Anschlag auf Synagoge

Attentäter gesteht Tat und rechtsextremistisches Motiv

Aus einem Bekennervideo im Internet wissen die Ermittler sehr genau, wie sich der Terrorangriff auf die Synagoge in Halle abgespielt hat. Nun hat der Attentäter auch selbst ausgesagt.

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2019
Synagoge in Halle
Synagoge in Halle © Twitter, bearbeitet islamiQ.

Der Attentäter von Halle hat die Tat gestanden und auch ein rechtsextremistisches, antisemitisches Motiv bestätigt. Der 27-jährige Stephan B. habe in dem mehrstündigen Termin beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs am Donnerstagabend umfangreich ausgesagt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Karlsruhe am Freitag.

B. befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft. Der am Abend erlassene Haftbefehl legt ihm zweifachen Mord und siebenfachen Mordversuch zur Last. Das sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Freitag auf Anfrage.

Stephan B. war am Mittwoch festgenommen worden, nachdem vor einer Synagoge in Halle eine 40 Jahre alte Frau und in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss ein 20-jähriger Mann erschossen worden waren. Zuvor hatte der Täter vergeblich versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen. Zu dem Zeitpunkt hielten sich 51 Menschen in dem Gotteshaus auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur.

Attentäter veröffentlichte Manifest

Auf der Flucht verletzte der Attentäter zudem eine 40 Jahre alte Frau und deren 41 Jahre alten Mann mit Schüssen. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte B. vier Schusswaffen und mehrere Sprengsätze bei sich.

Ein Bekennervideo in sozialen Netzwerken zeigt den Ablauf der Tat aus der Perspektive des Attentäters – von der vergeblichen Erstürmung der Synagoge über die tödlichen Schüsse bis zur Flucht. Zudem legte der Täter in einem elf Seiten langen „Manifest“ seine Gedanken dar.

Muslime solidarisieren sich mit jüdischer Gemeinde

„Die Nachrichten aus Halle haben uns erschüttert. Wir möchten unser aufrichtiges Mitgefühl, Anteilnahme und Solidarität an die Angehörigen der ermordeten Opfer und der jüdischen Gemeinde übermitteln“, teilte der Islamrat gegenüber IslamiQ mit. Burhan Kesici, Vorsitzender des Islamrats, warnt vor einem Anstieg von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit.

Kesici beschreit das Attentat als einen kaltblütigen Angriff auf die Synagoge. „Gerade in solchen Zeiten ist es notwendig, dass wir als Menschen unterschiedlichen Glaubens zusammenkommen und zeigen, dass wir uns nicht spalten lassen“, sagte Kesici, der gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Islamischen Föderation Berlin (IFB), Murat Gül, und dem IGMG-Regionalverbansvorsitzenden Said Jurnal die Synagoge in Halle besuchte.

Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) ruft ihre Gemeinden dazu auf, die nächste Synagoge in ihrer Nähe zu besuchen und ihre Solidarität auszusprechen. „Die gegenseitige Anteilnahme stärkt unseren Zusammenhalt, setzt ein deutliches Zeichen gegen Hass und sensibilisiert die Öffentlichkeit in Bezug auf Angriffe auf Minderheiten und deren Gebetsstätten.“ (dpa, iQ)

Leserkommentare

Emanuel Schaub sagt:
Meine "besuche" (ich hoffe es war mehr dabei im Spiel) bei religiösen Gemeinschaften wärde inkomplett ,ohne einen Synagogen Gottesdienst. Gewisse Hemmungen/Unsicherheit herschen ja noch ,aber vielleicht an einem Freitag in den nächsten Wochen. gruß emanuel
14.10.19
13:04