Luckenwalder Rathaus

Praktikantin wegen Kopftuch entlassen

SPD-Bürgermeisterin entlässt Muslima aus dem Rathaus, weil sie sich weigerte ihr Kopftuch abzulegen. Sie durfte im Rahmen eines Flüchtlingsprojekts als Praktikantin arbeiten.

24
08
2016
Symbolbild: Kopftuchverbot
Symbolbild: Kopftuchverbot © by Hernán Piñera auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Einer palästinensischen Praktikantin ist nach Angaben des CDU-Landtagsabgeordneten Sven Petke im Rathaus von Luckenwalde (Teltow-Fläming) gekündigt worden, weil sie ein Kopftuch trug. „Es gibt für diese Entscheidung der Bürgermeisterin keine rechtliche Grundlage“, sagte Petke am Mittwoch.

Das Bundesverfassungsgericht habe geurteilt, dass persönliche Glaubensbekenntnisse etwa mit einer bestimmten Kleidung nicht zu beanstanden sind, sagte der CDU-Politiker, der in Luckenwalde wohnt. Zuerst hatte die „Märkische Allgemeine“ (Mittwoch) über den Fall berichtet.

Laut Petke hatte die 48-jährige Palästinenserin im Rahmen des Projekts „Perspektiven für Flüchtlinge“ ein sechswöchiges Praktikum begonnen. Bereits nach einem Tag habe ihr Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) gekündigt, weil die Palästinenserin ihr Kopftuch nicht ablegen wollte.

Von der Bürgermeisterin war keine Stellungnahme zu erhalten. Der Zeitung sagte sie, in der Verwaltung herrsche der Grundsatz strikter Neutralität. Auch Kreuze in Amtsstuben seien verboten.

Petke vermutet hinter dem Rauswurf politische Motive der SPD-Bürgermeisterin. „Kommendes Jahr ist in Luckenwalde Bürgermeisterwahl und in den sozialen Netzwerken kommt viel Zuspruch für den Rauswurf“, meinte der Landtagsabgeordnete.

AfD: Keine Extrawurst für Muslime

Beifall kam auch sogleich von der AfD. „Wenn das Kreuz in den Räumen des Rathauses nicht zulässig ist, dann darf es auch keine Extrawürste für Muslime geben“, betonte der AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Jung. „Die Bürgermeisterin verdient daher für ihre unbequeme Entscheidung Respekt und keine Schelte“. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Manuel sagt:
Richtig so, wenn es kein Kreuz gibt, dann gibt es auch kein Kopftuch, punkt!
24.08.16
18:48
Ute Fabel sagt:
Laizität und religiöse sowie weltanschauliche Neutralität - gerade im staatlichen Bereicht - verdienen den Respekt aller. Menschen, die diesen Respekt nicht aufbringen können oder wollen, disqualifizieren sich selbst und sind keine Diskrimierungsopfer. Unabhängig vom Kopftuch im Speziellen finde ich es sehr dogmatisch und fast fetischhaft, wenn manche Leute glauben für das Bekenntnis zu einer Religion oder Weltanschauung sei ein bestimmtes Kleidungsstück oder sichtbares Zeichen tagein tagaus unverzichtbar. Das zeugt von einer sehr engstirnigen Gesinnung, mit denen sich Betroffenen besser einmal selbstkritisch auseinandersetzen sollten, bevor sie mit Fingern auf andere zeigen und anderen zu Unrecht mangelnde Offenheit vorhalten. Keinesfalls darf die AfD eine Monopolstellung bekommen, was die Konfrontationsbereitschaft mit solcher religiöser Kleingeistigkeit und Verbissenheit betrifft. Sehr positiv also, dass hier einmal eine SPD-Politikerin sich nicht anbiederend verhalten hat.
25.08.16
12:19
Johannes Disch sagt:
@Manuel Das Verhalten des Rathauses verstößt gegen die Verfassung. Wie können Sie ein Verhalten als richtig bezeichnen, für die es keine rechtliche Grundlage gibt?
25.08.16
13:58
Andreas sagt:
Die Muslime haben nicht gefordert, dass es kein Kreuz geben darf. Außerdem ist ein Kreuz ein Symbol, ein Kopftuch dagegen ein Kleidungsstück, das viele Musliminnen für unerlässlich halten.
25.08.16
14:56
Holger Berger sagt:
Ich kann diese Entscheidung nur begrüßen. Wir brauchen keine religiösen Kopftuch-Demonstrationen in deutschen Rathäusern.
26.08.16
12:35
Manuel sagt:
@Andreas; Das Kopftuch ist ein religiöses Symbol und wenn es kein Kreuz gibt, dann gibt es auch kein Kopftuch!
27.08.16
13:48
Manuel sagt:
@Johannes Disch: Eine Verfassung kann auch geändert werden, es wird endlich Zeit, dass hier der Staat den Säkularismus schützt und nicht ständig dem erzkonservativen bzw. politischen Islam Tür und Tor öffnet. Und ich halte die Entscheidung im Sinne des Säkularismus für richtig!
27.08.16
13:51
Denkt mal ein wenig sagt:
Komisch, aber wacht endlich mal auf. Was hat Kreuz mit Kopftuch zu tun? Ihr habt doch keine Ahnung, was der Islam ist, was das Christentum ist! Wenn ihr denkt, dass wir auf die Welt gekommen seid, um nur essen, trinken und zu feiern, dann schlage ich vor, dass ihr euch mal Grundgedanken macht, warum es überhaupt eine Religion gibt, was der Sinn dafür ist! Einfach nur nach den Gesetzen leben, das bringt Harmonie und man hat ein gutes Gefühl wird nicht bestraft etc. Und wenn einer nicht ein gutes Gedühl dabei hat, indem er nach seiner Religion lebt, dann soll er sich nach Alternativen umschauen und nicht andere Religionen unwissend kritisieren. Ich bin ein Moslem, lebe in Deutschland und es geht mir gut! Schaut mal einfach weniger Nachrichten, das hilft.
27.08.16
20:33
Enail sagt:
@ Andreas: Genau, unerlässlich, um jedem zu zeigen: Seht her, ich bin Muslimin und gehöre der wahren Religion an. Ihr aber, ohne Kopftuch, seid die Ungläubigen, zu euch möchte ich nicht gehören. Ich distanziere mich durch das Kopftuch von euch. Ahmad Mansour sagte in einem Beitrag in der Sendung: Die verlorenen Töchter- Geködert vom IS..... Die islamische Kleidung wird getragen um seine Religion zu demonstrieren und weil man sich nicht zu dieser ungläubigen Gesellschaft gehören möchte. Der Islam zwingt nicht dazu diese Kleidung zu tragen. Sehen Sie sich mal Berichte an die die islamischen Länder, Afghanistan, Pakistan, Iran und Libanon, Saudi Arabien nicht zu vergessen, da sah man weniger Kopftücher als heutzutage in DE.
28.08.16
16:35
Johannes Disch sagt:
@Enail Ahmad Mansour surft auch nur auf der Anti-Islam-Welle. Es ist Unfug, zu behaupten, das Kopftuch würde pauschal eine Abgrenzung gegen "Ungläubige" signalisieren. lg Johannes Disch
04.09.16
23:34
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