TOM 2019

Muslime laden zum Tag der offenen Moschee ein

Am 3. Oktober ist der Tag der offenen Moschee (TOM). Erneut öffnen mehr als 1.000 Moscheen ihre Türen für alle Interessierten. Islamische Religionsgemeinschaften unterstreichen die Wichtigkeit dieses Tages.

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2019
TOM-Plakat 2019 - Menschen machen Heimat/en
TOM-Plakat 2019 - Menschen machen Heimat/en

Der Tag der offenen Moschee (TOM) steht in diesem Jahr unter dem Motto „Menschen machen Heimat/en“. Bundesweit laden erneut rund 1000 Gemeinden zu Führungen, Vorträge, Ausstellungen und Begegnungsmöglichkeiten an. Das gegenseitige Kennenlernen, der nachbarschaftliche Austausch und Diskussionen über „Heimat/en“ sind zentrale Anliegen.

Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) veranstaltet jährlich den Tag der offenen Moschee. Unter dem diesjährigen Motto und die damit zusammenhängenden Fragestellungen möchten Muslime am Tag der offenen Moschee mit Bürgerinnen und Bürgern aus ihrer Nachbarschaft diskutieren.

Was bedeutet Heimat für Muslime?

Denn der Begriff „Heimat“ sei heute zu einem Kampfbegriff geworden, „der oft zur Abgrenzung von religiösen und ethnischen Minderheiten benutzt werde“, so der KRM in ihrer Pressemitteilung zum TOM. Heimat werde aktuell sehr leidenschaftlich, vielseitig und ambivalent diskutiert. Vor diesem Hintergrund stelle sich auch die Frage: Was bedeutet für Muslime Heimat? Ist Deutschland ihre Heimat?

Für Dr. Zekeriya Altuğ, den aktuell amtierenden Sprecher des Koordinationsrates der Muslime (KRM), sei Heimat dort, wo er sich emotional heimisch fühle. „Deutschland ist Mittelpunkt unseres Lebens und somit auch unsere Heimat. Auch mit Herkunftsländern unserer Eltern bzw. Großeltern pflegen wir Verbindungen und haben Heimatgefühle, was keineswegs ein Widerspruch darstellt.“, so Altuğ.

„Heimat als Vielfalt begreifen“

Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) beteiligt sich in diesem Jahr mit bundesweit 165 Moscheen am TOM. Ausgestattet mit speziellen Führungen und Informationsmaterialen heißen sie alle Interessenten willkommen, die sich ein „persönliches Bild vom Gemeindeleben in einer Moschee machen möchten“, erklärt Osman Yusuf, Leiter der Abteilung für Verbandskommunikation der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG).

Heimat sei individuell. Jede Person verstehe etwas anderes darunter. Für manche sei Heimat in erster Linie etwas Geografisches, für andere wiederum sei sie untrennbar verbunden mit Familie und Freunden. „Über diese Vielfalt wollen wir in diesem Jahr beim Tag der offenen Moschee sprechen“, so Yusuf.

Moschee als „spirituelle Heimat“

Die SCHURA Niedersachen lädt ebenfalls zum diesjährigen TOM ein. Der TOM sei eine von vielen Möglichkeiten, das muslimische Gemeindeleben kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen. Fragen wie „Was ist Heimat“?, „Ist Heimat überall dort, wo wir uns zu Hause fühlen?“, „Gibt es so etwas wie eine „spirituelle Heimat“, einen Ort, mitdem wir uns durch unseren Glauben verbunden fühlen?“ sollen Themenschwerpunkte der Gespräche sein. Über diese spannenden und interessanten Fragen möchten sich die SCHURA mit den Besuchern austauschen und hofft auf regen Andrang.

„Heimat als Gefühl“

Auch die SCHURA Bremen lädt dazu auf, die Moscheen in diesem Jahr zu besuchen und sich auszutauschen. Es sei ein Tag zum gegenseitigen Kennenlernen und zu vorurteilsfreier Begegnung, an dem sich auch zahlreiche Bremer Moscheen beteiligen. Der Heimatbegriff werde zunehmend mit der geografischen Herkunft und Zugehörigkeit zur ethnischen Abstammung verknüpft. Die Islamischen Religionsgemeinschaften bevorzugen ein mehrdimensionales Verständnis: Heimat als Gefühl. So sollten Menschen mehrere Heimaten haben können, ohne deswegen Ausgrenzung zu erleben.

Leserkommentare

Kritika sagt:
L.S. „ Ist Heimat überall dort, wo wir uns zu Hause fühlen " ? " wir " und nicht " unsere Gastgeber " steht offenbar bei Muslims an erster Stelle --------- Nein im Gegenteil; Heimat ist dort wo man Rücksicht auf seine Mitmenschen nimmt und deshalb Rücksicht erfährt. Wo man aus diesem Grunde von seinen Mitmenschen und Gastgebern respektiert wird, als einer von Ihnen betrachtet wird. Dort, wo man die Gefühle gastfreundlicher Mitmenschen mit Füßen tritt -- z.B. um Kopftuch - Burkini - Burka -Tragen zu praktizieren oder sogar gerichtlich durchzudrücken -- ( Querulantin Lunda ) Dort kommt keine Heimatstimmung auf sondern eine Muslims-go-home Stimmung. Muslims werden dort als Fremdkörper betrachtet weil sie sich als Fremdkörper benehmen. Ich bin in Spanien nicht zum Stierkampf gegangen, weil ich die Grausamkeit nicht mit meiner Anwesenheit fördern mochte. Ich werde nicht zum Moschee-Tag gehen, weil ich eine unmenschliche Ideologie nicht mit meiner Anwesenheit fördern will. Gruss, Kritika
02.10.19
0:19
Brad Lewis sagt:
Nicht vergessen werden sollte die Kritik am Tag der offenen Moschee durch die Frauenrechtlerin, Rechtsanwältin, Autorin und Gründerin einer liberalen Moschee in Berlin Seyran Ates. Islamischen Verbänden warf sie vor, mit dem "Tag der offenen Moschee" am 3. Oktober den deutschen Nationalfeiertag für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. "Wenn es um Wertschätzung für das Land ginge, könnten die Moscheegemeinden am Tag der Deutschen Einheit ja zu Gottesdiensten einladen und für das Wohl dieser Gesellschaft beten", sagte die Kritikerin. "Stattdessen instrumentalisieren sie ihn und legen den Fokus auf sich selbst und betreiben Identitätspolitik." Die Islamverbände wollten die Muslime "unter dem Mäntelchen von Offenheit" als kulturelle Sondergruppe herausstellen. Der Tag der offenen Moschee sei deshalb aus ihrer Sicht eine "zutiefst verlogene Kampagne". Auf den Internetseiten der Verbände werde ein Islam vermittelt, der mit den freiheitlichen Werten unvereinbar sei, so Frau Ates. Organisationen wie der türkisch-islamischen Ditib und und dem "Zentralrat der Muslime in Deutschland" warf sie Kontakte zur radikalen Muslimbruderschaft vor. "Da geht es nicht um Integration, sondern um Absonderung in Parallelgesellschaften." Wann wird hier mal ein ausführliches Interview mit Seyran Ates geführt? Oder besteht Angst vor ihren Argumenten?
02.10.19
15:29