Hinz und Kunst

„Mein Hintergrund bin ich“

„Die Kunst ist frei“. Frei von Grenzen und Debatten. Künstler mit muslimischem Migrationshintergrund nutzen die Freiheit und zeigen deutlich: Wir gehören zu Deutschland. Heute der Stand-Up Comedian Pu.

04
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2015

Würdest Du Dich bitte vorstellen?

Pu. 27-jähriger Stand-Up Comedian, Autor, Schauspieler & Moderator. Gebürtiger Westfale (Münster). Eltern aus dem Iran.

Was möchtest Du mit Deiner Arbeit bewirken?

Ich möchte Menschen zum Lachen und Nachdenken bringen. Lachen verbindet und bringt Menschen zusammen genauso wie Sport oder Musik. Wenn unterschiedliche Menschen über dasselbe lachen, ist dies der Beweis für Gemeinsamkeiten. Ein Lachen ist auch eine sehr ehrliche Emotion, da man diesen Reflex nicht unterdrücken oder leugnen kann. Außerdem lasse ich in meiner Comedy Rezipienten die Welt durch meine Augen sehen. Ein solcher Wechsel des Blickwinkels erweitert den Horizont.

Ist Dir Dein kultureller und/oder religiöser Background wichtig?

Mir ist es weniger wichtig als meiner Umwelt. Ich finde Religion ist Privatsache. Jeder soll für sich entscheiden, was richtig ist. Ich finde es falsch, stolz auf seine Herkunft oder Religion zu sein. Stolz kann man auf Leistungen sein. Ich bin stolz auf mein Abitur oder meinen Hochschulabschluss. Wo man auf die Welt kommt und welcher Religion man angehört, sind Dinge in die man reingeboren wird. Ich glaube an Gott und bin stolz, dass ich verschiedene Kulturen in mir vereine.

Wie stark beeinflusst Dein Background Dein künstlerisches Schaffen?

Mein Hintergrund bin ich. Weil es mein Leben beeinflusst, beeinflusst es auch automatisch meine Kunst. Es ist insoweit Teil meiner Kunst, wie es Teil meiner Person ist. Ich mache also keine gezielte „Ausländer“- oder „Ethno-Comedy“ wie es die Fachpresse gerne nennt. Ich mache Comedy, in der ich mein Leben thematisiere. Und da ich Deutscher bin, dessen Eltern aus dem Iran stammen, spiegelt sich das in meiner Kunst wieder.

Studien attestieren eine steigende anti-islamische Stimmung in Europa. Bist Du persönlich Diskriminierungen dieser Art ausgesetzt?

Ich bin dieser Art der Diskriminierung nicht mehr ausgesetzt als Diskriminierung aufgrund der Herkunft meiner Eltern bzw. meiner Wurzeln. Und angesichts meiner Erfahrungen in anderen Ländern der Welt, bin ich mir bewusst, dass wir es hier gut haben. Ungerechtigkeit gibt es immer und überall. Und ich habe solche nicht nur einmal am eigenen Leib erfahren müssen. Dennoch mag ich es nicht mich in die Opferrolle stecken zu lassen. Ich bin eine Kämpfernatur und was mich nicht tötet, macht mich stärker.

Denkst Du, dass der Islam zu Deutschland gehört? Wieso?

Natürlich gehört der Islam inzwischen zu Deutschland, genauso wie Homosexualität oder Meinungsfreiheit, weil Deutschland offen ist. Dass es Menschen gibt, die das nicht wahrhaben wollen, wird leider immer so bleiben. Dieses Problem ist menschlich und nicht lokal. Aber ich finde, man sollte Politik und Religion nicht vermischen. Es ist gleichermaßen traurig, wenn Muslime sich nicht als Deutsche sehen, obwohl sie hier leben und/oder geboren sind. Deutschland ist eins der tolerantesten Länder der Welt und wir tragen einen Teil dazu bei

Leserkommentare

otto sagt:
sehr interessante Ansichten Pu - sehr erfrischend !
11.04.15
18:47