Europa

Corona-Zeiten sind schlechte Zeiten für Rechtspopulisten

Europas Rechtspopulisten haben in Corona-Zeiten Federn gelassen. Im Umgang mit der Pandemie setzen sie auf unterschiedliche Strategien. Nur Grenzkontrollen finden sie alle immer noch gut – diesmal für den Infektionsschutz.

10
08
2020
Verfassungsschutz, Brandenburg, Rechtsextremisten, Corona-Krise © Shutterstock, bearbeitet by iQ. Verfassungsschutz, Rechtsextremisten, Corona-Krise © Shutterstock, bearbeitet by iQ.
Verfassungsschutz, Brandenburg, Rechtsextremisten, Corona-Krise © Shutterstock, bearbeitet by iQ.

Weniger EU, weniger Migration – vor der Pandemie handelten Europas rechtspopulistische Parteien mehr oder weniger nach dem gleichen Muster. In der Corona-Krise ist das anders. Strenge Grenzkontrollen als probates Mittel zur Eindämmung der Pandemie halten sie aber alle für richtig.

Während sich rechte Parteien in den von Covid-19 stark betroffenen Staaten bisher eher darauf beschränken, das Krisenmanagement der Regierung zu kritisieren, solidarisiert sich ein Teil der Rechtspopulisten in Staaten, die bisher recht glimpflich davonkamen, mit der Minderheit der Masken-Verweigerer und Corona-Zweifler. Allerdings: Beide Strategien haben nicht den gewünschten Erfolg, wie jüngsten Umfragen zeigen.

AfD sieht Corona-Pandemie als „Weltkomplott“

In Deutschland wirft die AfD den Verantwortlichen in Bund und Ländern vor, sie schränkten die Freiheitsrechte der Bürger zu stark ein. In der Partei, in der Jörg Meuthen seit Dezember Tino Chrupalla als Co-Vorsitzenden zur Seite hat, driften die Meinungen in puncto Infektionsgeschehen jedoch auseinander. Man konnte das erst vor einigen Tagen wieder feststellen – nach der Demonstration in Berlin, wo sich Tausende weder um Abstandsgebot noch Maskenpflicht scherten.

Meuthen betonte, wer gegen die „teilweise drastischen Maßnahmen“ aufgrund der Corona-Pandemie demonstriere, dürfe nicht pauschal als „Covidiot“ verunglimpft werden. Gleichzeitig positionierte sich der AfD-Chef gegen Verschwörungstheoretiker. Jedem, der es für plausibel halte, dass diese Pandemie eine Art „Weltkomplott“ sei, mit dem Ziel die Bürger willkürlich einzuschränken, riet er, „seinen Geisteszustand überprüfen“ zu lassen.

Dem AfD-Bundestagsabgeordneten Hansjörg Müller gefiel das nicht. Der Vize des bayerischen Landesverbands erklärte, es wäre Aufgabe der AfD gewesen, in Berlin „ganz vorne in erster Reihe mit zu demonstrieren“. Es herrsche Hysterie – aber nicht bei den Demonstranten, sondern „auf Seiten der Staatsmacht, die Angst und Schrecken verbreitet, indem sie eine Krankheit auf Grippeniveau zu einer angeblich mörderischen Pandemie aufbauscht und damit die Grundrechte aushebelt“.

„Wir wollen eine Rückkehr zur Normalität“

In Österreich stellt sich die FPÖ auf die Seite derjenigen, die die staatlich verordneten Schutzmaßnahmen für völlig überzogen halten. Im April startete sie eine Petition gegen den „Corona-Wahnsinn“. „Es reicht. Wir wollen eine Rückkehr zur normalen Normalität“, sagte Fraktionschef Herbert Kickl. In der Anfangsphase unterschrieben Parteiangaben zufolge mehrere zehntausend Bürger.

Doch die Trümpfe liegen in der Krise bei der konservativ-grünen Regierung. Fast kein Tag vergeht, ohne dass sich Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) oder Minister als Krisenmanager positionieren. Dabei hat der besonnen und empathisch wirkende Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei der Frage nach dem beliebtesten Politiker Kurz sogar überholt. Zeichen dafür, dass die kernigen Sprüche, wie sie die FPÖ beherrscht, aktuell weniger gefragt scheinen. Sie ist in den Umfragen mit 12 Prozent auf Platz vier abgerutscht. Die ÖVP liegt mit 44 Prozent einsam an der Spitze, gefolgt von SPÖ und Grünen.

