Fremdenfeindlichkeit

Psychologe: Falsche Wahrnehmung schürt Angst vor Fremden

Ein Flüchtling soll die junge Susanna vergewaltigt und getötet haben. Der Fall löst bei vielen Besorgnis aus. Das hat auch damit zu tun, wie wir Gewaltnachrichten verarbeiten, sagt ein Wissenschaftler.

11
06
2018
Symbolfoto: Rassismus. © Dennis Skley auf flickr, bearbeitet by IslamiQ.

Der Fall der getöteten Susanna weckt Ängste in Teilen der Bevölkerung, die aus Expertensicht auch durch Fehleinschätzungen entstehen. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir Wahrnehmungsfehlern unterliegen und zur Überschätzung der tatsächlichen Zustände neigen, wenn es um den Zusammenhang von Kriminalität und bestimmten Gruppen geht“, sagte der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner der Deutschen Presse-Agentur.

„Wenn wie jetzt ein schreckliches Verbrechen geschieht und ein Mensch mit Fluchthintergrund der Täter sein soll, dann bleibt uns das viel besser im Gedächtnis hängen als wenn wir allgemein hören würden: Eine junge Frau ist Opfer einer sexualisierten Gewalttat geworden“, erläuterte der Wissenschaftler. Das veranlasse die Menschen leicht zu der Annahme und Fehlwahrnehmung, dass sehr viele oder alle Flüchtlinge so seien: „Wir überschätzen die Größenordnung.“

Der 20 Jahre alte irakische Flüchtling Ali B. steht im Verdacht, die 14-jährige Susanna aus Mainz vergewaltigt und umgebracht zu haben. Ihre Leiche war am Mittwoch in einem Erdloch in Wiesbaden gefunden worden. „Wir kommen zu dem Fehlschluss, dass alle Geflüchteten so sind“, sagte Wagner. Das schüre Angst vor bestimmten Gruppen. „Das führt dann auch dazu, dass es zu Fremdenfeindlichkeit kommt und sich das Thema politisch ausnutzen lässt.“

Man könne den Sorgen aber begegnen, sagte der Psychologe. Etwa indem man sich bewusst mache, dass die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst oder das eigene Kind Opfer einer solchen Tat werde, gering sei. „Das muss man sich vor Augen halten, um die eigene Rationalität und Bewegungsfreiheit zu bewahren.“ Zudem helfe direkter Kontakt, wenn die anonyme Gruppe der Flüchtlinge Ängste auslöse: „Kontakt ist eine sehr effektive Möglichkeit, unangenehme Gefühle bis hin zu Angst zu bekämpfen. Auf die Menschen zugehen, Erfahrungen machen und feststellen: Da gibt es nette und da gibt es weniger nette.“ (dpa/iQ)

