ARD

Toleranzkomödie um den Bau einer Moschee

Der TV-Film „Der Hodscha und die Piepenkötter“ wirft sich in die Klischees rund um religiösen Fundamentalismus und kleingeistige Ressentiments. Er wird am 17. Februar ausgestrahlt.

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02
2016
Medien beeinflussen den gesellschaftlichen Diskurs © by espensorvik auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Eine neue Moschee soll gebaut werden, viele der nichtmuslimischen Bürger sind dagegen. Für die Bürgermeisterin Ursel Piepenkötter (Anna Stieblich) gilt das eigentlich nicht, doch sie lässt sich von ihrem innerparteilichen Konkurrenten Dr. Schadt (Fabian Busch) in die Enge treiben. Die ARD zeigt die Culture-Clash-Komödie am Mittwoch um 20.15 Uhr.

Weil Schadt bei einer Kandidatur wohl in der Lage wäre, die Ressentiments vieler Wähler zu mobilisieren, muss Piepenkötter ihm den Wind aus den Segeln nehmen. Und so lässt sie sich ein auf ein bürokratisches Tauziehen mit der Baubehörde einerseits und ein chaotisch-zwischemenschliches Gestichel mit Nuri Hodscha (Hilmi Sözer), dem neuen Geistlichen der türkischen Gemeinde Lautringens, andererseits.

Bei DasErste.de ist die Komödie bereits vom Montag, 15. Februar, an online abrufbar. „Der Hodscha und die Piepenkötter“ ist eine Produktion der Olga Film im Auftrag des WDR für Das Erste. Das Drehbuch schrieb Gernot Gricksch nach dem gleichnamigen Roman von Birand Bingül.

Leserkommentare

Manuel sagt:
Zumindest in der Romanvorlage setzt Nuri Hodscha aber z.B. auch Kopftuch und Burkini als Kampfmittel ein, und zwar ausdrücklich (und nicht etwa von mir hineininterpretiert). Der Roman schießt nämlich in alle Richtungen.
15.02.16
14:03
Burak sagt:
*Spoilerwarnung* Der Film ist an vielen Stellen sehr witzig. Bei den muslimischen Charakteren des Films scheint die Balance zwischen radikalem Fanatiker ("Osman") und eloquentem, weltoffenen, religiösen Hodscha ("Nuri") auf den ersten Blick gelungen. Ganz dem Genre der Komödie entsprechend ist die überzogene Darstellung von Osman meines Erachtens nicht beleidigend, sondern geschickt kritisch und lustig. Es werden nie Glaubensinhalte lächerlich gemacht, sondern der Charakter selbst. Ziemlich schnell kann sich der Zuschauer mit Nuri anfreunden. Ein Hodscha, der sich um seine Gemeinde kümmert, sich um seine Tochter sorgt, für eine neue Moschee kämpft und mit seinem selbstbewussten Auftreten gegenüber der Bürgermeisterin einiges an Sympathie gewinnt. Auch seine menschlichen Züge - geschiedene Ehe, Musikliebe etc. - wirken nicht fremd und entsprechen der Lebenswirklichkeit. Diese Ausgewogenheit kehrt sich ab der Hälfte des Films jedoch in das Gegenteil um. Plötzlich trifft sich "Nuri" mit der Bürgermeisterin an abgelegenen Orten, um über den Moscheebau zu sprechen. Wegen des noblen Vorhabens nachvollziehbar, würde er nicht auf ein Mal anfangen trotz seines anfänglichen Zögerns ("Nein Danke, ich trinke kein Alkohol") Alkohol zu konsumieren. Nun liegt "Nuri" mit der Bürgermeisterin betrunken auf dem Boden und träumt über seine Lieblingsband. Nuris Tochter verliebt sich in den Sohn der Bürgermeisterin. Was dabei anstößig ist: Obwohl "Patrick" anfänglich ihre Haare sehen möchte, reagiert sie empört ("Du sag' mal spinnst du?"). Nachdem sie aber gegenseitig ihre Gefühle erwidern, treffen sie sich wiederum abgelegen und "Hülya" fordert "Patrick" auf, sich umzudrehen. Sie hat ihr Kopftuch abgezogen und präsentiert ihrem Freund ihre Haare. Die Bürgermeisterin später zu ihren Sohn: "Euer erotisches Vorspiel bestand darin, dass sie sich ihr Kopftuch abgezogen hat." Auch die Details bzgl. "Osmans" Frau "Cicek" sind nicht ganz ohne. "Cicek" trägt eine Burka, ihr Gesicht ist also auch verschleiert. Am Ende des Films aber, nachdem sie sich von "Osman" emanzipiert, wirft sie mit einer deutlichen Gestik die Gesichtsverschleierung weg. Die Message: Sie wurde zur Burka gezwungen. Nun ist die Burka vielen Gelehrten zufolge keine Pflicht und "Cicek" ist auch nach dem Wegwerfen ihres Gesichtsschleiers verhüllt. Die Geste richtete sich also nicht gegen die Verhüllung an sich, sondern gegen den Gesichtsschleier. Aber auch das ist fragwürdig und ein ungerechtfertigter Vorwurf an alle Frauen, die selbstentschlossen die Burka tragen. Die positiven Details, namentlich insbesondere die Wandlung von Bürgermeisterin "Piepenkötter", die am Ende die Baugenehmigung für die Moschee doch erteilt, gehen zwischen den genannten Punkten unter. Fazit: Ein an vielen Stellen witziger, aber im Endeffekt enttäuschender Film. Die Ausgewogenheit der Charaktere wird am Ende doch wieder verworfen. Der sympathische "Nuri", der im Gegensatz zu "Osman" einen "Otto-Normal-Muslim" verkörpern soll, konsumiert Alkohol, das Kopftuch wird wie ein Accessoire dargestellt, von der man sich für seine Liebe entledigen könne, und die muslimische Frau ist nur dann emanzipiert, wenn sie ihren Freund knutscht und den Schleier ablegt. Was vielversprechend begann, endete wieder in Stereotypen.
16.02.16
14:16
Manuel sagt:
@Burak: Klar, dass sowas einem Vertreter des erzkonservativen Islams nicht passt, der sogar soweit geht ein eindeutiges Symbol des Islamismus und der Frauenunterdrückung, wie die Burka zu verteidigen. Ich fand den Film richtig gut, der aufzeigt, dass man sich eben nicht ständig an irgendwelche Dogmen und Vorschriften aus der Vergangenheit halten muss, sondern das das Glücklichsein im Vordergund steht.
17.02.16
14:26