Salvini sieht Migranten als Gefahr für neue Ausbrüche

In Italien wiederum erlebt Matteo Salvini einen „bitteren Sommer“ (die Zeitung „La Repubblica“). Der Chef der rechten Lega, der als Innenminister mit rabiater Anti-Flüchtlings-Politik Schlagzeilen machte, hat als Oppositionschef an vielen Fronten zu kämpfen: innerparteilich, juristisch und um Wählerzuspruch. Vor einem Jahr sah sich der damalige Minister des ersten Kabinetts von Ministerpräsident Giuseppe Conte schon als nächster Regierungschef. Die Lega kam bei der Europawahl und in Umfragen auf um die 35 Prozent.

Der „Capitano“, wie Anhänger ihn nennen, versucht es nun mit dem Argument, dass Migranten eine große Gefahr für neue Covid-19-Ausbrüche seien. Die Regierung gehe zwar gegen Italiener vor, die ohne Maske zusammen feierten, aber sie schütze nicht die Grenzen gegen „Ausländer“, tobt er auf Facebook. Nicht erfreulich für ihn auch, dass eine andere Ultrarechts-Partei an Popularität zugelegt hat: die Fratelli d’Italia. Aktuell sehen Umfragen die „Brüder Italiens“ bei bis zu 18 Prozent.

Wie Italien war auch Frankreich in diesem Frühjahr besonders stark von der Pandemie betroffen. Das Rassemblement National (früher: Front National) unter Marine Le Pen warf Präsident Emmanuel Macron vor, die Bevölkerung nicht ausreichend vor dem Virus geschützt zu haben. Die 52-jährige Rechtspopulistin bringt sich bereits für die Präsidentenwahl 2022 in Stellung. Den von Macron maßgeblich mitgestaltete EU-Gipfeldeal für den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Corona-Krise hält Le Pen für die schlimmstmögliche Abmachung und der Einstieg in eine EU-Steuer. (dpa/iQ)

Leserkommentare

Ludwig sagt:
Die Aussage, dass Corona-Zeiten schlechte Zeiten für Rechtspopulisten sind, trifft nicht nur für Europa sondern Gott sei Dank noch in einem weitaus größeren Ausmaß auf die Türkei zu. Die Wirtschaft dieses Landes liegt am Boden. Die Währung ist auf dem Tiefpunkt und mit seinen völkerrechtswidrigen Angriffskriegen in mehreren Ländern steht die Türkei unmittelbar vor einem Krieg. Leider würde meiner Meinung nach der "Größenwahnsinnige " vom Bospurus sein Land auch noch in einen Krieg treiben, nur um seine Macht zu behalten. Sonst sieht es für ihn bei der nächsten Wahl wohl eher schlecht aus. Und das eine sollte den hier lebenden Türken schon klar sein, im Falle einer bewaffneten Auseinandersetzung stehen wir nicht auf der Seite der kriegstreibenden Türkei. Und die Türken und Türkischstämmigen in unserem Land wären dann nicht mehr unsere Verbündeten sondern unsere Feinde. Aber wenn uns ein hier lebender Türke namens Malik Karabulut ungestraft eine Köterrasse nennen darf, dann muss ich ehrlich gesagt zugeben, dass ich Türken und Türkischstämmige sowieso nicht mehr zu meinen Freunden zähle und von daher nichts verlieren sondern nur gewinnen werde. Corana sei Dank, dass es und endlich die Augen öffnet, wer unsere wahren Freunde und wer unsere wirklichen Feinde sind. wahl
11.08.20
0:53
AntiFa09 sagt:
Ludwig: Den schlechten Zeiten in Deutschland sollten wir uns in erster Linie widmen, denn die Versammlungsfreiheit scheint für Naziabkömmlinge auch nicht mehr zu gelten. Jede Art der Versammlung wird ihnen abgesprochen, weil sie einfach zu hohl sind, um den Ernst der Lage zu erkennen. Solche Exemplare menschlichen Abschaums findet man leider überall auf der Welt. Es gibt ein cooles AntiFa-Motiv passend dazu: ein Hakenkreuz, dass gerade seinen Weg in die Mülltonne findet. Das ist auch gut so! Das sollten wir viel öfter tragen :D
31.08.20
16:02