DÖW-Bericht

Rechtsextremismus in Österreich: Neue Netzwerke, alte Parolen

Der neue Rechtsextremismusbericht warnt vor einer wachsenden, zunehmend gewaltbereiten Szene in Österreich. Besonders junge Täter und die Normalisierung radikaler Begriffe stellen Politik und Gesellschaft vor neue Herausforderungen.

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01
2026
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Rechtsterrorismus, Rechtsextremisten
Symbolbild: Rechtsextremismus, rechtsextreme Szene © shutterstock, bearbeitet by iQ

Der aktuelle Rechtsextremismusbericht des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) zeichnet ein besorgniserregendes Bild. Im Jahr 2024 stiegen rechtsextreme Tathandlungen um 23 Prozent auf 1.486 registrierte Fälle. Besonders in Wien und Oberösterreich nahm die Gewaltbereitschaft deutlich zu. Laut DÖW entsteht eine neue Generation von Neonazis, die sich weniger ideologisch gefestigt, dafür umso aggressiver zeigt.

Auffällig ist der hohe Anteil junger Täter: Jeder Fünfte war zwischen 14 und 18 Jahre alt. Propaganda wird überwiegend online verbreitet, während der Großteil der strafbaren Handlungen weiterhin im analogen Raum stattfindet. DÖW-Leiter Andreas Kranebitter spricht von der „größten quantitativen Bedrohung für die Demokratie“.

Begriffe wie „Remigration“ normalisieren sich

Zentrale Rolle spielt die sogenannte „Neue Rechte“. Die Identitäre Bewegung um Martin Sellner prägt weiterhin Begriffe und Narrative, die zunehmend in den öffentlichen Diskurs vordringen. Besonders der Begriff „Remigration“ habe sich normalisiert, warnt Projektleiter Bernhard Weidinger. Rund die Hälfte der Befragten im Rechtsextremismus-Barometer befürwortet entsprechende Konzepte – ein Indiz für wachsende gesellschaftliche Akzeptanz.

Der Bericht dokumentiert zudem eine zunehmende Militarisierung der Szene sowie internationale Vernetzungen, vor allem nach Deutschland und Osteuropa. Gleichzeitig habe sich das Verhältnis zwischen Identitären und FPÖ-Jugend weiter verdichtet.

SPÖ will Rechtsextremismus umfassend bekämpfen

Politisch bleibt der Bericht umstritten. Während die FPÖ ihn als parteipolitisch motiviert kritisiert, fordern SPÖ und Grüne entschiedeneres staatliches Handeln. „Die aufgezeigten Entwicklungen sind nicht nur alarmierend, sie machen einmal mehr den politischen Handlungsbedarf sichtbar. Das Anwachsen einer neuen, sehr jungen und gewaltbereiten Szene ist eine ernst zu nehmende Erscheinung“, erklärt die SPÖ-Sprecherin für Erinnerungskultur Sabine Schatz in einer Mitteilung.

Der jährlich erscheinende DÖW-Bericht soll künftig als Frühwarnsystem dienen. Ob daraus nachhaltige politische Konsequenzen folgen, bleibt offen.