Imamausbildung

Wird es den Super-Imam geben?

Seit langem wird über eine Imamausbildung in Deutschland diskutiert. So auch auf der Deutschen Islam Konferenz (DIK). Islamische Religionsgemeinschaften setzen weiterhin auf eine eigene Imamausbildung. Ein Überblick.

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Imamausbildung
Symbolbild: Imame, Imamausbildung

Der Imam steht erneut im Mittelpunkt der politischen Debatte. In seiner Rolle als Vorbeter hat er es nicht leicht. Zum einen muss er den Anforderungen der Gemeindemitglieder gerecht werden, zum anderen die Politik zufriedenstellen. Erstere wollen den Super-Imam, der Prediger, Seelsorger, Jugendarbeiter, Berater, Erzieher und Mentor in einer Person sein soll. Die Politik wiederum hat eigene Vorstellungen davon, wie ein Imam zu sein hat.

Unter anderem mit dem Ziel, Imame in Deutschland auszubilden, wurden an sechs Standort islam-theologische Zentren gegründet. Doch auch sie konnten bis heute keine Imamausbildung anbieten. Vergangene Woche lief das Osnabrücker „Islamkolleg“, das jedoch noch ganz am Anfang steht und umstritten ist.

Schon seit Jahren wird über die Herkunft, Finanzierung und Ausbildung von Imamen diskutiert. Auch in der aktuellen Phase der Deutschen Islam Konferenz, die sich heute jährt, wurde die Imamausbildung in Deutschland als Themenschwerpunkt gewählt. Die Fortschritte innerhalb eines Jahres sind überschaubar. Die großen islamischen Religionsgemeinschaften kritisieren, dass die Politik über die Köpfe der Muslime hinweg debattiert und Entscheidungen fällt. Zugleich machen sie darauf aufmerksam, dass sie schon vor dem politischen Diskurs angefangen haben, in Deutschland sozialisierte Imame auszubilden.

DITIB: „Unser Theologie-Programm ist ein großer Erfolg“

So startete die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) im Jahre 2006 das Programm „Internationale Islamische Theologie (UIP)“ in Kooperation mit der Diyanet. Junge Abiturienten bekommen über UIP die Möglichkeit, ein Studium in islamischer Theologie in der Türkei zu genießen, verbunden mit einem Stipendium. „Das zeigt, dass wir recht früh zukunftsorientiert gehandelt haben“, erklärt der Koordinator der Imamausbildung Eyüp Kalyon auf Anfrage von IslamiQ. Zurzeit arbeiten 120 Religionsbeauftrage, davon 68 weibliche Theologinnen, die das Studium absolviert haben, in DITIB-Moscheen. Dieses Jahr sind 64 neue Religionsbeauftragte hinzugekommen. Weitere werden voraussichtlich im Januar eingestellt.

Anfang des kommenden Jahres wird die DITIB die Ausbildung für „Religionsbeauftragte für Moscheegemeinden in Deutschland“ starten. „Das Besondere an dieser Ausbildung ist, dass es nicht nur Imame ausbildet, sondern unter anderem auch Gemeindepädagogen und Prediger. Es hat einen praktischen Bezug. Die Teilnehmer werden nicht nur lernen, was unsere religiösen Quellen uns mitteilen, sondern sich auch die Fertigkeit aneignen, diese an die Gemeinden weiterzugeben“, so Kalyon weiter. Die gesamte Ausbildung sei auf zwei Jahre ausgelegt. Sowohl männliche als auch weiblichen Theologen können sich für die Ausbildung bewerben. Ferner stehe das Studium auch für Theologiestudenten offen, die in Deutschland ihr Bachelor abgeschlossen haben. Mit der Ausbildung können sich Theologen dazu befähigen, ihren Dienst als Religionsbeauftragte in Moscheen anzutreten.

Islamrat bildet Imame in Berufsfachschule aus

An der Berufsfachschule Muslimischer Führungskräfte (BeMuF) bildet der Islamrat gemeinsam mit der Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) Imame aus. Im Sommer diesen Jahres haben Dutzende junge Imame ihr Abschlussdiplom erhalten und ihre Arbeit als Imame aufgenommen. Der Lehrplan der Berufsfachschule beinhaltet praktische und theologisch-akademische Inhalte. Das Praktikum in Moschegeemeinden der IGMG bereitet die Schüler auf die zukünftige Arbeit vor.

Im Gespräch mit IslamiQ erklärt der Koordinator der IGMG-Imamausbildung Yavuz Yaylak, dass neben diesen Absolveten „in den letzten Jahren Imame eingestellt wurden, die ihre theologische Ausbildung an Universitäten in Deutschland und Europa absolviert haben und die Landessprache in Wort und Schrift beherrschen.“ Darüber hinaus gebe es derzeit Dutzende aktive Imame in den Moscheen des Islamrats und der IGMG, die ihre Ausbildung ganz oder teilweise in Deutschland abgeschlossen haben. Zudem gebe es weitere Imame, die in Deutschland sozialisiert sind, die deutsche Staatsbürgerschaft haben, jedoch ihr theologisches Studium im Ausland absolviert haben.

ZMD bietet Fortbildungen für Imame

Die Kritik der Politik, dass islamische Religionsgemeinschaften ihre Imame in Deutschland ausbilden sollten, habe auch den Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) „in keinster Weise beeinflusst“, auch wenn die Mehrheit ihrer Imame ihre Ausbildung im Ausland absolviert habe. „Wir haben schon immer eine Imamausbildung in Deutschland gefordert“, erklärt ZMD-Generalsekretär Abdassamad El Yazidi auf Anfrage von IslamiQ. Eine genaue Anzahl der in den ZMD-Gemeinden tätigen Imame wurde nicht genannt. Die im Ausland ausgebildeten Imame werden mit regelmäßigen Fortbildungen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten und Fachreferenten weitergebildet.

„Kritik wird Imamausbildung nicht beeinträchtigen“

Eine weitere islamische Religionsgemeinschaft, die ihre Imame in Deutschland ausbildet, ist der Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ). Die Ausbildung des VIKZ zeichnet sich dadurch aus, dass sie „die erste und älteste Imamausbildung überhaupt in Deutschland“ sei. „Unsere Imamausbildung wird in der Wissenschaft und Politik immer wieder positiv aufgegriffen. Sie zeigt, dass eine Imamausbildung auch in Deutschland möglich ist“, erklärt Erol Pürlü, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der VIKZ.

Da die Imame in Deutschland sozialisiert, ausgebildet und eingestellt werden, seien alle Imame der deutschen Sprache mächtig. Aus diesem Grund werde die Kritik seitens der Politik die VIKZ nicht beeinträchtigen. Wie viele der Imame die Ausbildung in Deutschland genossen haben, sei unbekannt. Die Ausbildung zum Imam in VIKZ-Gemeinden dauert 3 Jahre, dem sich ein Praktikumsjahr anschließt. Inhalt der Ausbildung sei die islamische, systematische und praktische Theologie.

Ausbildungsmodelle würdigen und professionalisieren

Die islamischen Religionsgemeinschaften haben ihre eigenen Ausbildungsmodelle, die sie von Jahr zu Jahr erweitert werden. Während die ersten Imame aus dem Ausland bezogen wurden und weder Sprach- oder Landeskenntnisse vorweisen konnten, bilden islamische Religionsgemeinschaften ihre eigenen in Deutschland sozialisierten Imame aus.