IDZ-Jena

Studie: Rassismus gegen Schwarze Menschen ist Alltag in Deutschland

Beleidigungen, Drohungen und Ausgrenzung gehören für viele Schwarze Menschen in Deutschland zum täglichen Leben. Eine Studie aus Jena warnt vor einem tief verankerten strukturellen Problem.

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12
2025
Symbolbild: Schwarze Menschen und Muslime am meisten von Rassismus betroffen © shutterstock, bearbeitet by iQ
Symbolbild: Schwarze Menschen erleben Rassismus im Alltag © shutterstock, bearbeitet by iQ

Rassismus gegenüber schwarzen Menschen ist nach Einschätzung von Forschenden in Deutschland längst Teil des Alltags geworden. Er sei kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Problem der gesamten Gesellschaft, heißt es in einer Studie des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ), die in Jena vorgestellt wurde. Die Folgen für Betroffene seien gravierend und reichten von Einschränkungen der Selbstbestimmung bis hin zu erheblichen Belastungen der psychosozialen Gesundheit.

„Was viele als Einzelfälle abtun, betrifft Schwarze Menschen in nahezu allen Lebensbereichen“, sagte die Mitautorin der Studie, Laura Dellagiacoma. Rassistische Hassrede sei tief in gesellschaftlichen Strukturen verankert und gehe keineswegs nur von rechtsextremen Milieus aus. Häufig erlebten Betroffene Diskriminierung auch im Kontakt mit Behörden, der Polizei, in der Politik oder im Arbeitsumfeld.

Drei von vier Befragten erlebten Online-Rassismus

Die Ergebnisse der bundesweiten Befragung von 1.008 volljährigen Menschen, die sich selbst als schwarz oder afrodeutsch identifizieren, zeichnen ein deutliches Bild: Drei von vier Befragten gaben an, online bereits persönlich rassistisch beleidigt worden zu sein, 26 Prozent sogar häufig. Fast alle Teilnehmenden (88 Prozent) waren bereits mit rassistischen Hassbotschaften in sozialen Netzwerken konfrontiert. Drei von fünf berichteten zudem von rassistischen Drohungen.

Viele Betroffene reagierten mit Rückzug und mieden bestimmte Orte, Veranstaltungen oder digitale Plattformen. Gleichzeitig engagierten sich zahlreiche Befragte weiterhin gegen Rassismus und leisteten politische Arbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Studie formuliert Handlungsempfehlungen

Die Studienautorinnen und -autoren formulieren fünf Handlungsempfehlungen, darunter mehr rassismuskritische politische Bildung, eine konsequentere Ahndung von Hassrede im Netz, unabhängige Beschwerdestellen sowie eine stärkere finanzielle Förderung von Initiativen Schwarzer Communitys. Auch Medien stünden in besonderer Verantwortung, sagte Dellagiacoma, da sie beim Abbau rassistischer Vorurteile eine zentrale Rolle spielten.

Der wissenschaftliche Leiter des IDZ, Axel Salheiser, betonte, Rassismus erfordere eine gesamtgesellschaftliche Antwort mit politischem Rückhalt und strukturellem Schutz für Betroffene. Zugleich brauche es die aktive Mitwirkung weißer Menschen, damit Schwarze Menschen nicht weiterhin allein mit rassistischen Angriffen gelassen würden.

Leserkommentare

grege sagt:
Zweifellos ist Rassismus ein tiefgreifendes Problem unserer Gesellschaft, das volle Aufmerksamkeit verdient. Dennoch hinterlässt die Urheberschaft solcher Berichte einen faden Beigeschmack, wenn man die Hintergründe der beteiligten Akteure betrachtet. Das Portal IslamiQ steht in enger Verbindung zur IGMG (Millî Görüş), einer Organisation, deren Gründer Necmettin Erbakan zeitlebens durch rassistische und antisemitische Hetze gegenüber jüdischen Menschen auffiel. Bis heute fehlt in diesen Kreisen eine glaubhafte und tiefgreifende Distanzierung von diesem ideologischen Erbe. Es wirkt widersprüchlich, wenn Organisationen Diskriminierung in Deutschland lautstark anprangern, während sie gleichzeitig Rassismus in den eigenen Reihen sowie in der Türkei oder anderen muslimisch geprägten Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas konsequent verschweigen oder leugnen. Der dort dokumentierte antischwarze Rassismus und die Ausgrenzung von Minderheiten finden in der Agenda dieser Verbände keinen Platz. Wer den Kampf gegen Rassismus glaubwürdig führen will, darf nicht auf einem Auge blind sein. Eine selektive Wahrnehmung von Diskriminierung, die nur die eigene Gruppe als Opfer sieht, aber interne Vorurteile und Menschenrechtsverletzungen in Bezugsländern ignoriert, instrumentalisiert das Thema für die eigene Agenda. Echter Antirassismus muss universell sein – und dazu gehört auch die kritische Aufarbeitung der eigenen Geschichte und Ideologie.
01.01.26
12:46
Cumali Mol sagt:
@grege: Wollen Sie wirklich allen Ernstes und ohne Gewussen, Tyrannen, die einen länger als 80 Jahre andauernden Völkermord zu verantworten haben in Schutz nehmen und mit dunkelhäutigen Menschen vergleichen, die nichts derartiges verbrochen haben? Wenn Sie sich um jüdischstämmige Menschen sorgen, wirken Sie mit bei der Repatriierung des Osmanischen Reiches. Von Gerechtigkeit profitieren alle Völker. Am besten Sie tun es meiner Wenigkeit gleich und schmpcken ihr Arbeitszimmer mit einer Fahne des Osmanischen Reiches. Damit wäre geholfen. Das zionistische Regime kann sich nicht mehr hinter den Opfern der Deutschen verstecken. Die Zeitepoche haben wir - الله sei Dank - hinter uns gelassen. Auch wenn es für jüngsten Opfer in Gaza sehr schmerzhaft war und ist.
05.01.26
12:39