Imame in Deutschland

Deutsch-Pflicht für ausländische „Religionsbedienstete“ geplant

Die Bundesregierung will eine Deutsch-Pflicht für ausländische „Religionsbedienstete“ wie Imame einführen. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde auf den Weg gebracht.

07
11
2019
Imamausbildung, "Religionsbedienstete"
Symbolbild: Imam © shutterstock

Die Bundesregierung will eine Deutsch-Pflicht für ausländische „Religionsbedienstete“ wie Imame einführen. Das bestätigte am Mittwoch ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Das Bundeskabinett brachte einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg.

„Das Ziel, die Nutzung der deutschen Sprache durch ausländische Religionsbedienstete zu stärken, kann erfolgreich nur dadurch erreicht werden, dass diese bereits bei der Einreise über deutsche Sprachkenntnisse verfügen müssen, die ihnen von Beginn an die Kommunikation im gesellschaftlichen Umfeld ermöglichen“, zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland aus dem Entwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Innenminister Horst Seehofer (CSU).

Und weiter: „Aus religiösen Gründen Beschäftigte übernehmen in ihren Gemeinden oft eine prägende Rolle.“ Sie hätten „kraft Amtes eine Vorbild- und Beraterfunktion“, die für ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen sowie für erfolgreiche Integration neu Zugewanderter in Deutschland wichtig sei.

Für Übergangszeit einfache Deutschkenntnisse ausreichend

Laut Verordnungsentwurf bedarf die Erteilung eines Aufenthaltstitels bei ausländischen „Religionsbediensteten“, die „über einfache Sprachkenntnisse verfügen“, keiner Zustimmung. Dies soll bei besonderen Umständen und in Härtefällen auch bei fehlenden einfachen Sprachkenntnissen in Deutsch gelten. Der Nachweis muss dann jedoch „innerhalb eines Zeitraumes von weniger als einem Jahr nach Einreise“ erbracht werden.

Über ausreichende Deutschkenntnisse verfüge, wer Sätze und häufig genannte Ausdrücke verstehen könne, „die mit Bereichen von ganz unmittelbarer Bedeutung zusammenhängen“ – etwa Informationen zur Person und zur Familie, Einkaufen, Arbeit und näherer Umgebung. Der Ministeriumssprecher ergänzte, für die Übergangszeit seien einfache Deutschkenntnisse ausreichend. Die geänderte Verordnung gelte für Religionsbedienstete aller Religionen.

„Mangel an islamischen Gelehrten wird hiermit verschärft“

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erklärte dazu, Geistliche seien für viele Zuwanderer Bezugs- und Orientierungspunkt. Die Regelung könne einen wichtigen Beitrag für erfolgreiche Integration in Deutschland leisten. Der Entwurf geht nun in das parlamentarische Verfahren.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Filiz Polat sieht die Reform kritisch. Die Änderung werde den Mangel an islamischen Geistlichen, der bislang nicht aus Deutschland gedeckt werden könne, verschärfen. Es bleibe weiterhin offen, wie und ob die Bundesregierung die muslimischen Gemeinden beim Aufbau einer Imamausbildung unterstützen werde. Laut einer in diesem Jahr veröffentlichten Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung predigen in den rund 2.000 Moscheen in Deutschland weiterhin zu fast 90 Prozent Imame aus dem Ausland.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte im März mit Blick auf die Debatte um die Sprachkenntnisse von ausländischen Geistlichen vor zu großen Hürden gewarnt. Die Anforderungen dürften nicht dazu führen, dass die Einreise der Betroffenen faktisch unmöglich gemacht wird.

„Imame können nicht auf Ihre Sprachkenntnisse reduziert werden“

Der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) Bekir Altaş erklärt, dass Berichte über eine sog. ‚Deutsch-Pflicht‘ für Imame den Aufgaben- und Verantwortungsbereich von Imamen in Moscheegemeinden verkürzt und verzerrt . Dieses Bild werde der Lebensrealität in Deutschland nicht gerecht.

Es werde medial das Bild vermittelt, Imame können kein deutsch. „Dass Imame sowohl Deutsch können als auch Land und Gesellschaft kennen, ist im Interesse der Moscheegemeinden – in vielerlei Hinsicht. Deshalb haben die IGMG und andere islamische Religionsgemeinschaften schon vor Jahrzehnten – lange vor den großen Integrationsdebatten – Maßnahmen ergriffen. Vor diesem Hintergrund haben die Pläne der Bundesregierung im Jahr 2019 leider wieder einmal einen populistischen Beigeschmack.“, so Altaş weiter.

