KÖLN

Falscher Verdacht: Kritik an Polizei wegen hartem Vorgehen gegen Muslime

Vergangenen Dienstag rückten Polizisten für einen Großeinsatz zum Kölner Hauptbahnhof. Der Grund: zehn junge Muslime. Der Kölner Polizei wird racial profiling vorgeworfen.

08
06
2019
Muslime, Polizei, Köln
Großeinsatz in Köln © Twitter, bearbeitet by IslamiQ.

Die Kölner Polizei hat am Dienstagvormittag zehn junge Männer im Alter von 18 bis 28 Jahren im Kölner Hauptbahnhof festgehalten, nachdem diese laut Zeugenaussagen kurz zuvor auf dem Vorplatz „Allahu akbar“ gerufen haben sollen und in den Hauptbahnhof liefen. Hierbei trugen sie, anlässlich des Festes am Ende des Fastenmonats Ramadan, lange Gewänder und zudem Westen.

Nach dem ein Zeugenanruf bei der Polizei einging, wurden gleich 29 Streifenwagen und eine Hundertschaft entsandt, um nach den Verdächtigen zu suchen, erklärte die Pressestelle der Kölner Polizei auf Anfrage von IslamiQ. Der Dom und sein Umfeld hätten Symbolcharakter und würden besonders geschützt, so die Polizei. Insgesamt befinden sich 25 Sicherheitskameras vor Ort. „Auch wenn der Begriff ‚Allahu akbar‘ von vielen Extremisten missbraucht wird, haben viele terroristische Anschläge mit dem Ausspruch ‚Allahu akbar‘ begonnen.“ So habe man einen Anhaltspunkt, dass es sich um den Beginn eines terroristischen Anschlags handeln könnte, so die Pressestelle gegenüber IslamiQ. 

Im Bahnhof traf die Polizei insgesamt zehn Personen an, die ohne Weiteres überwältigt und am Boden fixiert wurden. Einsatzkräfte brachten sie zur Dienststelle, wo Ermittler des Staatsschutzes sie überprüften und befragten. Nach den Befragungen bestehe gegen die zehn Männer in Bezug auf das beschriebene Verhalten kein strafrechtlicher Vorwurf. Lediglich in einem Fall fanden die Ermittler ein Einhandmesser und leiteten diesbezüglich ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. Zu den eigentlichen Verdächtigen wird die Polizei keine weiteren Angaben machen, da sich herausgestellt hat, dass sie keinen Anschlag planten, so die Pressestelle.

Kritik an Kölner Polizei

Aufgrund ihres Eingreifens musste die Polizei viel Kritik einstecken. Der Zentralrat der Muslime (ZMD) teilte am Mittwoch mit: „Wir erwarten, dass Polizisten kulturell besser geschult und sensibilisiert werden.“ Die jungen Männer hätten sich lediglich auf dem Weg zu Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan befunden. Der Vorfall zeige, dass „rassistisches Profiling“ ein ernstzunehmendes Thema bleibe. 

Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob reagierte am Mittwochnachmittag und teilte mit: „Ich weise die Vorwürfe gegen meine Beamten entschieden zurück, dass ihr Handeln von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geprägt war.“ 

Für den Vorsitzender des Islamrates, Burhan Kesici, hätten die Ereignisse am Kölner Hauptbahnhof „erneut gezeigt, dass der Umgang mit Muslimen ein anderer ist. Es wird deutlich, dass es eine Angst und Vorsicht insbesondere gegenüber Muslimen gibt“. Kesici fragt sich die Frage, „wie man reagiert hätte, wenn es sich etwa um eine rechte Gruppe gehandelt hätte“.

„Unschuldige Personen schützen“

„Bei so einer Verdachtslage werden Polizeibeamte nicht hingehen und mit den Verdächtigen ein lockeres Gespräch anfangen“, so die Pressestelle weiter. Auch wenn sich die Polizei rückblickend bei ihrem Handeln berechtigt fühlt, bedauere es der Kölner Polizeipräsident, dass unbescholtene Bürger von diesen Maßnahmen betroffen waren und bietet ihnen ein persönliches Gespräch an. „Ich werde auf diese Menschen zugehen“, so Jacobs.

