Muslime unbedingt Mitsprache-Rechte haben. Denn diese Experten haben auch tiefe Einblicke in die islamische Theologie gewinnen können. Und wenn das Ganze im Rahmen einer wissenschaftlichen Disziplin strukturiert würde, dann könnte man doch auch intensiv wissenschaftlich erforschen...wie, wann und wo der Engel Gabriel die Koran-Texte diktierte. Eine konfessionsübergreifende Studienrichtung Religionswissenschaften wäre allerdings die optimale Lösung, die alles andere in den Schatten stellt.
28.03.17
16:28