Vorurteile

Kirche und Muslime besorgt über gesellschaftliches Klima

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Koordinationsrat der Muslime (KRM) zeigten sich besorgt über das gesellschaftliche Klima in Deutschland. Vorurteile, Ressentiments und sogar üble Beschimpfungen seien dabei, salonfähig zu werden.

05
06
2016
Isfahan Moschee
Gesellschaftliche Verantwortung - ein Muss für alle Menschen © by seier+seier auf Flickr (CC BY- 2.0), bearbeitet islamiQ

Besorgt über das gesellschaftliche Klima in Deutschland zeigen sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der
Koordinationsrat der Muslime (KRM). Stereotype, Vorurteile, Ressentiments und sogar üble Beschimpfungen seien dabei, salonfähig
zu werden, erklärten führende Repräsentanten beider Seiten am Samstag in Köln nach einem Spitzengespräch.

Übereinstimmend erklärten der Ratsvorsitzenden der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und der derzeitige Sprecher des KRM, Burhan Kesici, dass die Religionsgemeinschaften gefordert seien, zur Deeskalation und zum Abbau von Diskriminierungen beizutragen. „Aufgrund von Fernsehbildern von fanatisierten Massenaufläufen oder Triumphgesten von Kämpfern des sogenannten Islamischen Staates setzen manche die Religion des Islam mit fundamentalistischen Ideologien gleich“, sagte Bedford-Strohm mit Blick auf Vorurteile und Stereotype gegenüber Muslimen. Positive Erfahrungen, die dem Vorurteil entgegenstünden, würden vielfach entweder ausgeblendet oder als Ausnahme von der Regel interpretiert.

Kesici erklärte, auch Medienschaffende, Politik und Parteien dürften „nicht das Augenmaß verlieren und die Stimmung weiter anheizen“. Die gemeinsame Aufgabe von Muslimen und Christen in Deutschland bestehe darin, den Anfeindungen gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen deutlich und entschieden zu widersprechen.

Die Gesprächsteilnehmer waren sich laut Pressemitteilung einig, dass dabei auch strukturelle Rahmenbedingungen das Klima verschärfen und die Vorurteilsbildung forcieren können. Hierzu zählten etwa eine ungerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen, ein stark konkurrierender Zugang zu Bildung, Wohnraum und Arbeitsplätzen sowie Mechanismen zwischen Mehrheiten und Minderheiten, die eine Ghettoisierung vorantreiben. (KNA,iQ)

Leserkommentare

Martina Mounir Rogacki sagt:
Wir ALLE haben dazu beigetragen , dass alles so ist wie es ist. Und wir ALLE können auch das wieder ändern -WENN WIR WOLLEN
05.06.16
16:11
Ute Fabel sagt:
Nicht jedes Werturteil ist ein Vorteil. In einer pluralistischen Gesellschaft ist es grundsätzlich legitim den Islam oder jede andere Regelion oder Weltanschauung auch pauschal abzulehnen. Das ist keine Diskriminierung sondern schutzwürdiger Ausdruck der Meinungsfreiheit. Vertreter des Islam sollten endlich aufhören sich nur einem selbstmitleidigem Opfermythos hinzugeben und sich stattdessen daran zu gewöhnen beginnen, dass man sich mit ihrer Religion auch spöttisch-paradistisch auseinanderstetzen darf, so wie das Christentum schon seit langem auf die Schaufel genommen wird (z.B. der Film "Das Leben des Brian" aus dem Jahr 1979). Dialog besteht nicht nur aus gegenseitigem Süßholzraspeln, das wäre für den zivilisatorischen Fortschrittt sogar lähmend und kontraproduktion. Konfrontation ist grundsätzlich nichts Unanständiges und kann eines besse Medizin für die Weiterentwicklicklung sein als sich nur Honig ums Maul zu schmieren.
06.06.16
12:02
Andreas sagt:
@Ute Fabel: Natürlich dürfen Sie den Islam ablehnen, gerne auch pauschal. Es zwingt Sie schließlich niemand, den Islam anzunehmen. Ausdruck der Meinungsfreiheit ist es jedoch nur, wenn Sie sich darauf beschränken, Ihre Meinung zu äußern. Wenn Sie hingegen Einschränkungen für die Ausübung des Islam fordern und durchzusetzen versuchen, ist das sehr wohl Diskriminierung und verstößt gegen das Grundrecht auf Religionsfreiheit. Ob es zudem ein Recht auf Beleidigung gibt und ob das durch die Meinungsfreiheit abgedeckt ist, ist eher fragwürdig. Es fördert sicherlich nicht den Dialog, wenn man sein Gegenüber permanent beleidigt.
06.06.16
18:11
Ute Fabel sagt:
George Orwell hat in seinem Roman "Farm der Tiere" die russische Revolution parodiert, indem er die Kommunisten als Schweineherde dargestellt wird. Er hat damit vielen Menschen die Augen geöffnet und mit seinem literarischen Werk dem humanistischen Fortschritt gedient. Deshalb findet ich es wichtig, dass auch in karikaturhafter Weise Ideologien wie der Islam, der Katholizismus oder auch die Front National parodiert werden, wie das beispielsweise das französische Magazin "Charlie Hebdo" sehr vorbildlich und in ausgewogener Form macht.
09.06.16
7:26
Frag W. Ürdig sagt:
Natürlich wissen Christen und Muslime gleichermaßen, wer die Spalter sind und wo sie ihre FInanziers haben. Wer genau hinsieht weiß, dass nicht die Religiösen miteinander ein Problem haben, sondern die vermeintlich friedvollen Religionskritiker und -ablehner in ihrer Ideologieverblendetheit den Streit suchen. Informieren Sie sich mal, wer gegen Kreuze hetzt: In keinem Fall waren es Muslime, die den Christen ihre Identität rauben wollen.
15.03.17
21:47