Von IslamiQ danach befragt, ob die Kombination lange Gewänder, Weste und „Allahu akbar“ ein Indiz für eine Straftat sei, antwortete die Polizei-Pressestelle: „Die Polizei muss vorliegende Information schnell bewerten und handeln“. Es sei ein Unterschied, ob sich eine Person mit dieser Kombination vor einer Moschee befindet, oder vor Orten, wo eine besondere Sensibilität herrscht. „Es geht nicht darum, gegen Personen vorzugehen, sondern um unschuldige Personen zu schützen“.

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
Ich pflichte der Kritik bei und rate den Betroffenen, Strafanzeige gegen die Polizeibeamten wegen Freiheitsberaubung zu erstatten.
08.06.19
15:22
Kritika sagt:
L.S. Die Polizei hat vorbildlich und angemessen gehandelt. Sie hat sich für nichts zu entschuldigen; tut sie zum Glück auch nicht.: Der berüchtigte „Allahu akbar“ Ruf rechtfertigt durchaus die vorgenommene harte Massnahmen. Die Männer haben sich daneben benommen: Vortäuschen einer Straftat ist strafbar. Ein zitierter Islamist meint" „Wir erwarten, dass Polizisten kulturell besser geschult und sensibilisiert werden.“ Falsch, die Musselmänner und - Frauen haben sich mit den hier üblichen Gebräuche vertraut zu machen und sich daran zu orientieren. Nicht umgekehrt. Übrigens, geehrter Herr Kisci: Die AfD verwendet weder den Islamischen Mordruf noch haben ihre Mitglieder jemals deutsche Frauen vergewaltigt oder wehrlose Deutsche feige erstochen ( wie in Chemnitz ). Oder zufällig anwesende Tramfahrer erschossen, (wie in Utrecht, NL) Es wäre fantaschtisch, wenn Sie bewirken könnten, dass die Muslims hier ebenso harmlos, ungefährlich und friedlich würden, wie heute AfD oder " Rechte ". Schaffen Sie das, verehrter Herr Kecsi? Rechte Demos morden nicht; Muslims schon. Gruss, Kritika
09.06.19
1:51
IslamFrei sagt:
Gut, dass die Polizei so energisch und resolut gegen die sich als Muslim-Terrorist verkleideten junge Männer aufgetreten ist. Chapeau! Wer sich als Islam-Terrorist kleidet und deren KampfSchrei benutzt, der wird hier selbstverständlich zunächst wie ein Muslim-Terrorist behandelt. Einer hatte sogar ein Messer dabei. Was Islamvertreter dazu meinen ist völlig belanglos. Die Polizei sollte solche verdächtige Personen lieber lange in Untersuchunshaft nehmen, bis zweifelsfrei fest steht, was die im Schilde führten. Es wäre abschreckend, wenn die Polizei den Rädelsführern die Kosten ihres Einsatzes in Rechnung stellen würde, Unredlich wäre, wenn dafür Islam-Freie Steuerzahler aufkommen müssten. Dass Islamfreie Bürger von Muslims belästigt wurden, ist bedauerlich. Es fördert sicherlich nicht das Verständnis für Islamischen Flüchtlingen. Gruss, Islamfrei
09.06.19
23:45
Emanuel Schaub sagt:
Also da hatte ich ja regelrecht Glück als ich letztes Jahr auf "meinem" katholischen Lesefriedhof " nur von einem Gärntner gehört worden bin , Mein Allahu akbar war nach längerer Koran Lektüre über die (näheren) Gräber erfolgt. Ich hoffe ,die Bwohner darinnen ,waren nicht so engstirnig wie die bewohner oberhalb der Grasnabe. gruß emanuel
11.06.19
12:55
Kritika sagt:
An Hr. Emanuel Schaub " Koran Lekture " ? Und ich dachte, Sie können den Koran von vorn bis hinten und zurück auswendig aufsagen. Wieso dann noch lesen? Gruss, Kritika.
12.06.19
0:15