Das Ramadan-Journal

Kopfschmerzen, Klagen, Kaffeeentzug

Hunger und Durst im Ramadan sind ertragbar. Aber was ist mit dem Kaffeeentzug? Darüber schreibt Debora Mendelin heute im Ramadan-Journal. Und sie hat einen Tipp für alle Mitleidenden.

10
05
2019
Ramadan-Journal
Ramadan-Journal

Was ist schlimmer als Hunger und Durst im Ramadan? Richtig: der Kaffeeentzug. Vor allem  Kopfschmerzen, die mitn dem Kaffeeentzug auftreten. Ich erinnere mich nur zu gut an die vielen Male des Fastens – ob im Ramadan oder beim Basenfasten –  als ich wegen den Kopfschmerzen völlig am Ende war. Ich wollte nur noch schlafen, konnte mich kaum konzentrieren. Da ist an ein besinnliches Gebet oder an die Koranlektüre nicht mal ansatzweise zu denken. Nicht mal schlafen geht, wenn man zwei kleine Kinder hat. Deshalb hatte ich mir für dieses Jahr fest vorgenommen, einen sanften Entzug durchzuführen und meine tägliche Kaffeedosis einfach schon ein paar Tage vorher runterzufahren. Ich ging sogar mit dieser glorreichen Idee hausieren, war völlig überzeugt davon und habe es jedem nahegelegt.

Nur, wie das mit guten Vorsätzen so ist, zögerte ich meinen Kaffeeentzug immer weiter hinaus. Verzichten konnte ich am Nachmittag, aber irgendwie schien es, als könnte ich meinen Kaffee am morgen einfach nicht entbehren. Ich bemerkte – wenn ich ehrlich bin –  dass ich auch gar nicht wirklich auf meinen Kaffee verzichten wollte! Wie oft habe ich mir in der Vergangenheit schon vorgenommen, nach dem Fasten nicht mehr wieder mit dem Kaffeetrinken anzufangen, aber es ist mir nie gelungen. Das erste, was ich mir immer zubereitete, wenn ich wieder etwas zu mir nehmen durfte, war und bleibt Kaffee! Ich liebe ihn einfach.

Kaffee ist ein Lebensgefühl

Es soll ja Menschen geben, die keinen Kaffee trinken. Zugegeben, der Gedanke daran, nicht immer dem braunen Glück hinterherzulaufen ist verlockend, aber gleichzeitig tun mir die Kaffee-Abstinenten auch irgendwie leid. Was ist denn schon ein Leben ohne Kaffee? Was ist ein Cafébesuch ohne einen Latte Macchiato? Zeitung lesen ohne einen Becher gebrühter Bohnen? Ich habe all meine Süchte aufgegeben. Ja, sogar auf Zucker verzichte ich fast. Aber Kaffee? Ich sehe keinen Grund für den Verzicht. Natürlich wäre es gesünder,ich würde stattdessen Tee trinken. Auch moralisch wäre es richtig, auf Kaffee zu verzichten. Immerhin leben Kaffeebauern in Südamerika unter schrecklichen Bedingungen. Von afrikanischen Kaffeebauern ganz zu schweigen. Ja, das ist eigentlich auch schon ein Grund. Fair Trade ist eine schwache Ausrede. Aber ich mag ihn einfach in meinem Leben. Er ist die Motivation, morgens aufzustehen und die Motivation, nach der Mittagspause weiterzuarbeiten. Ich glaube, vom Lebensgefühl her vermisse ich den Kaffee im Ramadan am meisten.

Ich verzichte nur für Allah

Aber ich verzichte trotzdem. Mir bleibt ja nichts anderes übrig, schließlich faste ich. Es gehört eben zum Ramadan dazu, zu verzichten. Wir verzichten auf so vieles: Sünden oder Verhaltensweisen, die dazu führen können, wie Lästerei oder Streit. Manche verzichten auf Dinge, die zwar nicht sündhaft sind, von denen sie selber sagen, dass sie sie aber dennoch von demm Gedenken an Allah abhalten, wie Styling, Musik oder Filme. Wir verzichten auf Dinge, die eigentlich essentiell für unser Leben sind: Nahrung und Flüssigkeit, um Körper und Seele zu reinigen. Wir entgiften unseren Körper durch das Fasten und üben uns in Geduld und Dankbarkeit.

Kaffee ist aber anders. Er ist weder sündhaft noch lenkt er groß ab. Gleichzeitig ist er aber auch nicht überlebenswichtig. Wie andere Genussmittel auch, verzichten wir darauf, allein weil Allah es geboten hat. Der Verzicht dient lediglich der Hingabe für Allah, denn er hat das Fasten im Ramadan geboten. Doch diese Hingabe setzt den Glauben an ihn voraus. Das Fasten um des Fastens Willen ist also eine Demonstration und auch eine Affirmation unseres Glaubens an ihn.

Not macht erfinderisch: Eine kleine Tasse am morgen

Also verzichte ich gerne. Für den Moment. Denn zwischen Abenddämmerung und Morgendämmerung gilt das Gebot ja nicht. Während wir nach Magrib theoretisch beliebig vielssen und trinken können, sind die Tageszeiten für Koffeinzufuhr äußerst ungünstig. Ich brauche meinen Schlaf und Kaffee hat nunmal den Sinn, wach zu machen und wach zu halten. Deswegen stand der Kaffeekonsum für mich zwischen Magrib und Fadschr eigentlich nie zur Debatte. Doch dann kam dier letzte Gelegenheit vor dem Ramadan zu Fasten,, um meinen Körper schon mal auf die Fastentage vorzubereiten. Ich hatte noch immer nicht richtig mit dem Entzug angefangen da kam mir die Idee: Ich trinke einfach eine klitzekleine Mini-Tasse zum Sahûr! Genug, um mich vor den Kopfschmerzen zu schützen und wenig genug, damit ich nachher noch meine kostbaren drei Stunden Schlaf bekomme. Es funktioniert! Ich muss in diesem Ramadan nicht auf mein braunes Gold verzichten.

Leserkommentare

Emanuel Schaub sagt:
Es gibt doch Kaffee ohne ... aber das scheint ja gerade der Grund für die Abhängigkeit zu sein... Da habe ich es besser :jede tasse Kaffee nach Mittag führt zur schlaflosen Nacht. Also lieber ohne Coffein ... Aber jeder wie er7 sie es braucht.. gruß emanuel
11.05.19
11:06