Leserkommentare

Charley sagt:
"Ein Flüchtling soll die junge Susanna vergewaltigt und getötet haben. " Bei so einem Einleitungssatz wir einem schlecht! Der Kerl hat gestanden!
11.06.18
16:26
Charley sagt:
der Artikel wurde am 11.6. hier veröffentlicht. Da wurde bereits in den Nachichten (z.B. DLF) mitgeteilt, dass der Verdächtige gestanden habe. Aber hier wird so ein Artikel relativierend eingeleitet mit : "Ein Flüchtling soll die junge Susanna vergewaltigt und getötet haben. Der Fall löst bei vielen Besorgnis aus." Nun, Besorgnis sollte auslösen, wie hier völlig relativierend dieses Thema angesprochen wird. "Falsche Wahrnehmung" gibt es nicht. Es gibt allerdings falsche Beurteilung (gedankliche Bestimmung) von Wahrnehmung. Soviel schon mal zur "Wissenschaftlichkeit". Die banale Aussage, mit der dann aufgebläht die "Relativierung" (s.o.) vollzogen wird ist, dass man über die Gruppenzugehörigkeit nicht scliießen soll auf das Individuum. Boah! Welch ein Tiefsinn! Und wie ist es da mit dem Interesse der Moslems gegenüber der "Gruppe" der Ungläubigen, dem Interesse, dass jemand doch spirituell etwas zu sagen hat, auch wenn er nicht dem moslemischen Glaubensbekenntnis huldigt? Wo pflegt der Islam denn selbst die Achtung vor der Individualität des anderen? Zum Beispiel vor Gericht, wenn die Zeugenaussage einer Individualität per se schon weniger Gewicht hat, weil die Individualität der "Gruppe" der Frauen angehört? Nun, der Islam kann auch nicht über den Tellerrand der Gruppenzuordnung in Mann oder Frau hinaus schauen, weil in dieser Gruppenzuordnung die Individuen ja bis in alle Ewigkeit verharren, entweder als Mann oder als Frau im Nachtodlichen. Also erst einmal die Grundlagen schaffen, bevor man hier so laut das Eingehen auf die einzelne Individualität fordert! D.h. auch heraus gehen aus den Parallelgesellschaften und offen auf die Kultur des Gastlandes zugehen, anstatt sich ängstlich vor Kulturidentitätsverlust abzuschotten.
12.06.18
11:22
Johannes Disch sagt:
Ähem... Ein Flüchtling "soll" Susanna vergewaltigt haben??? Sorry: Es war ein Flüchtling.
12.06.18
11:52
Kritika sagt:
L.S. Götter, die sich als - - Allgütig und Allwissend und Allmächtig (incl. die Macht Hilfe zu leisten) und insgesamt mit 99 solche Sprüche anbeten lassen, sollten, wenn sie nötige Hilfe unterlassen haben, und damit an den Tot eines Menschen mitschuldig geworden sind, vor einem Tribunal geurteilt werden. zB ein Uno-Tribunal in Den Haag. Strafen könnten sein Verbot des heiligen Buches Versagen des Status "Religion" und "SchöpferGott" Betverbot usw. Gruss, Kritika.
13.06.18
20:02
Kritika sagt:
Gruss an Charely, und Joh. Disch. Der Ausdruck "Ein Flüchtling soll die junge Susanna vergewaltigt und getötet haben." hat der Wortwah nach sowohl Ihnen als auch mich spontan sehr geärgert. ---------------- Während wir, Bewohner Deutschlands, uns freuen, in einen Rechtsstaat zu leben und nicht in der Türkei oder Indonesia usw, sollten wir auch persönlich die Regeln dieses geliebten Rechtsstaats beachten. Auch wenn es - - wie in diesem Falle - - sehr schwer fällt. Ich meine natürlich die Regel: Ein Täter ist nicht bereits dann ein solcher, wenn er die Tat zugibt, sondern erst dann, wenn er von - - - - - - rechtskräftig -- --. ( Sie kennen es.) Voller Abscheu vor dem mutmasslichen Verbrecher und genauso auch vor dem mutmasslichen Muslemischen SexualMörder von Freiburg (er ist zwar Muslim und verurteilt, ist aber die Berufung läuft noch) voller Abscheu hoft Kritika, dass beide ihre verdiente Strafe nach unserm Recht und Gesetz erhalten. Gruss, Kfritika
13.06.18
20:33
Ludwig sagt:
Sorry: Der junge Mann und auch seine Geschwister und Eltern sind und waren nie Flüchtlinge, sondern nichts anderes als illegale Migranten. Wer sich in der Botschaft seines Herkunftslandes innerhalb kürzester Zeit einen "Ersatzpaß" besorgen und dann mit dem Flugzeug in sein Herkunftsland ausreisen kann, der war doch nie auf der Flucht, wurde nie verfolgt, sondern ist schlichtweg illegal nach Deutschland eingereist, weil er sich hier ein besseres Leben versprochen hat. Aber das ist auch das Problem unserer ganzen Debatte über die Flüchtlinge. Wir reden immer nur von Flüchtlingen oder Asylbewerbern. Illegale Migrantion gibt es in der Berichterstattung der Medien und nach Meinung unserer Kanzlerin nur an den Außengrenzen der EU. Sobald jedoch jemand illegal die Grenze nach Deutschland überschreitet und Asyl schreit, wird immer nur von einem Asylbewerber gesprochen, ob er einer ist oder nicht. Und das ist auch unser Problem, dass wir nicht differenzieren. Ich glaube kaum, dass uns die wirklichen Asylanten und die echten Kriegsflüchtlinge, egal ob sie Christen oder Muslime sind, echte Probleme in Deutschland bereiten. Alle diese Menschen, jeglichen Glaubens, werden froh sein, dass sie in Deutschland in Sicherheit sind. Wer uns aber die Probleme macht, das sind die illegalen Migranten, die nur kommen, um unser Sozialsystem auszunutzen. Aber die werden auch nie damit zufrieden sein, was wir ihnen bieten können. Neben dem Fall Susanna gab es auch weitere Fälle von Vergewaltigungen und Tötungsdelikten durch sogenannte "Flüchtlinge. In den Fällen, die mir bekannt sind, handelt es sich bei den Tätern aber immer nur um illegale Migranten. Wir sollten jetzt endlich in den öffentlichen Diskussion über Zuwanderung zwischen echten Asylanten, echten Flüchtlingen und illegalen Migranten unterscheiden und diese auch entsprechend benennen.
16.06.18
0:04
Johannes Disch sagt:
@Ludwig (16.06.18, 0:04) Das ist in der Tat eine wichtige Unterscheidung zwischen Asylsuchenden und illegalen Migranten. Was es braucht, das ist endlich ein Einwanderungsgesetz, damit Einwanderung und Asyl endlich getrennt werden. Bisher läuft alles über die Schiene "Asyl." Und es braucht endlich eine europäische Asylpolitik und eine europäische Asylbehörde.
19.06.18
10:49