Der Aufgaben- und Verantwortungsbereich eines Imams sei viel zu breit aufgestellt, als das man sie auf Sprachkenntnisse reduzieren könnte. Die in Medien vermittelte oberflächliche Gleichung ‚Sprachkenntnisse = guter Imam‘ sei nicht nur falsch, sondern gefährlich. „Sie relativiert deutschsprachige Hassprediger, die gerade aufgrund ihrer rhetorischen Fähigkeiten Aufmerksamkeit erregen.“

„Auf der anderen Seite leisten viele Imame, die in ihrer Muttersprache predigen und tätig sind – unabhängig von weiteren Sprachkenntnissen – hervorragende Arbeit. Statt sie mit pauschalen Maßnahmen zu diskreditieren wäre ein Dank angebrachter.“ (KNA/iQ)

Leserkommentare

Johannes Disch sagt:
Das macht trotz aller Einwände der IGMG Sinn. Noch besser wäre es allerdings, wir würden die Imame endlich hier bei uns ausbilden. Dann wären wir nicht mehr auf Import-Imame angewiesen. Denn wer weiß, wie die zu Erdogan stehen??? Die aktuelle türkische Regierung und vor allem ihr Präsident sind der Knackpunkt der ganzen Angelegenheit. Das betrifft nicht nur das Thema Imame, sondern alle Themen rund um den Islam und die Integration von Muslimen.
07.11.19
17:35
Dilaver Çelik sagt:
Grundkenntnisse einer Fremdsprache reichen gerade mal aus, um sich im Alltag durchzuschlagen. Um eine Fremdsprache problemlos beherrschen und sich mit Muttersprachlern verständigen zu können, braucht man jedoch mindestens B2-Niveau sowie tägliche regelmäßige Anwendung der Fremdsprache mit allen Sinnen. Im Falle der Imame werden sprachliche Grundkenntnisse für den interreligiösen Dialog in den Kommunen jedenfalls nicht ausreichen. Studierte Theologen, welche mit der Absicht einer akademischen Weiterbildung nach Deutschland kommen, werden eher motiviert sein, Deutsch auf höherem Niveau zu lernen als Imame, welche nur für 5 Jahre nach Deutschland kommen. Es braucht mehr studierte Theologen, welche in Deutschland sozialisiert sind und die deutsche Sprache auf muttersprachlichem Niveau beherrschen, damit sie in der mehrheitlich nichtmuslimischen Umgebung den Islam fachlich kompetent vermitteln und den Menschen näherbringen können. Off Topic: In akademischen Kreisen ist es oft so, dass man nicht unbedingt gute Deutschkenntnisse braucht, wenn man als Ausländer gute Englischkenntnisse hat. Bei guten Englischkenntnissen werden mangelnde Deutschkenntnisse mit Nachsicht behandelt. Insofern ist die Notwendigkeit guter Deutschkenntnisse, wer in Deutschland leben und arbeiten will, nur bedingt richtig.
08.11.19
1:06
Dilaver Çelik sagt:
@Johannes Disch Ein kluger Imam hält sich zurück mit politischen Äußerungen, sofern er die einen oder anderen Moscheebesucher zu Lasten des Moscheevereins nicht vergraulen will. Ein Moscheeverein ist finanziell auf Spenden der Moscheebesucher sowie auf Mitgliedsbeiträge ihrer Mitglieder angewiesen. Es ist für einen Moscheeverein existenzgefährdend, sich finanziell nicht unterhalten zu können. Insofern kann ein Moscheeverein es sich nicht leisten, ihre Existenz zu gefährden, nur weil der Imam sich in Sachen Politik nicht zurückhalten kann. Der türkische Staat finanziert nicht den Moscheeverein, sondern besoldet lediglich den Imam. Politik hat im Interesse des inneren Friedens einer Moscheegemeinde in der Moschee ohnehin nichts zu suchen. Wer sich nicht daran hält, so haben Moscheevorstände das Recht, dagegen einzugreifen.
08.11.19
15:52