Italien

„Kriegstouristen“ sollen im Bosnienkrieg auf Zivilisten geschossen haben

Die Staatsanwaltschaft in Mailand untersucht Vorwürfe gegen mehrere Italiener, die im Bosnienkrieg an sogenannten „Scharfschützen-Safaris“ teilgenommen haben sollen. Sie sollen Geld gezahlt haben, um auf Zivilisten zu schießen.

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Tausende Bosniaken flüchten aus Bosnien © Anadolu Images, bearbeitet by iQ
Tausende Bosniaken flüchten aus Bosnien © Anadolu Images, bearbeitet by iQ

Die Staatsanwaltschaft in Mailand hat Ermittlungen wegen Mordes gegen mehrere italienische Staatsbürger eingeleitet, die während des Bosnienkriegs an sogenannten „Scharfschützen-Safaris“ in Sarajevo teilgenommen haben sollen. Laut einem Bericht der Zeitung La Repubblica sollen die Verdächtigen Anfang der 1990er-Jahre hohe Summen an bosnisch-serbische Soldaten gezahlt haben, um von den Hügeln rund um Sarajevo auf Zivilisten schießen zu dürfen.

Die Klage wurde bereits im Januar vom Journalisten und Schriftsteller Ezio Gavazzeni sowie dem ehemaligen Richter Guido Salvini eingereicht. Das 17-seitige Dokument enthält Zeugenaussagen und Recherchen, die die Anwesenheit italienischer „Kriegstouristen“ im belagerten Sarajevo belegen sollen. In den kommenden Wochen will die Staatsanwaltschaft mit den ersten Zeugenbefragungen beginnen.

Während des Bosnienkriegs starben über 10.000 Menschen in Sarajewo, viele von ihnen durch gezielte Scharfschützenangriffe. Laut den Ermittlern sollen wohlhabende Westeuropäer – darunter Italiener, Deutsche und Franzosen – den serbischen Truppen um Radovan Karadžić Geld gezahlt haben, um an den Angriffen teilzunehmen. Die „Touristen“ reisten demnach von Triest über Belgrad nach Sarajevo, begleitet von serbischen Soldaten.

Bereits 1995 hatte der Corriere della Sera über „Ferien in Bosnien, Schießerei inbegriffen“ berichtet. Neue Aufmerksamkeit erhielt das Thema 2022 durch den Dokumentarfilm „Sarajevo Safari“ des slowenischen Regisseurs Miran Zupanič. Ein darin auftretender Ex-Soldat sprach von westlichen Scharfschützen, die auf Zivilisten feuerten.

Gavazzeni erklärte, er habe mehrere Italiener identifiziert, die an den Taten beteiligt gewesen sein sollen. Einige sollen demnächst vernommen werden. Laut seiner Aussage hätten die Täter „aus Spaß und zur persönlichen Befriedigung“ gehandelt – ohne politische oder religiöse Motive.